Oder sollte ich schreiben ‘Mein lilafarbener Spätsommer’? Lila ist auf jeden Fall präsent.

Bei mir ist die Schaffensphase im akuten Stadium. Mein Köpfchen ist voller Ideen und Einfälle. Angefangen hatte die Phase Lila vor wenigen Tagen abends am Kamin. Da schoss mir in den Kopf, das der Herbst und der Winter ja nun wirklich nicht mehr weit sind. Kalendarisch betrachtet zumindest, die aktuelle Wetterlage lässt derzeit ja den totalen Hochsommer vermuten.

Vor wenigen Tagen also, noch inmitten frühherbstlicher Kühle vor dem Kamin, eröffnete ich meinem geliebten Paul, das ich gegen den Winterfrust anfangen könnte, Socken zu stricken. In einem früheren Leben habe ich das bereits erfolgreich durchexerziert und die gesamte Familie damals mit wärmenden Füsslingen beglückt. Irgendwie scheint mir, dass ein Inselherbst und der darauffolgende Winter ideal wären, dieses Vergnügen aufleben zu lassen. Socken stricken hat viele Vorteile. Die Dinger sind einmalig und unverwechselbar. Solange ich Socken stricke, strecke ich meine Finger nicht dauernd in Richtung Rotweinglas und Schokolade. Da Paul gerne merkwürdige Serien im Fernsehen anschaut, kann ich vortäuschen diese total gut zu finden. Wer Socken strickt oder einfach nur so strickt, kann sich auf gar keinen Fall auf tiefschürfende Fernsehdramen konzentrieren. Lediglich ab und an ein kurzer Lacher und ein ‘Ahhaaa’ oder ‘Superklasse’ in den Raum geworfen suggerieren dem geliebten Partner ungebrochenes Interesse am TVProgramm.

So finden wir uns also keine 24 Stunden nach Entschlussfassung, ein Winterhobby anzuleiern, in der Wollabteilung des einzigen und grössten Kaufhauses der Insel wieder. Paul, um Wolle für sein eigenes Winterbeschäftigungsritual zu erstehen und ich, um mir schicke und trendige Sockenwolle auszusuchen. Nur leider ist STOLZ nicht das Alsterhaus und die Auswahl beschränkt sich auf Wolle einer Firma nebst der reduzierten Farbauswahl. Ich wäre nicht wirklich entschlossen und würde mein Vorhaben fallen lassen, würde ich trotz der wenig ausladenden Regale nicht doch fündig werden. Im untersten Regal liegt sie…schick und Lila, grün, rosa, kunterbunte Schafwolle. Vergessen, verlassen, verstossen – darauf wartend von mir gefunden zu werden.  Bunt und lustig tummeln sich die Wollknäuel wenig später in meinem Körbchen. Preise sind mir egal- ich will Sockenwolle haben und schlage zu. Mich begleitet die Sorge, das dieses schicke Lavendel, welches mich da anleuchtet ein Restposten ist und das Kaufhaus nicht in der Lage sein wird nachzuordern. Begleitet von Paul seinem skeptischen Blick und einem eingeworfenen Satz seinerseits: ‘ Du kannst doch erstmal ein Paar Socken stricken und dann, wenn Du noch immer Lust verspürst nochmal hierher fahren und Nachschub an Wolle besorgen.’

“Nee, ich habe jetzt Lust zu stricken. In drei Wochen ist der Flash bestimmt wieder vorbei. Bis dahin aber werde ich Dich jeden Tag mit klappernden Nadelspielen nerven.”

“Meinst Du?” Pauls Gesichtszüge sprechen Bände. Er glaubt nicht das ich a) in der Lage bin Socken zu stricken und das ich b) länger als einen versemmelten Versuch habe Wolle zu verwursten. Paul sieht die schicke Lilafarbene Wolle schon im Regal in Strukkamps Villa versauern.

“Ja! Ich meine. Hamburg war immer so rastlos und vollgestopft mit Terminen, dort hätte ich im Leben keine Ruhe zum Stricken gehabt. Aber hier, wo mich nichts und niemand hetzt und dunkle Abende ins Haus stehen, hier und jetzt finde ich die Vorstellung toll- mit Dir vor dem Kamin Socken strickend, das Feuer knistert sanft, das Brombeer des Rotweines im Glas neben mir kokettiert mit dem Lavendel in meiner neuen Fussbekleidung.Gott! bin ich bieder und auch noch glücklich dabei”

Ich dreh mich um und gehe Bezahlen. Eine ganze Tüte Wolle baumelt auf dem Heimweg am Fahrrad. Paul wirft immer wieder merkwürdige Blicke darauf.

Abends sitze ich tatsächlich auf dem Sofa und kämpfe nach zehn Jahren das erste Mal wieder mit einem Nadelspiel. Ich gebe zu. Ich musste mich wieder reinfuchsen. Google habe ich auch befragt, wie das nochmal genau war. Aber nach ein paar holperigen ersten Versuchen klappt das prima mit den Socken. Da ich schicke, ganz besonders  dicke lilaangehauchte Wolle in den Händen halte dauert es keine drei Stunden und die erste Socke ist fertig. Zugegeben sie ist noch nicht perfekt, aber das sind erste Socken selten. Ein bisschen Übung gehört dazu. Einen Abend weiter baumelt das erste fertige Paar in meinen Händen. Ich grinse meinen Privathelden triumphierend an: ‘Hättste nicht gedacht, das die Großstadtschnepfe ihr Vorhaben durchzieht oder?!”

Paul grinst mich an. “Ich war skeptisch, das gebe ich zu. Stricken das konnte ich mir bei Dir wirklich nicht vorstellen. Das hat doch nichts mit Surferstyle zu tun.”

“Häh, warum muss ich alles tun was Surferlike ist? Nur weil ich die letzten Wochen wie verrückt nach Wind und Meer war, mehr Zeit draussen auf dem Sund als mit Dir verbrachte, heißt das doch nicht das ich neben dem kiten nur coole Kiterdinge anstelle. Ausserdem wer oder was definiert eigentlich cool? Mensch Paul. Ich war oft kiten, ich weiß. Aber deswegen vergesse ich doch nicht wo es warm, gemütlich, ruhig und entspannt ist. Entspannt genug um Socken zu stricken.”

Versonnen schau ich meine schicke neue Fussbekleidung an.

“Und weißt Du was? Ich mach den beiden Füsslingen noch eine passende Bommelmütze. Dieses Lavendel schreit geradezu danach trübe Novembertage gepaart an Nougatfarbenen Streifen zu erleuchten.”

Lilaphase im September die erste. Ich habe inzwischen ein Paar Socken aus Schafswolle gestrickt, mich darüber gefreut, sie getragen, gewaschen und für das Puppenhaus meiner noch nicht existenten Nichte zurücklegen müssen. Das hat mich nicht entmutigt. Ein weiteres Paar trat die würdige Nachfolge der in der Waschmaschine geschrumpften Erstlinge an, es folgten Bommelmützen in Lila und weniger Lila. Irgendwann stand Paul mit blauer Wolle neben mir.

“Was ist das denn?”

“Ich habe mir heute Wolle besorgt und wollte Dich fragen, ob Du mir auch eine Wintermütze strickst. Ich finde Deine Bommelmützen totschick und cool. Solange Du also noch diese manische Phase hast, würde ich Dich bitten mir auch eine Mütze zu stricken.Ich stehe ja nicht so auf LILA deswegen habe ich hier Blau und Dunkelblau und Grau, wenn Du also…eventuell….”

Ein schmachtender Blick, ein Zwinkern der Augen und ich sag “Klar…für Dich auch GELB.”

Lila II

Die Insel wird derzeit von einer wahren Mückenplage heimgesucht. Die hohen Temperaturen, gepaart mit einer noch höheren Luftfeuchtigkeit lässt die Biester aus ihren Verstecken kommen, sich explosionsartig zu vermehren und uns Nachts nicht schlafen.

Jetzt danke ich mir tagtäglich für die Frühjahrsinvestition in den echten, nicht winterharten, mückenverscheuchenden Lavendel. Einige seiner schicken lilafarbenen Blüten liegen im Schlafzimmer auf der Kommode, verströmen den intensiven Duft und halten mir beziehungsweise Paul die summenden Plagegeister vom Hals. Lavendel, also der nicht winterharte, mit seinem lieblichen Duft, den ich toll finde und Mücken nicht, ist eine ganz besonders tolle Einrichtung. Viel besser als jedes sündhaft teure Antibrumm aus der Apotheke.

Insekten ist übrigens eine ganz neue Erfahrung für mich. In Hamburg haben die Viecher ja inmitten von Beton, grauem Asphalt und Abgasen wenig Überlebenschancen. Aber auf so einer Insel, mit vielen Feldern und Wiesen um einen herum, da lernt der gemeine Großstädter sehr schnell das fürchten. Ich lerne das Fürchten. Behauptete ich immer keine Angst vor Spinnen zu haben, revidierte ich diese Aussage rasant, nachdem mir das zweite Handtellergroße Exemplar vor den Füssen im Bad krabbelte. JA! Ich habe nach Paul geschrien wie am Spiess und ich schrie noch mehr als dieser mit einem Glas bewaffnet das Monster lebend aus dem Haus beförderte.  Die sechsbeinigen ungewollten Mitbewohner sind überall. Denkst Du das drei Tage ohne ihren Besuch Beweis dafür sind in einem spinnenfreien Haushalt zu leben, lachen sie Dich morgens frech vor dem Fenster an. Überhaupt finden die Spinnen meine Fenster ganz super um sich häuslich niederzulassen. Jeden Tag wurden die Netze grösser und die Spinnen gefühlt fetter. Auch das Exemplar auf der Terasse wollte sich einfach nicht vertreiben lassen. Den einen Morgen rannte ich ahnungslos in ein Netz, welches am Tisch befestigt war. Den anderen Morgen hatte unsere Hausspinne, für die Paul und ich noch immer einen Namen suchen (Inga wollen wir beide irgendwie nicht), an der Sonnenliege mit den Netzauslegern verankert, dann reichte ihr der schnöde Terassenboden aus. Unsere Hausspinne wollte einfach nicht weichen. Auch nicht nachdem ich mit einem ausrangierten Besen von aussen alle Fenster von sämtlichen Spinnenweben, Nestern samt seinen Bewohnern befreite um endlich mal ungestört Fenster putzen zu können. Zwei Tage überlegte Madame was zu tun sei. Eines  morgens grinste sie mich wieder frech baumelnd, in ihrem Netz thronend an, als ich noch bettwarm mit meinem Kaffee auf die Terasse trat.

“Vielleicht mögen die Spinnen kein Lila? Sinnierte ich in Richtung Paul bei unserem Frühstück.” Der Spätsommer gab diesen September alles. Es war nach den Wochen der kühlen Luftmassen nochmals richtig warm geworden. Morgens lag ein sanfter Dunst über dem Meer, die Sonne kitzelte an unseren Nasen, es war mild und wir genossen barfuss das Frühstück auf der Terasse.

“Häh?!” Pauls Blick war irgendwo zwischen sorgenerfüllt, ob möglicher geistiger Umnachtung meinerseits und sehr fragend.

Na, vielleicht mögen sie ja kein Lila die Spinnen. So wie wie Männer Lila als Schwul bezeichnen und es allüberall ignorieren und links liegen lassen, ist es ja vielleicht auch bei den Kriechviechern. Vielleicht mögen die Lila nicht. Ich glaube ich werde nach dem Frühstück mal zu unserem Blumenhändler radeln und ein wenig lilastrahlende Heide kaufen. Die Jahreszeit passt dafür. Und dann bepflanze ich die Terasse in Lila und die Spinnen nehmen möglicherweise reissaus.”

“Ahja.” War Pauls Antwort darauf.

Verstehen muss mich niemand. Ich tu es ja selbst kaum. Ich hatte Lust Heidekraut auf meiner Terasse zu positionieren. Die These, damit Spinnen vertreiben zu können, in den Raum zu stellen, rechtfertigte zumindest den Weg zum Blumenhändler und den darauffolgend in der Haushaltskasse fehlenden Betrag. Heide wäre auf dem Festland sicherlich sehr viel preiswerter, aber auf das Festland würde ich erst 10 Tage später fahren. Ich wollte aber jetzt Heide pflanzen.

Ich schwang mich also auf mein Fahrrad, stopfte mir Lieblings- und GuteLaune Musik in die Ohren und strampelte zum Blumenhändler. Mitten in den schönsten Cafe del Mar Klassikmix werde ich rasant angehupt und aufs Feld gedrängt. Ein dicker Benz mit kopfschüttelnden Insassen überholt mich. “Mensch! So ungeduldig und frustiert an einem strahlenden Septembertag.” denke ich in mich rein. Ich steige wieder auf den Drahtesel. Fröhlich pfeifend biege ich auf den Parkplatz beim Gartenparadies ein. Silbrig glänzt ein dicker Benz in der Sonne. ‘Na mal schauen , welcher Opi so wenig Zeit zum Blumenkauf hat.’

Es ist voll im Laden. Scheinbar nutzen alle Insulaner das Wetter, um Herbstblumen für den Garten zu besorgen. Ein paar Leute vor mir echauffiert sich eine ziemlich dicke Frau mit grandiosem Doppelkinn über die frechen Touristen. “Also manchmal musst Du denen einfach die Harke zeigen. Die sind überall. Ihre Handtücher auf den Liegen im Garten, die dicken Wohnmobile am Feldrand, mit ihrer langsamen Fahrerei rauben die einem noch den letzten Nerv, naja und dann benehmen sie sich als wären wir ihr Eigentum. Also manchmal musst Du denen die Leviten lesen. Gestern erst hatte ich wieder so einen…” Sie redet auf die Besitzerin des Blumenladens ein, ohne Punkt und Komma. Zwischendrin dreht sie sich immer wieder beifallheischend nach den Wartenden Kunden um. Rote Flecken der Erregung tummeln sich auf ihrem dicken Hals, die Mundwinkel hängen herab und zwischen den Augen platziert sich fein eine tiefe Zornesfalte. Unweigerlich stiehlt sich ein Lächeln auf mein Gesicht. ‘Mann, die hat aber Anerkennung nötig. Bestimmt ist das der kopfschüttelnde Inhalt des fetten Benz, der mich hupend in den Graben springen liess. Im Leben hätte ich nicht gedacht das Inselmenschen unentspannt sein können.’ Ich steh mitten im Blumenladen mit meiner schicken Lilamütze, der lilafarbenen Heide, lachend, grinsend und mich fragend ob die Dame sich wirklich in das dicke Auto schwingt.

Nachdem sie den Verkäufer ihre Blumen dreimal hat in anderes Papier einwickeln lassen, weil es immer nicht ihrer schlechten Stimmung entsprach, war sie mit Bezahlen fertig. Klar stieg sie in den Benz. so unentspannt und agressiv konnte ich mir genau ausmalen, was sie zu ihrer Mutter gesagt hat, als sie mich von der Strasse hupte. ‘ Also diese verdammten durchgeknallten Surferbräute. Immer wenn es keinen Wind hat sitzen sie auf Fahrrädern und gondeln durch die Gegend. Wahrscheinlich hat die Kleine gerade einen Joint intus und die Temperaturen nicht mehr auf der Reihe, weswegen sie jetzt mit einer Bommelmütze auf dem Fahrrad sitzt und dem nächsten Schneesturm entgegenstrampelt. Immer diese verrückten Surfer. Was wollen die nur hier?’ Bestimmt hat sie das so oder so ähnlich geschimpft.

Ich bezahle und mache mich auf den Heimweg. Dort empfängt mich Paul auf einer Leiter im Holunderbusch.

“Hey mein Held? Was treibst Du denn auf der Leiter?”

“Ich ernte Dir den Holunder. Vor ein paar Tagen hast Du doch gemeint das Du die Früchte deines Gartens verarbeiten könntest. Da ich ausser dem Holunderbusch keinen Baum entdecken kann, der Früchte trägt, dachte ich mir das Du damit etwas anstellen willst. Schau wie schön Lila der Saft ist. Passt doch zu deiner aktuellen Farbphase.”

Lachend steigt er von der Leiter. Lachend gebe ich ihm einen Kuss.

“Ja stimmt. Ich erinnere mich das ich darüber nachdachte ein Holundersüppchen zu kochen.” Nachdenklich richte ich meinen Blick auf den riesigen mit Holunderdolden gefüllten Eimer.

“Puhh- aus deiner Ernte können wir eine Kompanie mit Suppe versorgen.”

“Mein Liebling.” Paul nimmt mich in den Arm und streichelt ganz anregend meinen Rücken.

“Hmmm…” Ach Paul bloß nicht aufhören mit dem Rückengekraule.

“Mein Liebling, Du verarbeitest soviel von dem Zeug, wie Du denkst dass Du für eine Suppe brauchst. Den Rest schmeisst Du einfach auf den Kompost.” Sanft arbeitet sich seine Hand von oben nach unten und zurück.

“Hmmmm…” Mehr geht grad nicht. Aber ich sollte mich mal äussern. Entschlossen pule ich mich aus seiner, wohlige Schauer verursachenden, Umarmung. “Klar verwurste ich alles. Schließlich hast Du Dir die Mühe des Pflückens gemacht, da kann ich doch nicht mehr als die Hälfte auf den Kompost bugsieren. Ausserdem, das haben unsere Grossmütter früher jeden Herbst gemacht. Das wird schon nicht so schwer sein und schmecken tut es auch.” Hätte ich gewusst welch lilafarbene Überraschung mich erwartet, ich hätte innegehalten und über Pauls Angebot intensiv nachgedacht. Da ich, ExGrossstadtschnepfe, aber nun Zeit und Musse und ökologisch einwandfreie Früchte zur Herstellung von Holunderbeersaft, Suppe und Likör zur Verfügung habe stürze ich mich umgehend in die Arbeit. Topf, Gabel und Abfalleimer werden auf der Terasse drapiert. Nachdem meine Bluse einen ersten LILA Fleck aufweist, hält Paul mir grinsend ein altes TShirt vor die Nase und befiehlt umziehen. Hochkonzentriert streife ich die Beeren von den Dolden und summe Aschenputtels Spruch vor mich her. ‘Die guten ins Töpfchen, die schlechten ( in diesem Fall noch unreife Beeren und die beerenlosen Stiele) ins Kröpfchen- den Abfall.’ Paul schleicht lachend durchs Haus. Ich glaube ich bin ihm unheimlich. Aber wie schön wird es sein, wenn draussen der Schnee fällt und vom Wind verwirbelt auf den Boden fällt, wir vor dem lodernden Kamin hocken mit einem selbstgemachten Holunderpunsch in den Händen.

“Ach Paul- da werden wir im Winter leckeren Punsch trinken von.” Plappernd begebe ich mich mit dem Topf voll Beeren in die Küche. “Und es ist wirklich nicht schwer so einen Saft zu machen. Jetzt noch Wasser drauf, brauner Zucker, Zitronenschale und kochen.”

“Und dann?”

“Na danach kommt das Ganze in ein mit einem Handtuch ausgelegtes Sieb und wir streichen die aufgeplatzten Beeren aus.”

Wie um mir zu beweisen das dieses der schwierige Teil der Holundersaftgewinnung ist, kochen die Beeren über. Lila an den Fliesen, Lila auf dem Herd, Lila im Lappen und im Küchenzewa, welches flugs zur Schadensbegrenzung zu Hilfe genommen wurde. Lila in meiner ganzen Küche.

“Puh.” Ich streiche mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht,nachdem ich fertig mit Herd, Tischplatte und Fussboden säubern bin.

“Puh. Was für eine Schweinerei.” Paul lacht schallend los. “Was’n?” frage ich. “Du siehst so entzückend Lila aus. Mitten im Gesicht.” Mein Blick wandert von Paul fragend hinab auf den Fussboden, der sauber glänzt auf meine …Ach Du Schande! “Lila.” entfährt es mir. Ich bin Lila von den Händen bis ins Gesicht wahrscheinlich, weil ich mir mit den schick gefärbten Fingern im Gesicht herumfuhr.

Lachend nehmen wir den Topf mit der doch recht überschaubaren Menge Holundersaft vom Herd und füllen ihn in die bereitstehenden Flaschen ab.

Später schmeisse ich mich in den Sessel und stöhne laut: “ Was für ein Aufwand für vier Flaschen Holundersaft. Sollte ich im kommenden September einen ähnlichen Wunsch nach Kochkreationen verspüren, erinnere mich bitte daran, das ich das Projekt nicht unbedingt dann in Angriff nehme, wenn ich gerade die Küche gewienert habe.”

Trotz der Schweinerei in Lila bin ich total stolz auf mich und meinen Holunderbeersaft. Noch vor einem Jahr hätte ich jedem die Leviten gelesen, der mir prophezeit hätte das mich schnödes Saft einkochen total verzücken könnte.

“Du Paul?” sinniere ich in den beginnenden Sonnenuntergang, der heute übrigens schwer purpurfarben ausfällt und einen Hauch Lila im Gepäck hat. “Ich finde Lila hat es verdient meine neue Lieblingswinterfarbe zu werden. Ich meine bei all dem Farbrausch in Holunder- bis Lavendelfarben um mich herum, kann ich ja wohl nicht anders und diesen Farbton in die Top Five aufnehmen. Ich glaube ich stricke noch eine Mütze mit Lila… .Kann ja immer mal sein, das eine der Mützen zufällig in der Wäsche landet und als Puppenmütze wieder auftaucht. Da werde ich dann heilfroh sein, eine Reservemütze zu haben.”

Glücklicherweise fragt Paul mich nicht, wieviele Reservemützen schon in der Schublade auf ihren Einsatz warten.

“Mach nur mein Engel, aber denke doch bitte in Deinem Farbrausch, das ich meine Mütze doch gerne BLAU hätte.” Grinst und versteckt sich hinter seiner Zeitung.