Heute in 288 Stunden bin ich hoffentlich so entspannt wie genau jetzt!

Ich gestehe! Die Hendrika Bartelds ist nicht die Queen Mary 2 und auch nicht “Mein Schiff” der TuiCruises auf dem vor weniger als 2 Stunden noch Jan Delay rockte.

Ich gestehe! Die Hendrika neben der Queen ist ein winziger Zwerg, ein stolzer Zwerg, mit seinen drei Masten, den weissen Segeln, der blankgewienerte Teakholztisch auf dem Vordeck, das Sonnendeck, die gemütlichen Kojen- ein schöner stolzer Zwerg. Wer braucht schon modernen Luxus, wenn er in die Gemütlichkeit vergangener Jahrzehnte abtauchen kann. Einmal ein Pirat sein, Herrscher über die Meere, einsam  in der Weite, unendlich der Horizont.

Ich gestehe! es ist kalt. Viel zu kalt für einen Mai. Und viel zu trüb. Deshalb werde ich ab heute täglich das Orakel befragen, welches alle 6 Stunden vom amerikanischen Wetterdienst in die Welt geschickt wird.

Ich gestehe! Mir macht der Wind sehr viel weniger Sorgen, die aktuelle Flaute wurde mir vom Orchester berichtet, ist eine vom Dirigenten verordnete Zwangspause, damit 7 Tage durchgeorgelt werden kann.

Ich gestehe! Jeden Abend Filetsteak ist nicht drin im Budget. Dafür habe ich meinen alten Herrn beauftragt einen zusätzlichen Dorschfang nur für uns zu absolvieren. Da er dafür eine mindestens zwei Tage herrschende Windflaute auf der Ostsee benötigt, bitte ich meine Rostocker Freunde um Milde und Nachsicht!

Ich gestehe! Ich musste ein Tränchen wegdrücken heute abend, als ich da so auf dem Sailing Cup in der Hafencity stand und sowohl die Hendrika Bartelds als auch  die Loth Lorien in trauter Zweisamkeit an mir vorbeiflanierten. Ein grosser, lauter Trip in 8 Tagen und der sanfte Sommertörn im Juli. Eine  verrückte undso wunderbare Idee, denn was gibt es schöneres als volle laute norddeutsche Strände einfach hinter sich zu lassen und für schmales Geld sein eigenes kleines Paradies zu suchen.

Vergangene Woche gab es ein bisschen Verwiirung und auch Stress. Der NDR hat unseren Trip komplett verpeilt und als ich am Freitag dort anrief um nachzuhaken , wann das Team denn nun Bord möchte, gab es grosses Raunen im Raum und ein’ Oh mein Gott, das haben wir vergessen und der Sendeplan steht schon für die kommende Woche! Wie lange seit ihr noch unterwegs? Eine Woche? Gut dann schieben wir das irgendwie da mit rein!”  Mir rutschte das Herz ein Stockwerk tiefer, denn viele Meilenpaten verlassen sich auf die mediale Präsenz. Trotzdem bleib ich Optimist und höre mich sagen “Gut! dann die Woche drauf. Wir werden versuchen von unterwegs schon Material zu überspielen.”  Der Plan Handy und Internet während der Woche für mich zu nichtexistierenden Dingen mutieren zu lassen, wurde damit dann auch endgültig begraben.

Ich habe noch immer kein Bier für den ersten Abend an Bord, die Köchin hatte mich missverstanden. Derzeit muss sie nun  ihre gesamte Planung neu erstellen, der Kamerassi fiel aus , der letzte Platz konnte nicht mehr an den Mann/die Frau gebracht werden- was angesichts der zu erwartenden Materialflut vielleicht zum Vorteil gereicht. Ich war ein bisschen leichtsinnig und habe neben der schon geplanten Reportage über unseren Törn in der Kiteboarding gleich noch einen Artikel in Auftrag genommen, dessen Deadline dummerweise dasselbe Datum aufweist wie die für den  Segelbericht. Also muss der Laptop auch  mit ins Gepäck.

Ich gestehe! folgende Koordinaten möchte ich morgens kurz nach Sonnenaufgang rocken 55.132015,10.108423 .

Und danach ein dampfender Kaffee mit mehr Milch auf dem Sonnendeck der Hendrika.

Nur noch 8 Tage, die Meilenpaten stehen, das Schiff freut sich auf uns, die Fahrgemeinschaften formieren sich, das Testmaterial steht bereit,  ich arbeite an einer Versteigerung am Ende des Törns und daran das die Ostsee vielleicht doch schon 10 Grad warm ist. Mir fehlt die Zeit einen neuen Neo zu kaufen. Nun es gäbe Neos in Hülle und Fülle- aber der zum Trapez passende ist natürlich nicht verfügbar und muss bestellt werden. Also wird mein Alter morgen mit ordentlich viel Neoprenkleber versorgt und muss halten. Windflaute sei dank, habe ich dazu jede Menge Zeit.

Ich gestehe! Ich kann es eigentlich noch immer nicht glauben das dieser im vergangenen Jahr entstandene Traum nun Wirklichkeit wird.

„Ich werde am folgenden Morgen von alleine wach. Tief und fest und traumlos habe ich meine Kräfte gesammelt.

Ich schleiche mich nach oben, setze den Kaffee auf und genieße das Gefühl barfuss über die Planken zu tanzen. Langsam schält sich auch die Sonne aus den Wolken. Sanftes Morgenlicht ergießt sich über die Förde, leicht schaukeln die Schiffe, die StenaLine läuft ein. Majestätisch schneidet Ihr Bug die Wasser. Außer den Möwen, die ihre Geschichten erzählen hört man wenig. Noch immer knattern die Fahnen im Wind, aber er hat deutlich nachgelassen. Also, auf in den Tag.“

Ein Jahr planen , aquirieren, recherchieren, gefasste Entschlüsse umschmeissen, erneut aufgreifen, nicht aufgeben- all das liegt hinter mir. Ich nehme einen letzten Schluck Kaffee, sammle meinen Stuff zusammen, bedeute dem Kapitän und dem Bootsmann das wir das Beiboot runterlassen und zu dritt fahren wir raus in den Fjord, ich starte meinen Schirm und cruise der Sonne entgegen. Breit grinsend steige ich eine Stunde später wieder an Bord, der Rest der Truppe ist erwacht und fröhlich plappernd planen wir bei Porrigde und Rührei mit Speck den Tag.

Ich gestehe! Es wird toll!

Seit zwei Stunden hat der Kameramann auch wieder seinen Assi und ich muss mich nicht zweiteilen zwischen Kombüse und  Filmdrehutensilien anreichen. Ich kann mich ganz meiner Leidenschaft Köchen über die Schulter zu schauen, Tricks zu lernen, Gemüse zu schnippeln, Gewürze grosszügig unter Gerichte zu mischen widmen- neben der Leidenschaft dem Wind hinterherzujagen versteht sich von selbst.

Also entlasse ich euch abschliessend mit einem ersten Ausblick auf die allgemeine Grosswetterlage und die Stimmung der Symphoniker – der da lautet:  reichlich Tiefdruckgebiete auf räumlicher Enge- Isobaren die sich aneinander kuscheln wollen und ein forderndes Intro hinlegen, aus Nordwest was den ersten Tag für alle viel Segelunterricht bedeuten wird und am Abend eine nette Sunddownsession.

Nur noch 8 Tage!

Es ist noch ein Platz zu vergeben! 16. – 23.05.2010 Starthafen Kiel – Ziel dänische Südsee Hendrika Bartelds

freie Plätze für den Sommertörn: 26. – 30.07.2010 Starthafen Kiel – Ziel dänische Südsee Loth Lorien