Logbucheintrag Kurs 200° S Lyo – Maasholm Luftdruck 1026 hPa leicht fallend, diesig, Wind NW 2 Bft
Über mir scharren die Füsse, Stühle werden geschoben, ich recke mich- habe ich ausreichend geschlafen? Das ist eine elementare frage, die Kajüten sind fensterlos und die zeitliche Einschätzung des beginnenden Tages fällt imme rien bisschen schwerer. Statt an Sonnenstrahlen die auf Nasen tanzen, wird das Fortschreiten des Tages gemessen an der Frequenz der hin- und hergeschobenen Stühle über mir im Salon. Ich habe wohl doch drei Stunden geschlafen, kann ich auch aufstehen. Ein strahlender Maimorgen begrüßt mich. Kaffee ist fertig, der Porrigde wird gereicht, der Plan für den Tag steht im Prinzip fest. Den letzten Wind ausnutzen ,. Segel setzen und schauen wie lange wir ohne Motor in Richtung Maasholm kommen. Ein chilliger Tag schickt sich an, Jack Johnson wird ins CD Fach geschmissen und schickt seine Gitarrenklänge übers Deck. Alle Segel werden gesetzt die majestätische Hendrika sieht noch stolzer aus als sonst. Das Klüvernetz wird Sonnendeck, das achterdeck ebenfalls. Die Ostsee wird glatt und glatter, der Wind ist weg. Am Horizont spielen vergnügt zwei Tümmler. Wie ein Tag auf dem Mittelmmer. Wir warten ab ob der Flautenmann verjagt werden kann, erzählen uns Geschichten von rasanten Kitesessions bei 6 Windstärken und turmhohen Wellen., träumen vom Sommer, lauen Nächten, langen Abenden am Grill mit einer gut abgemixten Caipirinha und Wind. Hier da werden Pläne für den nächsten Segeltörn geschmiedet. Den wird es zweifelsohne geben im kommenden Jahr, nur wohin das ist uns noch nicht ganz klar. Dänemark? Mallorca? Griechenland? Polen? Wir wissen es nicht und spinnen reichlich Seemannsgarn.
Plötzlich gibt’s Alarm. Mann über Bord schallt es übers Meer. Ungläubig schauen wir uns an, rennen zum Achterdeck und spulen die Übung ab. Willkommene Abwechslung an einem trägen Segeltag. Das Dingi ist mittschiffs befestigt, lacht uns später bei jedem Vorbeigehen an. Jeder kann es leise rufen hören “Los kommt! Wir gehen wakeboarden“ Nachmittags siegt die Abenteuerlust über den Trägheitsmoment in unseren Körpern. Erst ziehen sich die Damen um , entern das Dingi und liefern den noch unentschlossenen Herren eine WakeShow, die sie selbst nicht für möglich gehalten hätten. Bei Rückkehr zur Hendrika erwartet sie eine Schlange wakewilliger Jungs. Der Nachmittag geht ins Land, der Abend hält Einzug, aus der Kombüse duftet es schon wieder verführerisch nach Fleich und Gewürzen. Wir laufen in die Schlei und den Hafen von Maasholm ein, spät gesellt sich gar noch Seewind zu uns. Da sind wir alle nur schon so voll gefuttert, das niemand mehr Kites aufpumpen mag und sich in nasse Neos schmeißen.
Heute Abend bin ich die erste der Piraten die in aufregende Wellenträume entschwindet. Schlussendlich hat mich der fehlende Schlaf in der vorhergehenden Nacht ausgeknockt und fordert sein recht nachgeholt zu werden ein. Morgen geht es in einem Schlag nach Laboe, wo die Hendrika uns ein letztes Mal Nachtasyl gewährt. Am Sonntag morgen wird es dann in Kiel eine hoffentlich spektakuläre Kite the Baltic Abschiedssession geben.

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