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	<description>Mee(h)r erleben</description>
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		<title>Urlaubslektüre</title>
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		<pubDate>Wed, 26 Oct 2011 20:29:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wellenklang</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[Ich muss mir meine Geschichten nicht ausdenken. Meine Geschichten kommen tatsächlich immer wieder einfach zu mir, klopfen an und wollen verewigt werden. Manchmal muss ich warten, aber jetzt im Herbst, wenn der geneigte Insulaner wieder aus seinen Vermietobjekten in die Burger Innenstadt strömt, um entspannt einkaufen zu gehen, beim Griechen das Mittagsmenü zu geniessen oder <a href="http://wellenklang.wordpress.com/2011/10/26/urlaubslekture/" class="excerpt-more-link">[&#8230;]</a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=wellenklang.wordpress.com&amp;blog=12240820&amp;post=1195&amp;subd=wellenklang&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://wellenklang.files.wordpress.com/2011/10/ap4cbc10ab94fd3_xs.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-1246" title="ap4cbc10ab94fd3_xs" src="http://wellenklang.files.wordpress.com/2011/10/ap4cbc10ab94fd3_xs.jpg?w=300&#038;h=225" alt="" width="300" height="225" /></a>Ich muss mir meine Geschichten nicht ausdenken. Meine Geschichten kommen tatsächlich immer wieder einfach zu mir, klopfen an und wollen verewigt werden. Manchmal muss ich warten, aber jetzt im Herbst, wenn der geneigte Insulaner wieder aus seinen Vermietobjekten in die Burger Innenstadt strömt, um entspannt einkaufen zu gehen, beim Griechen das Mittagsmenü zu geniessen oder einfach mit der lieben Freundin einen Kaffee trinkt, dann erlebe ich fast täglich meine Geschichten. Mal zum Schmunzeln, dann wieder nachdenklich stimmend, aber jede auf ihre Weise Inselspeziell.</p>
<p>Ganz bis nach Hause kommen die Geschichten dann allerdings doch nicht. Ich muss mich schon ein bisschen bewegen. Allerdings , wenn ich mich bewege und über die herbstlich belaubten Alleen radel, durch die Innenstadt der Inselhauptstadt hinein in die Läden und wieder hinausstürme, mich am Ufer der Steilküste niederlasse und dem Tag nachschmecke, da passieren sie; die amüsanten und wirklich netten Anekdoten. So fein, erlesen und speziell wie Fehmarn selbst sind sie.</p>
<p>In wenigen Tagen fahre ich in den wohlverdienten Jahresurlaub. Eine Angewohnheit die ich schon als Nichtinsulaner hatte, ist der Umstand, das ich den hiesigen Sommer, und sei er noch so verregnet und frisch, in nördlichen Gefielden und an heimischen Stränden verbringe. Werden die Tage kürzer, die Nächte kühl und gar frostig, die Stürme trüber und manchmal auch schon einen Hauch eisig, dann lenke ich allzu gerne meine Wege Richtung Süden.  Für die windarmen Tage in der Hängematte muss ein Buch her. Den Tipp bekam ich dieses Mal von meiner Mutter, die dasselbe Buch morgens im Laden gekauft hatte. Die Lektüre wurde mir so schmackhaft gemacht, das ein Warten bis nach dem Urlaub beziehungsweise bis sie das Werk ausgelesen hat nicht denkbar ist. Also ab aufs Fahrrad und in den Buchladen meines Vertrauens.</p>
<p>Während ich so  durch die verwinkelten Gänge des antiken Buchlädchens schlendere und die begehrte Lektüre suche,schellt unaufhörlich die Glocke an der Ladentür. KlingKlong,KlingKlong. Diese Gemütlichkeit in den dunklen Gängen schmeckt hervorragend. Späte Herbsturlauber auf der Suche nach einem guten Krimi für den Kaminabend, fröhlich plappernde Hausfrauen, die bestellte Lektüre abholen und ein: <em>„Tach- kennen Sie Knutzen?“</em></p>
<p><em>„Welchen von den sechs hier auf der Insel meinen Sie denn?“</em> antwortet die Frau an der Kasse hundert Prozent gelassen mit einer Gegenfrage. Erstaunt schaue ich aus dem Krimi, dessen Rezension ich gerade angefangen habe zu studieren, auf und lausche in den weiteren Dialog.</p>
<p>Ein adretter Opi mit Schiebermütze und Nickelbrille auf der Nase hat sich vor der Kasse aufgebaut. Die Mütze, hier auf der Insel zählen noch Manieren, knetet er in der Hand. Auf den Füssen nach vorne und  nach hinten wippend schaut er konzentriert in das Gesicht der Buchändlerin.</p>
<p><em>„Na- den vom Meerblick Camping.“</em></p>
<p><em>„Ach den Hinnerk. Klar kenn ich Hinnerk Knutzen.“</em></p>
<p><em>„Ja das ist ja gut.“</em> Der Opi weicht keinen Millimeter von seiner Position ab. Ich habe den hinteren Gang mit den Kriminalromanen verlassen und streife geschäftig tuend und nach dem Fortgang der Geschichte lechzend  durch den vorderen Raum.</p>
<p><em>„Ja was liest er denn der Hinnerk?“</em> – fragt der Opi aufgeregt. Noch immer knetet er die Schirmmütze. <em>„Er hat doch Geburtstag und seine Frau hat gemeint wir sollen ihm ein Buch für den Urlaub schenken. Dieses Jahr fährt er ja nach Thailand, wissen Sie.“ S</em>icherlich ist der Herr von seiner geliebten Ehefrau in den Buchladen geschickt worden, um das Präsent für Hinnerk zu erstehen und ganz gewiss hat sie ihren Ehemann mit den Worten losgeschickt: ‚Wenn Du nicht sicher bist, welches Buch Du kaufen sollst, dann frag im Buchladen nach. Und komm auf keinen Fall mit einem Gutschein wieder. Der Hinnerk fliegt nämlich einen Tag nach der Feier schon nach Thailand. Da findet er keine Zeit mehr lange im Buchladen nach einem Urlaubsroman zu suchen.’</p>
<p><em>„Was liest denn der Hinnerk?“</em> Flehentlich fast schaut er die Kassiererin an.</p>
<p><em>„Tja, das weiß ich nicht. Ich bediene den Herrn Knutzen immer nur in Schreibwaren. Bücher macht meine Kollegin bei ihm. Aber wir fragen sie einfach.“</em></p>
<p><em>„Ilsekind? Ilsekind? Weißt Du was der Hinnerk vom Meerblick gerne liest?“</em></p>
<p><em>„Momeheeent,“</em> trällert es aus dem Hintergrund. Eine rundliche junge Frau mit passender Hornbrille kämpft sich von irgendwo ganz hinten im Laden nach vorne. Ich selbst habe zwar noch immer ein Buch in der Hand, starre allerdings anstatt in die Zeilen fasziniert auf die Szene an der Kasse.</p>
<p><em>„Ja bitte?“</em> Schnauft Ilsekind ein wenig aus der Puste.</p>
<p><em>„Der Kunde hier möchte gerne ein Buch für den Hinnerk Knutzen vom Meerblick Camping zu dessen Geburtstag kaufen.Den kennst Du doch. Was liest der denn?&#8220;</em></p>
<p>&#8222;Tja..&#8220; antwortet &#8216;Ilsekind&#8217; : &#8222;Der alte Hinnerk vom Meerblick, da schauen wir doch gleich mal hier nach.&#8220;</p>
<p>Ilsekind marschiert entschlossen in Richtung lokalangehauchte Kriminalliteratur, den Opi, der noch immer seine Schiebermütze bearbeitet im Schlepptau.</p>
<p><em>„Ja und bitte nichts Gebundenes.“</em> wendet sich der arme Alte an den Rücken von Ilsekind. <em>„Etwas Gebundenes das versaut er sich doch da  im Urlaub in Thailand nur- ein Taschenbuch reicht vollkommen aus.“</em></p>
<p>Ilsekind greift einen Stapel Taschenbücher aus dem Regal und setzt freudestrahlend zur Erklärung der einzelnen Bücher an.</p>
<p>Einen Hauch verloren scheint mir der Opa mit seiner Schiebermütze, die er noch immer fleißig knetet.</p>
<p>Im selben Moment als ich neugierig lauschen will, was der Opi nun für Hinnerk vom Meerblick kauft, klopft mir jemand auf die Schulter.</p>
<p><em>„Entschuldigen Sie. Entschuldigung. Tut mir leid das ich mich jetzt erst um sie kümmere, aber sie sehen ja was hier los ist heute. Alle wollen Bücher kaufen. Das trübe Wetter, die anstehenden Ferien der Insulaner nach der Hauptsaison und Weihnachten ist ja auch bald. Also! Was kann ich für sie tun?“</em> Die Kassiererin steht vor mir und blickt mir erwartungsvoll direkt ins Gesicht.</p>
<p>Ich muss lächeln. <em>„Ja also, ich fahre in Urlaub und wollte ein schönes spannendes Buch kaufen. Meine Mutter hat mir da was empfohlen.&#8220; </em> Ich reiche den Zettel, auf den ich heute morgen eilig den Namen des Autors und den Buchtitel gekritzelt habe ,weiter.</p>
<p>Minuten später trete ich auf die sonnenüberflutete Strasse hinaus, noch immer schmunzelnd über den Opi und diese weitere Episode, die so typisch für diese wunderbare Insel ist.</p>
<p>Kam ich vor 10 Monaten hierher, um irgendwie auf der plattgedrückten Insel hier im Norden mit der Brücke dran zu überleben und zurechtzukommen, so stelle ich heute fest, das genau diese Opiepisoden es sind, die mir Fehmarn immer mehr ans Herz wachsen lassen. Sprach ich noch vor wenigen Tagen davon einem Inselkoller zu erliegen, so weiß ich, das ich mich auf den stürmischen Herbst und den frostigen Winter freue. Dann, wenn der gemeine Insulaner sich anschickt wieder am sozialen Gefüge zu basteln und aus den Pensionen, Hotels und von den Campingplätzen hinaus in das pralle Leben eintaucht.</p>
<p>Ich schwinge mich auf den Drahtesel, trete in die Pedalen und geniesse wärmende Opktobersonne auf meiner Nase. Am Horizont schält sich weichgewaschen die Brücke aus dem Dunst. Es ist ganz still um mich herum, kein Hauch streicht durch die herbstlich verfärbten Bäume, keine Amsel schreit und kein Auto hupt. Herrlich. Diese Insel mit ihren Gerüchen, dem Licht und diesen faszinierenden Geschichten. In Erinnerung an die Buchladenstory muss ich laut auflachen. Klasse ist das. Paul hat bald Geburtstag und sollten mir die Ideen ausgehen, dann werde ich einfach die Autowerkstatt oder den Buchladen seines Vertrauens aufsuchen und fragen, was denn der Paul vom Leuchtturm aktuell so für den fahrbaren Untersatz braucht oder was er gerne liest und ja es darf gerne ein gebundenes Buch sein. Der Paul hat dieses Jahr leider keine Zeit für einen Urlaub in Thailand.</p>
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		<title>Inselkoller, Altersbeschwerden oder erfolgreiche Inselmigration?</title>
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		<pubDate>Mon, 17 Oct 2011 08:55:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wellenklang</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[Entweder passe ich mich mehr und mehr den Inselgegebenheiten an, bekomme den Inselkoller oder werde sonderbar.Wahrscheinlich werde ich sonderbar. Oder ich bin bereits sonderbar und der Inselkoller gesellt sich fröhlich dazu. Immerhin durchbreche ich im kommenden Frühjahr alterstechnisch betrachtet eine Schallgrenze. Da darf der gemeine Mensch schon mal Eigenarten entwickeln. Die Schwelle, von der böse <a href="http://wellenklang.wordpress.com/2011/10/17/inselkoller-altersbeschwerden-oder-erfolgreiche-inselmigration/" class="excerpt-more-link">[&#8230;]</a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=wellenklang.wordpress.com&amp;blog=12240820&amp;post=1183&amp;subd=wellenklang&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://wellenklang.files.wordpress.com/2011/10/ap4e64b2776f990_xs.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-1187" title="ap4e64b2776f990_xs" src="http://wellenklang.files.wordpress.com/2011/10/ap4e64b2776f990_xs.jpg?w=300&#038;h=195" alt="" width="300" height="195" /></a>Entweder passe ich mich mehr und mehr den Inselgegebenheiten an, bekomme den Inselkoller oder werde sonderbar.Wahrscheinlich werde ich sonderbar. Oder ich bin bereits sonderbar und der Inselkoller gesellt sich fröhlich dazu. Immerhin durchbreche ich im kommenden Frühjahr alterstechnisch betrachtet eine Schallgrenze. Da darf der gemeine Mensch schon mal Eigenarten entwickeln. Die Schwelle, von der böse Zungen behaupten sie kennzeichnet den Eintritt ins Älterwerden. Obwohl, werde ich wirklich komisch? Bin ich das nicht schon sowieso? Vielleicht leide ich nur unter einem Hauch von Inselkoller.  Älter werde ich immerhin seit 39 Jahren, 196 Tagen und zwei Stunden, schrullig und sonderbar auch. Damals brüllten meine Mutter 9 Pfund rosafarbenes Fleisch und wenige schwarze Haarstoppeln an, um zugleich mit dem Älterwerden zu beginnen. Erst lernte ich Milch trinken, dann entdeckte ich meinen Daumen, später den Wohnzimmerfussboden, dann Kinderspielzeug, Schulranzen, Tafeln mit Schulkreide, Knutschereien, Rauchen, Trinken, Shoppen, Kiten, Falten und immer wurde ich älter. Das das Leben fortschreitet hat mich noch nie gestört. Emma zum Beispiel, meine liebe Freundin Emma, hat um ihren 30. Geburtstag ein Brimmborium veranstaltet, das selbst ich am zweifeln war, ob meine damalige Gelassenheit, in die Ära der glücklichen Mittdreissiger einzutreten, ein psychisches Problem darstellt. Emma war ein halbes Jahr vor dem Ereignis &#8217;30. Geburtstag&#8217; schon fix und alle. Allmorgendlich machte sie sich auf die Suche nach möglichen Falten um die Augen herum. Da Emma sehr viel lacht, wurde sie stets fündig.Je näher das Datum ihres Eintritts in die Riege der Älterwerdenden rückte, desto mehr Phobien entwickelte sie und Theorien. Das ich mit meinen 8 Jahren mehr auf dem Buckel und Weisheiten alà jetzt machen Männer und das Leben erst richtig Spass immer nebendran sass bemerkte sie a) entweder nicht oder ignorierte es b) ganz einfach oder sie hatte es c) vergessen. Was  für meine Jugendlichkeit sprechen würde&#8230;NEIN!Ich habe kein Problem mit meinem Alter.  Unglücklicher Höhepunkt ihrer &#8216;Hilfe- ich werde 30 Phobie&#8217; war der dritte oder vierte Surflehrer in Emmas Dunstkreis, den sie dazu auserkoren hatte, sie über die alleine quasi nicht zu erklimmende Schwelle in Richtung dritte Null, zu hieven. Ich glaube er hieß Ansgar.</p>
<p><em>&#8222;Ich kann doch nicht meinen 30. Geburtstag ohne einen Freund feiern.&#8220;</em> jammerte Emma in meine Ohren als der Sommer sich anschickte zu gehen und Ansgar gleich mit ihm. <em>&#8222;Oh mein Gott, nicht auszudenken, wenn meine Freunde mich die Rathaustür putzen lassen,weil ich keinen Freund habe. Es ist so schrecklich 30 zu werden und keinen Freund zu haben. Und überhaupt wird mich danach sowieso keiner mehr anflirten wollen. Mit 30 bin ich doch für die meisten schon viel zu alt.&#8220;</em> Ich mag Emma sehr. Manchmal allerdings empfand ich ihre Theorien, über das Leben jenseits der 29, doch recht abgefahren und eingleisig. Besonders,wenn zum zehnten Mal die Ode an die schrecklichen Mittdreissiger angestimmt wurde und sie wieder über die unzuverlässigen Typen klagte. Ich sass neben ihr oder gegenüber und fragte mich warum ich meinem Jubiläum so gelassen entgegenblickte und ob das normal sei, denn schließlich gab es damals Paul II noch nicht. Also es gab ihn wohl, aber nicht an meiner Seite.</p>
<p>Nein, auf keinen Fall liegen meine aktuellen merkwürdigen Eigenarten  daran, dass ich den nahenden Geburtstag fürchte. Es muss die Insel sein, die mir Schrullige Angewohnheiten beibringt. Ich hab den 30. kaum mitbekommen, die letzten 10 Jahre lebte ich immer ein bisschen auf der Überholspur  und ich hatte Spass. Natürlich sehe ich im Kalender diese Zahl und frage mich ab und an ob ich das wirklich bin, die da &#8216;Nullen&#8217; wird- aber dann. Mein Gott &#8211; ich werde halt älter und egal das Paul mir ab und an seine Lesebrille leihen muss,wenn ich beim Socken stricken mal wieder müde Augen bekomme. Das gehört dazu, das ist das Salz in der Suppe meines Lebens. Nein an der &#8216;Null&#8217; vor der vier liegt es nicht. Naja und weh getan hat es bis dato auch noch nicht.</p>
<p>Zurück zum Thema. Ich werde sonderbar- das steht fest.</p>
<p>Neulich beim Einkaufen, da schlenderte ich nicht, wie alle anderen und wie ich es früher sicherlich auch gerne tat, durch die von goldener Herbstsonne beschienene Flaniermeile der Inselhauptstadt. Ich radelte in die Stadt hinein, stürmte durchs Kaufhaus, fühlte mich schrecklich eingeengt von den Menschen um mich herum. Alles war mir zu laut. Ich fühlte Stress aufkeimen und mich wie in einem Strudel inmitten der bunten Lichter, glitzernden Auslagen und flink umherwieselnden Angestellten des Kaufhauses. Von dem Wunsch getrieben ganz schnell wieder nach draussen zu wollen, stürmte ich hinaus. Im Supermarkt und Drogeriediscounter beschlich mich eine ähnliche Enge.  Apotheke und  Buchladen brachten auch keine Entspannung. Ganz im Gegenteil. Nach einem knappen Jahr in ländlicher Idylle brachten mich bunte Regale mit hunderten interessanter Buchrücken in den Zustand totaler Reizüberflutung. Draussen auf der Strasse hupten sie wie wild. Einen kurzen Moment war ich an Hamburg und den Ring II erinnert. Dann fiel mir ein das Herbstferien sind. Ich hatte mal wieder, wie schon zu Ostern nicht geschnallt das Ferien gleichbedeutend mit Inselinvasion von erholungssuchenden Grossstädtern sind, die statt sich am Strand in die Dünen zu legen und die letzten wärmenden Sonnenstrahlen zu geniessen, lieber im Herzen von Burg Geld in die Kassen der geschäftigen Insulaner spülen. Ich fand erst Ruhe als ich mich auf dem Deich und dem Heimweg befand. Das Karussel meiner Seele trudelte langsam aus. Die Sonne auf meiner Nase, friedlich grasende Schafe ringsherum, das Meer, am Horizont letzte weiße Segelboote, Möwen die sich in den Himmel schrauben, Freiheit, Durchatmen und Weite.</p>
<p>Ich werde echt sonderbar. Es ist noch keine 12 Monate her, da konnte ich froh sein wenn ich auf meinem täglichen Weg mit dem Fahrrad in Richtung Alster nur an zwei der vier grossen Kreuzungen, inmitten von anfahrenden Auto, abbremsenden Lastern, Abgasen und lautem Gehupe, auf die Weiterfahrt an der Ampel wartend, schädliche Abgase in meine Lungen pumpen musste. Und jetzt stressen mich 23 Touristen, die im Rudel durch den Supermarkt spazieren. Das ist Sonderbar!</p>
<p>Noch vor einem Jahr besass ich die Gabe mich an den Verkahrsknotenpunkten der Elbestadt mental ans Meer zu beamen, um vor lauter Krach und Lärm nicht vollends zu kapitulieren und möglicherweise zu kollabieren.</p>
<p>Ein weiteres Indiz für die Abdrift in die Eigentümlichkeit ist der Umstand, das ich mich beginne für den Winter einzukleiden und zwar mit Strategie.  All die schicken Mäntel und Jacken aus Hamburger Tagen überstehen den Eis- Schnee- und Regentest überhaupt nicht. Ich befinde mich derzeit auf der Suche nach einer inseltauglichen Winterjacke. Kriterien der Wahl sind hierbei weder der angesagte Trend, noch Fellbesatz und flotter Schnitt, geschweige denn farbliche Kompatibilität zu bereits vorhandenem Schuhwerk. Auswahlkriterium sind die hintere Länge für die nötige Wärme an den Nieren, waschbares und abknöpfbares Innenfutter und die Imprägnation des neuen Kleidungsstückes. Stylefaktor steht ganz weit hinten, praktisch muss es sein, wenn ich im Januar frühmorgens auf dem Weg zur Arbeit in einer Schneewehe stecke, interessiert Väterchen Frost nicht, wie ich ausschaue, wenn ich ihn darum bitte, nicht zu lange frieren zu müssen. Es dauert manchmal ein Weilchen, so wurde mir berichtet, bis der Bauer seinen Morgenkaffee ausgetrunken hat und sich auf den Weg, mich armes Kind aus dem Schnee zu ziehen, macht. Dem Frost trotzt Du nur mit Funktionalität. So werden auch die Schuhe abgecheckt. Bieten sie sowohl im Regenmatsch als auch auf Eis ausreichenden Schutz? Ist die Sohle warm und das Fell durchgängig? Nichts ist schlimmer als kalte, gefühllose Zehen mitten in der Schneewüste. Besuche ich nun den Wochenmarkt hier auf der Insel wandern meine Blicke nicht nur über die Auslagen der Gemüse- und Blumenhändler. Immer wieder inspiziere ich auch die Stände an denen wattierte Steppjacken und Gummistiefel beziehungsweise Fellschuhe feilgeboten werden. Und ich fühle mich schwer erinnert. Es ist noch gar nicht so lange her, da verbrachte ich meine gesammelte Freizeit auch auf einer Insel. Ich war besessen von ihrem Licht, dem Duft der Pinien, den schillernden Farben und der Klarheit des Meeres und der Wellen die an ihre Strände schlagen. So oft es ging besuchte ich Freunde auf Mallorca. Ungezählt sind die Sommernächte, welche wir auf der Terasse hoch über dem Meer bei Prosecco, Oliven und Brot sassen. Stundenlang klönten wir. Der Sternenhimmel, dieser unendliche Sternenhimmel über uns bewachte unsere Geselligkeit. Bei Vollmond trafen wir uns auf eigens dafür arrangierte Vollmondapperitive. Nirgends sonst auf der Welt, dachte ich damals, wäre es schöner als dort den Mond staunend und lachend aus dem Meer aufsteigen zu sehen. Unvergessen sind ebenfalls die Januartreffen auf der von Millionen Mandelblüten geschmückten Insel. Tagsüber steckten wir die wintermüden Füsse ins Meer, lagen am Strand, schlenderten über die Märkte auf der Suche nach passenden bunten Tüchern zu unseren schweren Winterjacken, sassen auf der Placa bei cafè con lechè und kehrten abends in den wenigen geöffneten Restaurants ein, um uns am Kamin zu wärmen und bei deftiger mallorquinischer Küche den vollmundigen und schweren Rotwein schmecken zu lassen. Damals fand ich es spannend, wenn meine Freunde statt bunter Tücher und Taschen auf den Märkten der kleinen Städte unermüdlich nach warmen und praktischen Jacken beziehungsweise Stiefeln suchten. Ich belächelte ihren Tick und dachte bei mir <em>&#8216;Mensch hier im Herzen des Mittelmeeres, wo Du als Baby Modebewusstsein und Stilsicherheit mit der Muttermilch eingeflösst bekommst, brauchst Du doch keine wattierten Steppjacken und Fellstiefel. Die drei Tage im Jahr wo es mal regnet und stürmt.&#8217;</em> Weit gefehlt- auch das Mittelmeer wird im Januar vom Schnee überrollt, wenn auch nur nachts. Morgens schmilzt das jungfräuliche Weiß rasch in der Sonne. Aber der November, der Dezember und der Februar haben ganz oft Nebel im Gepäck und die feuchte Kälte zerrt nicht nur an den Nerven. Sie kriecht überall hin und erfordert- genau! wattierte Steppjacken für den Strandspaziergang. Von wegen immer schick und in Schale. Praktisch ist Trumpf und unerlässlich! Das ist auf den Balearen wie auf der plattgedrückten Insel. Oder andersherum : hier auf der plattgedrückten Insel verhält es sich wie auf allen Inseln dieser Welt. Es ist schick , wenn der Sommer das Land verwöhnt. Aber wenn das Wetter umschlägt und der Regen waagerecht ins Gesicht peitscht, die Bäume sich biegen und die Wellen mannshoch auf den Strand krachen, dann ist Funktionalität absolut notwendig. Von wegen schrullig- ich bin praktisch!</p>
<p>Auch wenn ich nach Hause komme, mir meinen Paul schnappe und ihn in den nächsten Supermarkt zerre um Konservendosen mit Nudeln, Ravioli, Hühner- und Bohnentöpfen in rauen Mengen zu kaufen, weil diese gerade im Angebot sind. Dann ist das keine Schrulligkeit. Es ist klug. Denn wenn der Winter hereinbricht, über Nacht Unmengen Schnee ablädt, die der Oststurm böse durcheinanderwürfelt und zu meterhohen Schneewänden, die nicht passierbar sind, auftürmt, ist es sehr gut wenigstens was für den Bauch im Hause zu haben. Kulinarik steht dann hinten an, aber der Hunger wird gestillt. So läuft das auf einer Insel. Im Sommer beschwingt und leicht. Mit dem Beginn des Herbstes machen wir es wie die Tiere. Wir bevorraten uns und warten was die Grosswetterlage in diesem Jahr für Überraschungen bereithält. Übrigens hat Paul sehr gelacht, als ich mit hochrotem Kopf um die Ecke stürmte und laut argumentierte: &#8216;Im Supermarkt haben sie die Konserven um die Hälfte im Preis gesenkt, wir müssen schnell hin und uns bevorraten, damit wir im Winter nicht jeden Tag Ravioli ( die ich aus der Dose sehr ungern esse, um nicht zu sagen- ich hasse sie) essen müssen, sondern wenigstens ein bisschen zwischen Königsberger Klopsen und Gulasch wählen können.&#8217; Paul brach in lautes von Tränen begleitetes Gelächter aus. <em>&#8216;Mensch Kleine- Du bist ja inseltechnisch betrachtet ein wahres Entwicklungswunder.&#8217;</em> Er schnappte sich seine Jacke und wir füllten gemeinsam den Vorratsschrank. Erst wenige Monate zuvor hatte ich ihm geschworen, das mir niemals eine Büchse mit Bohneneintopf oder ähnlichem in die Küche käme. Frisch ist gesund und am bekömmlichsten.</p>
<p>Ich werde also sonderbar- aber nur im praktischen Sinne. Schrulligkeit liegt bei den Eigenarten, die Insulaner &#8211; weltweit übrigens- im Laufe ihres Lebens entwickeln, in den Augen des städtischen Betrachters.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/wellenklang.wordpress.com/1183/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/wellenklang.wordpress.com/1183/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/wellenklang.wordpress.com/1183/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/wellenklang.wordpress.com/1183/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/wellenklang.wordpress.com/1183/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/wellenklang.wordpress.com/1183/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/wellenklang.wordpress.com/1183/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/wellenklang.wordpress.com/1183/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/wellenklang.wordpress.com/1183/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/wellenklang.wordpress.com/1183/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/wellenklang.wordpress.com/1183/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/wellenklang.wordpress.com/1183/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/wellenklang.wordpress.com/1183/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/wellenklang.wordpress.com/1183/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=wellenklang.wordpress.com&amp;blog=12240820&amp;post=1183&amp;subd=wellenklang&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Crème brûlée</title>
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		<pubDate>Wed, 12 Oct 2011 16:43:10 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[&#8222;Verrate mir nur eines! Warum musst Du für einmal Crème brûlée oder wie das klebrige Zeug heißt unbedingt diesen sündhaft teuren Spezialbrenner im Schrank stehen haben?&#8220; Pauls Augen funkeln wütend. Unter dem rechten Augenlid zuckt es verdächtig. Kein Anzeichen von Lachen ist zu sehen. Paul ist sauer! Auf mich! &#8222;Weil ich verdammten Hunger auf Crème brûlée, also <a href="http://wellenklang.wordpress.com/2011/10/12/creme-brulee/" class="excerpt-more-link">[&#8230;]</a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=wellenklang.wordpress.com&amp;blog=12240820&amp;post=1167&amp;subd=wellenklang&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><a href="http://wellenklang.files.wordpress.com/2011/10/dscn5179.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-1170" title="DSCN5179" src="http://wellenklang.files.wordpress.com/2011/10/dscn5179.jpg?w=300&#038;h=225" alt="" width="300" height="225" /></a>&#8222;Verrate mir nur eines! Warum musst Du für einmal Crème brûlée oder wie das klebrige Zeug heißt unbedingt diesen sündhaft teuren Spezialbrenner im Schrank stehen haben?&#8220;</em></p>
<p>Pauls Augen funkeln wütend. Unter dem rechten Augenlid zuckt es verdächtig. Kein Anzeichen von Lachen ist zu sehen. Paul ist sauer! Auf mich!</p>
<p><em>&#8222;Weil ich verdammten Hunger auf Crème brûlée, also vanillige Creme unter zarter Karamellkruste, habe und weil eine solche Kruste eben am besten mit einem Bunsenbrenner funktioniert.&#8220;</em></p>
<p><em>&#8222;Du spinnst doch komplett</em>!&#8220; Paul greift nach seinem Fleece, fährt sich mit der Hand über die müden Augen, schüttelt verständnislos den Kopf und dreht sich um. Während er die Tür hinter sich ins Schloss fallen lässt höre ich ihn noch murmeln. <em>&#8222;Hätte ich mir auch denken können das die Grossstadtmanieren nur oberflächlich verbuddelt waren.&#8220;</em></p>
<p><em>&#8222;Pffff&#8230;Ach geh doch Du Sturkopf. Ich schreibe einen Bestseller und dann kann ich mir soviele Bunsenbrenner leisten, dass ich jeden Tag meine Crème brûlée mit einem neuen Brenner karamelisieren kann. Blöder oller Sturkopf, solange Du Deinen Grießpudding vorgesetzt bekommst ist die Welt rosa, aber wenn ich einmal eine perfekte Crème brûlée als Krönung unseres samstäglichen Dinners zaubern möchte, dann sind die Zutaten zu kostspielig und mein Wunsch nach Perfektion Flausen in meinem belockten Köpfchen.&#8220;</em> äffe ich Paul nach. Und wie um zu bestätigen das sich das nicht gehört, rummst das Garagentor in seine Halterungen zurück.</p>
<p>Ich seh Paul noch mit seinem Roller um die Ecke fegen.</p>
<p>Rumms hallt es in mir nach. Nun ist Paul wohl weg.</p>
<p><em>&#8216;Und nun?&#8217;</em> frage ich mich.  Schicker freier Samstag mit dem Liebsten sieht irgendwie anders aus, als wütend am Fenster zu stehen und einem knatternden Auspuff hinterher zu starren.</p>
<p>Das hätte mir ja auch mal jemand erklären können, was ich anstelle, wenn der rosarote Himmel das erste Mal nicht voller Geigen hängt, sondern von Blitzen durchzuckt immer trüber wird.<em> &#8216;Blöder oller Sturkopf&#8217;</em> murmel ich auf dem Rückweg in die Küche vor mir her. &#8216;<em>Blöder oller Sturkopf.&#8217;</em></p>
<p>Leider hält mein Gemurmel die abflauende Wut nicht auf. Sie macht gähnender Leere und absoluter Untröstlichkeit Platz. Wo fährt Paul jetzt hin? Wird er, wie ich es früher gerne tat, mit wütendem Bauch ans Meer fahren, durch die Dünen stapfen und laut die Wellen anbrüllen?</p>
<p><a href="http://wellenklang.files.wordpress.com/2011/10/dscn5138.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-1174" title="DSCN5138" src="http://wellenklang.files.wordpress.com/2011/10/dscn5138.jpg?w=300&#038;h=224" alt="" width="300" height="224" /></a>Die Wut flaut weiter ab. Dicke Kullertränen machen sich bereit das Licht der Welt zu erblicken. <em>&#8216;Blöder oller Sturkopf.&#8217;</em> Tapfer kommen die drei Worte über meine Lippen. <em>&#8216;Blöder oller Sturkopf.&#8217;</em> So eine leckere <em>Crème brûlée </em>wie meine hast Du noch nie gegessen und wirst Du jetzt auch niemals kosten können. Alles nur, weil so ein dämlicher Bunsenbrenner in Deinen Augen rausgeschmissenes Geld ist. Alle großen Köche und Feinschmecker dieser Welt haben einen im Schrank stehen, um der Königin unter den klassischen Nachspeisen das Diadem anzulegen.</p>
<p>Die Wut flaut noch weiter ab. Eigentlich hat sie quasi den Nullpunkt erreicht. Schluchzend steh ich in der Küche rum und fühl mich ziemlich bescheiden.</p>
<p>So aufgebracht habe ich Paul noch nie gesehen. Genau genommen habe ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht ausgemalt, das Streit unsere flauschige heile Welt erschüttern könnte. Hätte ich mal. Dann verfügte ich jetzt wenigstens über einen Plan, was zu tun ist. Eine Streit ToDo Liste wäre optimal. Ich wäre in der Lage wütend durch den Garten zu stapfen und den Rasenmäher zu malträtrieren. Oder ich würde mir eine Strohpuppe basteln und diese mit langen Nadeln mitten ins Strohherz pisacken. Schick die Sätze wiederholend: <em>&#8216;Du bist ja doch wie alle Männer und sollst es büssen mir meinen Bunsenbrenner zu verwehren.&#8217;</em></p>
<p>Langsam fange ich mich an mich einsam und verlassen zu fühlen. Vor einer halben Stunde hat Paul wütend das Haus verlassen und noch immer höre ich nicht wieder das fröhliche Knattern seines Rollers in der Ferne. Ach Mist. Ich bin aber auch dämlich. Ich hätte den Brenner einfach kaufen sollen, anstatt Paul zu fragen. Viel zu blauäugig hab ich meinen Privathelden gebeten die nötigen Unkosten aus der gemeinsamen Kasse zu bestreiten. Kein Wunder das Paul, der liebe Paul dafür kein Verständnis aufbringt. Schließlich ist diese Kasse im Küchenschrank eingerichtet worden um Goldbären und Frischkäse im Angebot zu erwerben, sprich um die tägliche Versorgung mit Grundnahrungsmitteln zu gewährleisten. <em>Crème brûlée </em>ist nun nicht wirklich lebensnotwendig. Goldbären eigentlich auch nicht. Vielleicht sollte ich diesen Umstand bei Pauls Rückankunft unverzüglich anmerken.</p>
<p>Glücklicherweise schiesst mir bei diesem Gedanken, ein Bild, mit sich auf dem Absatz wieder umdrehenden wütenden Paul ein, so dass ich das mit den Goldbären wieder verwerfe.</p>
<p><em><a href="http://wellenklang.files.wordpress.com/2011/10/dscn5139.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-1175" title="DSCN5139" src="http://wellenklang.files.wordpress.com/2011/10/dscn5139.jpg?w=300&#038;h=204" alt="" width="300" height="204" /></a>&#8216;Aber was soll ich jetzt tun?</em>&#8216; Seitdem ich auf dieser verdammten Insel hocke gibt es Paul und Paul und Paul und mich. Ab und an ein paar Freunde aus Hamburg und Berlin zu Besuch. Aber eigentlich sind Paul, der Wind und das Meer mein ganzer Alltag. Ein bisschen Arbeit auch- klar. Schließlich wollen auch Goldbären an der Kasse bezahlt werden. Paul hat das Haus in Richtung, weiß der Geier wohin, verlassen. Ich häng alleine hier am Küchentresen rum, starre auf das Meer hinaus. Die Langeweile macht sich proportional zur abflauenden Wut breit. Gefährlicher Nährboden für fiese Retourkutschen. Was habe ich eigentlich früher mit den Kerlen gemacht, wenn es stressig wurde? Ich versuche mich zu erinnern. Aber alle Begegnungen vor Paul sind in die Versenkung der weichgewaschenen Erinnerungen gerutscht. Ich kann mich beim besten Willen nicht mehr erinnern was ich dann tat. Oder tat ich einfach gar nichts, weil es nie soweit kam, dass ich mich mit den Herren hätte streiten können. Waren die einfach immer von Anbeginn darauf geeicht, mich schnellstmöglich bei aufkommender Anstrengung innerhalb des zwischenmenschlichen Kontaktes, zu entsorgen? Habe ich deswegen immer so geflennt und denen ( heute frage mich ernsthaft warum eigentlich) hinterher getrauert? Weil es nie zum Streit kommen konnte, da sie vorzeitig das Weite suchten?  Ich also nie ihre egoistischen und miesen Seiten entdecken konnte?</p>
<p>Ein heisser Tee und tröstliche Schokoladenkekse bei der besten Freundin wären jetzt genau das Richtige. Heisser Tee, Kuscheldecke und die Betrachtung des <em>Crème brûlée l</em>astigen Problems Namens Paul von allen Seiten. Dummerweise hocken meine Mädels alle auf dem Festland. Ein Facebook Chat ist nur halber Ersatz für tröstende Mädchenumarmungen. Meine sozialen Inselkontakte beschränken sich seit meiner Ankunft auf Pauls Kollegen und ein paar kitende Bekannte- allesamt männlich und wahrscheinlich mit sehr viel Verständnis für Pauls Kosten/Nutzengerechte Analyse der Notwendigkeit eines Bunsenbrenners in unserer Küche. Ich muss dringend sozial in die Insel integriert werden. Wenn Paul und ich das nächste Mal streiten, hach wenn es ein nächstes Mal Streiten mit Paul überhaupt noch gibt und er mich nicht gerade mit dem ablaufendem Wasser im Südweststurm versenkt, dann brauche ich dringend eine heilsame Teetankstelle.</p>
<p>Shoppen! Ich schlage die Onlineauftritte meiner Lieblingslabels auf. Aber online Klamotten betrachten ist kein Trost.  Shoppen als Frustbekämpfer funktioniert ausschließlich inmitten überladender Regale, umhüllt von sanften Downbeats, gepaart mit verführerischen Düften und umsorgenden Verkäuferinnen, die immer mal wieder ein : <em>&#8216;Das steht Ihnen erstklassig&#8217;</em> oder <em>&#8216;Die Farbe schmeichelt ihrem Teint ganz besonders gut.&#8217;</em> einwerfen. Onlineshoppen ist wie Küssen ohne Zunge. Ein halber Trost. Und noch weniger Trost, wenn auf der MustHave Liste der Klamotten Gummistiefel und Outdoorjacke für den Inselwinter ganz oben stehen. Ich klappe das Laptop wieder zu.</p>
<p>Natürlich könnte ich in die Stadt fahren und mich ausweinen. Ich könnte auch Telefonterror bei den Mädels betreiben und die Leitungen der Telekom fröhlich Kassensturz machen lassen. Während wir alle Nachteile von Paul ( welche hat er eigentlich? ausser das er seinen alten Pullover mit den geflickten Ellenbogen für kein Geld der Welt hergeben mag und Bunsenbrenner nicht als notwendiges Küchenutensil erachtet) analysieren, würde ich munter eine Flasche Wein köpfen und mich für den Kampf um eine perfekt zubereitete <em>Crème brûlée </em>vorbereiten. Früher haben wir das immer so gehandhabt. Wenn eine von uns Mädels mal wieder Probleme mit den Idioten diesen Welt aufbereiten musste, dann glühten die Telefonleitungen und wir hatten mit Hilfe und zuverlässiger Unterstützung schweren Rotweines sehr amüsante Analysegespräche. Danach glaubten wir meistens zu wissen, wie die windigen Typen funktionierten und warum sie uns nicht mehr anriefen. <em>&#8216; Natürlich Emma- er ruft dich nicht an, weil er ein vielbeschäftigter Mann ist. Ausser dem braucht er seine Freiheit. das weißt Du doch. Er ist ein einsamer Wolf. Ihn zu zähmen dauert ein Weilchen. Und nur weil er mit einer alten Bekannten das Wochenende verbringt, heißt das noch nicht, das er Dich abgeschossen hat. Emma glaub mir- er steht auf Dich . Und indem Du ihn nicht anrufst, beweißt Du Stärke, Coolness und das Du diejenige bist, die die Zügel in der Hand hat.&#8217;</em> Was waren wir verpeilt damals. Nicht eine von uns die nicht eine solche oder ähnliche Situation erleben musste. Die Bekannte entpuppte sich alsbald als neue Freundin. In den tragischen Fällen war diese schnell schwanger und es wurde geheiratet. Wir trösteten uns weiter mit Telefonaten, heissem Tee und Schokoplätzchen, analysierten die Situation und redeten uns die Welt schön. Gelernt habe ich in der Zeit Einiges. Am wichtigsten war die Erkenntnis das Männer, wenn sie nicht anrufen eben kein Interesse haben. Da hilft kein Schönreden und auch keine Typbetrachtung von allen Seiten. Wenn Männer sich nicht rühren bist Du out.</p>
<p><a href="http://wellenklang.files.wordpress.com/2011/10/dscn5180.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-1176" title="DSCN5180" src="http://wellenklang.files.wordpress.com/2011/10/dscn5180.jpg?w=300&#038;h=252" alt="" width="300" height="252" /></a>Was ich nicht gelernt habe in meiner <em>&#8216;Ach was bin ich wichtig und toll Grossstadtnasenzeit&#8217;</em> ist, wie ich  mich in einem banalen Streit um einen dusseligen Bunsenbrenner zu verhalten habe. Ich versinke in Trauer. <em>&#8216;Was? wenn Paul jetzt in den Dünen steht und erkennt das ich Tussi gar nicht zu ihm passe und der Stadt-Insel-Konflikt sich mit der Zeit verschärfen wird?&#8217; </em> Dann wirst Du morgens Deinen Kaffee selber kochen müssen, der Abwasch nach dem Kochen und Dinnieren gehört Dir ebenfalls alleine, keine Rosen mehr am Fenster, kein Tee abends am Kamin, Selbstgespräche an den langen Herbstabenden wären an der Tagesordnung. Vielleicht solltest Du schnell die CD für alleinlebende Mittdreißiger raussuchen. Die mit den Geräuschen wie Klospülung, Dusche und fröhliches Tellerklappern im Esszimmer drauf. Hoffentlich ist die nicht schon verstaubt oder schlimmer noch! entsorgt. Vor allem wirst Du ohne Paul lernen müssen Eidechsen vom Badezimmerfussboden aufzuheben und ins Gras zu setzen. Und zwar ohne Herzanfälle und hysterische Schreikrämpfe. Diese Erinnerung ist ganz nah. Was haben wir übe rmeinen Schrecken gelacht. Nichtsahnend tappste ich morgens barfuss ins Badezimmer. Noch müde und warm von meinen Träumen landete mein linker grosser Zeh knapp neben unserem nächtlichen Mitbewohner. Eine Eidechse wanderte tapfer in Richtung Dusche. Aus meinem Mund kamen lediglich <em>&#8216;ooohhh und Huch Gott!&#8217;</em> Tierchen dieser Gattung kannte ich aus dem Fernsehen beziehungsweise in Form gefährlicher Skorpione von meinen Reisen in die Ferne. Natürlich schossen mir unheilbringende Bilder von Stacheln in den Kopf. Irgendwie sickerte aber auch in mein schlaftrunkenes Hirn, das Fehmarn zwar Sonneninsel ist, allerdings eine kühle. Die hiesigen Temperaturen sichern nicht unbedingt das Überleben von Skorpionen. Nach dem ersten Schrecken und einem zu Hilfe eilenden Paul im Rücken wurde mir die Gattung des Vierbeiners klar. Eine Eidechse fand unser Bad toll. Angelockt von der wohligen Wärme, auf der Suche nach einem passablen Winterquartier wurde eben auch unser Haus untersucht. Sanft bugsierten wir &#8216;Lonesome Johnny&#8217; zurück ins Gras. Paul erklärte mir ganz geduldig, wo ich Johnny anfassen kann ohne ihm wehzutun und nach dem ersten Schrecken, ob der Kälte von Johnnys Echsenhaut ging das auch ziemlich gut. <em>Ja&#8230;wenn Paul meine Existenz also im Sund versenkt, muss ich mich auch darum in Zukunft alleine kümmern. Grauenvoll!</em></p>
<p><em>&#8216;Was tun?</em>&#8216;</p>
<p>Ich könnte kiten gehen. Ich könnte raus auf den Sund kreuzen und mir vom Wind die Lösung für mein Problem einflüstern lassen.</p>
<p>Ein bisschen verloren steh ich am Fenster. Draussen über dem Meer schrauben sich die Möwen auf der Suche nach dem perfekten Aufwind in den Himmel. Munter flitzen sie zwischen den Kites hin und her. Die Sonne blinkt vom tiefblauen Oktoberhimmel. Überall an den Bäumen blitzt buntes Laub hervor. Kiten gehen ist eine wirklich gute Idee. Ich wollte heute zwar mal eine Pause einlegen, weil meine Knochen vom täglichen Meerbesuch ein wenig müde sind. Aber kiten macht die Birne frei und lässt die Gedanken laufen. Wenn ich später die <em>Crème brûlée </em>in feuerfeste Schalen fülle, sie mit braunem Zucker bestreue und zum Karamellisieren in den heißen Backofen schiebe, wenn Paul dann mit roter Nase vom Meer zurückkommt, dann will ich breit in sein Gesicht lachen ihm ein &#8216;<em>oller alter Sturkopf ich hab Dich verdammt lieb&#8217;</em> ins Ohr raunen und mich ganz fest an ihn ankuscheln. Diesen entspannten Seelenzustand stelle ich am schnellsten mit einer sonnigen Kitesession wieder her.</p>
<p>Ich schmeiss mich also flugs in die Gummipelle, schmeiss die Wassertreter an die Beine, checke noch schnell die Windvorhersagen und stürme einem verwunderten Paul geradewegs in die Arme.</p>
<p><em>&#8222;Hallo schöne Frau, wohin des Wegs so geschwind? Wolltest Du heute nicht eine Kitepause einlegen?&#8220;</em></p>
<p><em>&#8222;Doch ja, aber ich habe mich so geärgert über mich und Dich und die Crème brûlée, da muss ich jetzt schnell mal raus aufs Meer. Es tut mir übrigens leid das mit dem Sturkopf und ja ich bin auch einer- ein ganz grosser. Aber ich bessere mich und den Anfang macht eine Alternative Crème brûlée im Backofen. Wieder Freunde?&#8220;</em></p>
<p><em>&#8222;Ach mein Liebling. So ein dämlicher Streit kommt vor und wir beide müssen lernen damit umzugehen. Ich kann das nicht sehr gut. Bestimmt habe ich auch weniger richtig reagiert als gut gewesen wäre. Aber auch ich habe eine Lösung für unsere </em><em>Crème brûlée Probleme.&#8220;</em></p>
<p>Paul zieht ein Büchlein aus der Tasche mit der Überschrift: &#8222;Kochprofis ohne Hummerzange und Portionierer&#8220;.</p>
<p>Wir beide müssen lachen.</p>
<p><em>&#8222;Jetzt aber ab die Dame. Ich habe bestimmt bald einen Bärenhunger auf </em><em>Crème brûlée.&#8220;</em></p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/wellenklang.wordpress.com/1167/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/wellenklang.wordpress.com/1167/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/wellenklang.wordpress.com/1167/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/wellenklang.wordpress.com/1167/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/wellenklang.wordpress.com/1167/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/wellenklang.wordpress.com/1167/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/wellenklang.wordpress.com/1167/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/wellenklang.wordpress.com/1167/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/wellenklang.wordpress.com/1167/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/wellenklang.wordpress.com/1167/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/wellenklang.wordpress.com/1167/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/wellenklang.wordpress.com/1167/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/wellenklang.wordpress.com/1167/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/wellenklang.wordpress.com/1167/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=wellenklang.wordpress.com&amp;blog=12240820&amp;post=1167&amp;subd=wellenklang&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Die Farbe Lila</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Sep 2011 20:26:13 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Oder sollte ich schreiben &#8216;Mein lilafarbener Spätsommer&#8217;? Lila ist auf jeden Fall präsent. Bei mir ist die Schaffensphase im akuten Stadium. Mein Köpfchen ist voller Ideen und Einfälle. Angefangen hatte die Phase Lila vor wenigen Tagen abends am Kamin. Da schoss mir in den Kopf, das der Herbst und der Winter ja nun wirklich nicht <a href="http://wellenklang.wordpress.com/2011/09/26/die-farbe-lila/" class="excerpt-more-link">[&#8230;]</a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=wellenklang.wordpress.com&amp;blog=12240820&amp;post=1152&amp;subd=wellenklang&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://wellenklang.files.wordpress.com/2011/09/ap4ad7bd08c168f_xs.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-1155" title="ap4ad7bd08c168f_xs" src="http://wellenklang.files.wordpress.com/2011/09/ap4ad7bd08c168f_xs.jpg?w=300&#038;h=199" alt="" width="300" height="199" /></a>Oder sollte ich schreiben &#8216;Mein lilafarbener Spätsommer&#8217;? Lila ist auf jeden Fall präsent.</p>
<p>Bei mir ist die Schaffensphase im akuten Stadium. Mein Köpfchen ist voller Ideen und Einfälle. Angefangen hatte die Phase Lila vor wenigen Tagen abends am Kamin. Da schoss mir in den Kopf, das der Herbst und der Winter ja nun wirklich nicht mehr weit sind. Kalendarisch betrachtet zumindest, die aktuelle Wetterlage lässt derzeit ja den totalen Hochsommer vermuten.</p>
<p>Vor wenigen Tagen also, noch inmitten frühherbstlicher Kühle vor dem Kamin, eröffnete ich meinem geliebten Paul, das ich gegen den Winterfrust anfangen könnte, Socken zu stricken. In einem früheren Leben habe ich das bereits erfolgreich durchexerziert und die gesamte Familie damals mit wärmenden Füsslingen beglückt. Irgendwie scheint mir, dass ein Inselherbst und der darauffolgende Winter ideal wären, dieses Vergnügen aufleben zu lassen. Socken stricken hat viele Vorteile. Die Dinger sind einmalig und unverwechselbar. Solange ich Socken stricke, strecke ich meine Finger nicht dauernd in Richtung Rotweinglas und Schokolade. Da Paul gerne merkwürdige Serien im Fernsehen anschaut, kann ich vortäuschen diese total gut zu finden. Wer Socken strickt oder einfach nur so strickt, kann sich auf gar keinen Fall auf tiefschürfende Fernsehdramen konzentrieren. Lediglich ab und an ein kurzer Lacher und ein &#8216;Ahhaaa&#8217; oder &#8216;Superklasse&#8217; in den Raum geworfen suggerieren dem geliebten Partner ungebrochenes Interesse am TVProgramm.</p>
<p>So finden wir uns also keine 24 Stunden nach Entschlussfassung, ein Winterhobby anzuleiern, in der Wollabteilung des einzigen und grössten Kaufhauses der Insel wieder. Paul, um Wolle für sein eigenes Winterbeschäftigungsritual zu erstehen und ich, um mir schicke und trendige Sockenwolle auszusuchen. Nur leider ist STOLZ nicht das Alsterhaus und die Auswahl beschränkt sich auf Wolle einer Firma nebst der reduzierten Farbauswahl. Ich wäre nicht wirklich entschlossen und würde mein Vorhaben fallen lassen, würde ich trotz der wenig ausladenden Regale nicht doch fündig werden. Im untersten Regal liegt sie&#8230;schick und Lila, grün, rosa, kunterbunte Schafwolle. Vergessen, verlassen, verstossen &#8211; darauf wartend von mir gefunden zu werden.  Bunt und lustig tummeln sich die Wollknäuel wenig später in meinem Körbchen. Preise sind mir egal- ich will Sockenwolle haben und schlage zu. Mich begleitet die Sorge, das dieses schicke Lavendel, welches mich da anleuchtet ein Restposten ist und das Kaufhaus nicht in der Lage sein wird nachzuordern. Begleitet von Paul seinem skeptischen Blick und einem eingeworfenen Satz seinerseits: <em>&#8216; Du kannst doch erstmal ein Paar Socken stricken und dann, wenn Du noch immer Lust verspürst nochmal hierher fahren und Nachschub an Wolle besorgen.&#8217;</em></p>
<p><em>&#8222;Nee, ich habe jetzt Lust zu stricken. In drei Wochen ist der Flash bestimmt wieder vorbei. Bis dahin aber werde ich Dich jeden Tag mit klappernden Nadelspielen nerven.&#8220;</em></p>
<p><em>&#8222;Meinst Du?&#8220;</em> Pauls Gesichtszüge sprechen Bände. Er glaubt nicht das ich a) in der Lage bin Socken zu stricken und das ich b) länger als einen versemmelten Versuch habe Wolle zu verwursten. Paul sieht die schicke Lilafarbene Wolle schon im Regal in Strukkamps Villa versauern.</p>
<p><em>&#8222;Ja! Ich meine. Hamburg war immer so rastlos und vollgestopft mit Terminen, dort hätte ich im Leben keine Ruhe zum Stricken gehabt. Aber hier, wo mich nichts und niemand hetzt und dunkle Abende ins Haus stehen, hier und jetzt finde ich die Vorstellung toll- mit Dir vor dem Kamin Socken strickend, das Feuer knistert sanft, das Brombeer des Rotweines im Glas neben mir kokettiert mit dem Lavendel in meiner neuen Fussbekleidung.Gott! bin ich bieder und auch noch glücklich dabei&#8220;</em></p>
<p>Ich dreh mich um und gehe Bezahlen. Eine ganze Tüte Wolle baumelt auf dem Heimweg am Fahrrad. Paul wirft immer wieder merkwürdige Blicke darauf.</p>
<p>Abends sitze ich tatsächlich auf dem Sofa und kämpfe nach zehn Jahren das erste Mal wieder mit einem Nadelspiel. Ich gebe zu. Ich musste mich wieder reinfuchsen. Google habe ich auch befragt, wie das nochmal genau war. Aber nach ein paar holperigen ersten Versuchen klappt das prima mit den Socken. Da ich schicke, ganz besonders  dicke lilaangehauchte Wolle in den Händen halte dauert es keine drei Stunden und die erste Socke ist fertig. Zugegeben sie ist noch nicht perfekt, aber das sind erste Socken selten. Ein bisschen Übung gehört dazu. Einen Abend weiter baumelt das erste fertige Paar in meinen Händen. Ich grinse meinen Privathelden triumphierend an: <em>&#8216;Hättste nicht gedacht, das die Großstadtschnepfe ihr Vorhaben durchzieht oder?!&#8220;</em></p>
<p>Paul grinst mich an. <em>&#8222;Ich war skeptisch, das gebe ich zu. Stricken das konnte ich mir bei Dir wirklich nicht vorstellen. Das hat doch nichts mit Surferstyle zu tun.&#8220;</em></p>
<p><em>&#8222;Häh, warum muss ich alles tun was Surferlike ist? Nur weil ich die letzten Wochen wie verrückt nach Wind und Meer war, mehr Zeit draussen auf dem Sund als mit Dir verbrachte, heißt das doch nicht das ich neben dem kiten nur coole Kiterdinge anstelle. Ausserdem wer oder was definiert eigentlich cool? Mensch Paul. Ich war oft kiten, ich weiß. Aber deswegen vergesse ich doch nicht wo es warm, gemütlich, ruhig und entspannt ist. Entspannt genug um Socken zu stricken.&#8220;</em></p>
<p>Versonnen schau ich meine schicke neue Fussbekleidung an.</p>
<p><em>&#8222;Und weißt Du was? Ich mach den beiden Füsslingen noch eine passende Bommelmütze. Dieses Lavendel schreit geradezu danach trübe Novembertage gepaart an Nougatfarbenen Streifen zu erleuchten.&#8220;</em></p>
<p>Lilaphase im September die erste. Ich habe inzwischen ein Paar Socken aus Schafswolle gestrickt, mich darüber gefreut, sie getragen, gewaschen und für das Puppenhaus meiner noch nicht existenten Nichte zurücklegen müssen. Das hat mich nicht entmutigt. Ein weiteres Paar trat die würdige Nachfolge der in der Waschmaschine geschrumpften Erstlinge an, es folgten Bommelmützen in Lila und weniger Lila. Irgendwann stand Paul mit blauer Wolle neben mir.</p>
<p><em>&#8222;Was ist das denn?&#8220;</em></p>
<p><em>&#8222;Ich habe mir heute Wolle besorgt und wollte Dich fragen, ob Du mir auch eine Wintermütze strickst. Ich finde Deine Bommelmützen totschick und cool. Solange Du also noch diese manische Phase hast, würde ich Dich bitten mir auch eine Mütze zu stricken.Ich stehe ja nicht so auf LILA deswegen habe ich hier Blau und Dunkelblau und Grau, wenn Du also&#8230;eventuell&#8230;.&#8220;</em></p>
<p>Ein schmachtender Blick, ein Zwinkern der Augen und ich sag &#8222;<em>Klar&#8230;für Dich auch GELB.&#8220;</em></p>
<h3>Lila II</h3>
<p>Die Insel wird derzeit von einer wahren Mückenplage heimgesucht. Die hohen Temperaturen, gepaart mit einer noch höheren Luftfeuchtigkeit lässt die Biester aus ihren Verstecken kommen, sich explosionsartig zu vermehren und uns Nachts nicht schlafen.</p>
<p>Jetzt danke ich mir tagtäglich für die Frühjahrsinvestition in den echten, nicht winterharten, mückenverscheuchenden Lavendel. Einige seiner schicken lilafarbenen Blüten liegen im Schlafzimmer auf der Kommode, verströmen den intensiven Duft und halten mir beziehungsweise Paul die summenden Plagegeister vom Hals. Lavendel, also der nicht winterharte, mit seinem lieblichen Duft, den ich toll finde und Mücken nicht, ist eine ganz besonders tolle Einrichtung. Viel besser als jedes sündhaft teure Antibrumm aus der Apotheke.</p>
<p>Insekten ist übrigens eine ganz neue Erfahrung für mich. In Hamburg haben die Viecher ja inmitten von Beton, grauem Asphalt und Abgasen wenig Überlebenschancen. Aber auf so einer Insel, mit vielen Feldern und Wiesen um einen herum, da lernt der gemeine Großstädter sehr schnell das fürchten. Ich lerne das Fürchten. Behauptete ich immer keine Angst vor Spinnen zu haben, revidierte ich diese Aussage rasant, nachdem mir das zweite Handtellergroße Exemplar vor den Füssen im Bad krabbelte. JA! Ich habe nach Paul geschrien wie am Spiess und ich schrie noch mehr als dieser mit einem Glas bewaffnet das Monster lebend aus dem Haus beförderte.  Die sechsbeinigen ungewollten Mitbewohner sind überall. Denkst Du das drei Tage ohne ihren Besuch Beweis dafür sind in einem spinnenfreien Haushalt zu leben, lachen sie Dich morgens frech vor dem Fenster an. Überhaupt finden die Spinnen meine Fenster ganz super um sich häuslich niederzulassen. Jeden Tag wurden die Netze grösser und die Spinnen gefühlt fetter. Auch das Exemplar auf der Terasse wollte sich einfach nicht vertreiben lassen. Den einen Morgen rannte ich ahnungslos in ein Netz, welches am Tisch befestigt war. Den anderen Morgen hatte unsere Hausspinne, für die Paul und ich noch immer einen Namen suchen (Inga wollen wir beide irgendwie nicht), an der Sonnenliege mit den Netzauslegern verankert, dann reichte ihr der schnöde Terassenboden aus. Unsere Hausspinne wollte einfach nicht weichen. Auch nicht nachdem ich mit einem ausrangierten Besen von aussen alle Fenster von sämtlichen Spinnenweben, Nestern samt seinen Bewohnern befreite um endlich mal ungestört Fenster putzen zu können. Zwei Tage überlegte Madame was zu tun sei. Eines  morgens grinste sie mich wieder frech baumelnd, in ihrem Netz thronend an, als ich noch bettwarm mit meinem Kaffee auf die Terasse trat.</p>
<p><em>&#8222;Vielleicht mögen die Spinnen kein Lila? Sinnierte ich in Richtung Paul bei unserem Frühstück.&#8220;</em> Der Spätsommer gab diesen September alles. Es war nach den Wochen der kühlen Luftmassen nochmals richtig warm geworden. Morgens lag ein sanfter Dunst über dem Meer, die Sonne kitzelte an unseren Nasen, es war mild und wir genossen barfuss das Frühstück auf der Terasse.</p>
<p><em>&#8222;Häh?!&#8220;</em> Pauls Blick war irgendwo zwischen sorgenerfüllt, ob möglicher geistiger Umnachtung meinerseits und sehr fragend.</p>
<p>&#8222;<em>Na, vielleicht mögen sie ja kein Lila die Spinnen. So wie wie Männer Lila als Schwul bezeichnen und es allüberall ignorieren und links liegen lassen, ist es ja vielleicht auch bei den Kriechviechern. Vielleicht mögen die Lila nicht. Ich glaube ich werde nach dem Frühstück mal zu unserem Blumenhändler radeln und ein wenig lilastrahlende Heide kaufen. Die Jahreszeit passt dafür. Und dann bepflanze ich die Terasse in Lila und die Spinnen nehmen möglicherweise reissaus.&#8220;</em></p>
<p><em>&#8222;Ahja.&#8220;</em> War Pauls Antwort darauf.</p>
<p>Verstehen muss mich niemand. Ich tu es ja selbst kaum. Ich hatte Lust Heidekraut auf meiner Terasse zu positionieren. Die These, damit Spinnen vertreiben zu können, in den Raum zu stellen, rechtfertigte zumindest den Weg zum Blumenhändler und den darauffolgend in der Haushaltskasse fehlenden Betrag. Heide wäre auf dem Festland sicherlich sehr viel preiswerter, aber auf das Festland würde ich erst 10 Tage später fahren. Ich wollte aber jetzt Heide pflanzen.</p>
<p>Ich schwang mich also auf mein Fahrrad, stopfte mir Lieblings- und GuteLaune Musik in die Ohren und strampelte zum Blumenhändler. Mitten in den schönsten Cafe del Mar Klassikmix werde ich rasant angehupt und aufs Feld gedrängt. Ein dicker Benz mit kopfschüttelnden Insassen überholt mich. <em>&#8222;Mensch! So ungeduldig und frustiert an einem strahlenden Septembertag.&#8220;</em> denke ich in mich rein. Ich steige wieder auf den Drahtesel. Fröhlich pfeifend biege ich auf den Parkplatz beim Gartenparadies ein. Silbrig glänzt ein dicker Benz in der Sonne.<em> &#8216;Na mal schauen , welcher Opi so wenig Zeit zum Blumenkauf hat.&#8217;</em></p>
<p>Es ist voll im Laden. Scheinbar nutzen alle Insulaner das Wetter, um Herbstblumen für den Garten zu besorgen. Ein paar Leute vor mir echauffiert sich eine ziemlich dicke Frau mit grandiosem Doppelkinn über die frechen Touristen. <em>&#8222;Also manchmal musst Du denen einfach die Harke zeigen. Die sind überall. Ihre Handtücher auf den Liegen im Garten, die dicken Wohnmobile am Feldrand, mit ihrer langsamen Fahrerei rauben die einem noch den letzten Nerv, naja und dann benehmen sie sich als wären wir ihr Eigentum. Also manchmal musst Du denen die Leviten lesen. Gestern erst hatte ich wieder so einen&#8230;&#8220;</em> Sie redet auf die Besitzerin des Blumenladens ein, ohne Punkt und Komma. Zwischendrin dreht sie sich immer wieder beifallheischend nach den Wartenden Kunden um. Rote Flecken der Erregung tummeln sich auf ihrem dicken Hals, die Mundwinkel hängen herab und zwischen den Augen platziert sich fein eine tiefe Zornesfalte. Unweigerlich stiehlt sich ein Lächeln auf mein Gesicht. <em>&#8216;Mann, die hat aber Anerkennung nötig. Bestimmt ist das der kopfschüttelnde Inhalt des fetten Benz, der mich hupend in den Graben springen liess. Im Leben hätte ich nicht gedacht das Inselmenschen unentspannt sein können.&#8217;</em> Ich steh mitten im Blumenladen mit meiner schicken Lilamütze, der lilafarbenen Heide, lachend, grinsend und mich fragend ob die Dame sich wirklich in das dicke Auto schwingt.</p>
<p>Nachdem sie den Verkäufer ihre Blumen dreimal hat in anderes Papier einwickeln lassen, weil es immer nicht ihrer schlechten Stimmung entsprach, war sie mit Bezahlen fertig. Klar stieg sie in den Benz. so unentspannt und agressiv konnte ich mir genau ausmalen, was sie zu ihrer Mutter gesagt hat, als sie mich von der Strasse hupte. <em>&#8216; Also diese verdammten durchgeknallten Surferbräute. Immer wenn es keinen Wind hat sitzen sie auf Fahrrädern und gondeln durch die Gegend. Wahrscheinlich hat die Kleine gerade einen Joint intus und die Temperaturen nicht mehr auf der Reihe, weswegen sie jetzt mit einer Bommelmütze auf dem Fahrrad sitzt und dem nächsten Schneesturm entgegenstrampelt. Immer diese verrückten Surfer. Was wollen die nur hier?&#8217;</em> Bestimmt hat sie das so oder so ähnlich geschimpft.</p>
<p>Ich bezahle und mache mich auf den Heimweg. Dort empfängt mich Paul auf einer Leiter im Holunderbusch.</p>
<p><em>&#8222;Hey mein Held? Was treibst Du denn auf der Leiter?&#8220;</em></p>
<p><em>&#8222;Ich ernte Dir den Holunder. Vor ein paar Tagen hast Du doch gemeint das Du die Früchte deines Gartens verarbeiten könntest. Da ich ausser dem Holunderbusch keinen Baum entdecken kann, der Früchte trägt, dachte ich mir das Du damit etwas anstellen willst. Schau wie schön Lila der Saft ist. Passt doch zu deiner aktuellen Farbphase.&#8220;</em></p>
<p>Lachend steigt er von der Leiter. Lachend gebe ich ihm einen Kuss.</p>
<p><em>&#8222;Ja stimmt. Ich erinnere mich das ich darüber nachdachte ein Holundersüppchen zu kochen.&#8220;</em> Nachdenklich richte ich meinen Blick auf den riesigen mit Holunderdolden gefüllten Eimer.</p>
<p><em>&#8222;Puhh- aus deiner Ernte können wir eine Kompanie mit Suppe versorgen.&#8220;</em></p>
<p><em>&#8222;Mein Liebling.&#8220;</em> Paul nimmt mich in den Arm und streichelt ganz anregend meinen Rücken.</p>
<p><em>&#8222;Hmmm&#8230;&#8220;</em> Ach Paul bloß nicht aufhören mit dem Rückengekraule.</p>
<p><em>&#8222;Mein Liebling, Du verarbeitest soviel von dem Zeug, wie Du denkst dass Du für eine Suppe brauchst. Den Rest schmeisst Du einfach auf den Kompost.&#8220;</em> Sanft arbeitet sich seine Hand von oben nach unten und zurück.</p>
<p><em>&#8222;Hmmmm&#8230;&#8220;</em> Mehr geht grad nicht. Aber ich sollte mich mal äussern. Entschlossen pule ich mich aus seiner, wohlige Schauer verursachenden, Umarmung. <em>&#8222;Klar verwurste ich alles. Schließlich hast Du Dir die Mühe des Pflückens gemacht, da kann ich doch nicht mehr als die Hälfte auf den Kompost bugsieren. Ausserdem, das haben unsere Grossmütter früher jeden Herbst gemacht. Das wird schon nicht so schwer sein und schmecken tut es auch.&#8220; </em>Hätte ich gewusst welch lilafarbene Überraschung mich erwartet, ich hätte innegehalten und über Pauls Angebot intensiv nachgedacht. Da ich, ExGrossstadtschnepfe, aber nun Zeit und Musse und ökologisch einwandfreie Früchte zur Herstellung von Holunderbeersaft, Suppe und Likör zur Verfügung habe stürze ich mich umgehend in die Arbeit. Topf, Gabel und Abfalleimer werden auf der Terasse drapiert. Nachdem meine Bluse einen ersten LILA Fleck aufweist, hält Paul mir grinsend ein altes TShirt vor die Nase und befiehlt umziehen. Hochkonzentriert streife ich die Beeren von den Dolden und summe Aschenputtels Spruch vor mich her. <em>&#8216;Die guten ins Töpfchen, die schlechten</em> ( in diesem Fall noch unreife Beeren und die beerenlosen Stiele) <em>ins Kröpfchen- den Abfall.&#8217;</em> Paul schleicht lachend durchs Haus. Ich glaube ich bin ihm unheimlich. Aber wie schön wird es sein, wenn draussen der Schnee fällt und vom Wind verwirbelt auf den Boden fällt, wir vor dem lodernden Kamin hocken mit einem selbstgemachten Holunderpunsch in den Händen.</p>
<p><em>&#8222;Ach Paul- da werden wir im Winter leckeren Punsch trinken von.&#8220;</em> Plappernd begebe ich mich mit dem Topf voll Beeren in die Küche. <em>&#8222;Und es ist wirklich nicht schwer so einen Saft zu machen. Jetzt noch Wasser drauf, brauner Zucker, Zitronenschale und kochen.&#8220;</em></p>
<p><em>&#8222;Und dann?&#8220;</em></p>
<p><em>&#8222;Na danach kommt das Ganze in ein mit einem Handtuch ausgelegtes Sieb und wir streichen die aufgeplatzten Beeren aus.&#8220;</em></p>
<p>Wie um mir zu beweisen das dieses der schwierige Teil der Holundersaftgewinnung ist, kochen die Beeren über. Lila an den Fliesen, Lila auf dem Herd, Lila im Lappen und im Küchenzewa, welches flugs zur Schadensbegrenzung zu Hilfe genommen wurde. Lila in meiner ganzen Küche.</p>
<p><em>&#8222;Puh.&#8220;</em> Ich streiche mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht,nachdem ich fertig mit Herd, Tischplatte und Fussboden säubern bin.</p>
<p><em>&#8222;Puh. Was für eine Schweinerei.&#8220;</em> Paul lacht schallend los. &#8222;Was&#8217;n?&#8220; frage ich. <em>&#8222;Du siehst so entzückend Lila aus. Mitten im Gesicht.&#8220;</em> Mein Blick wandert von Paul fragend hinab auf den Fussboden, der sauber glänzt auf meine &#8230;Ach Du Schande! <em>&#8222;Lila.&#8220;</em> entfährt es mir. Ich bin Lila von den Händen bis ins Gesicht wahrscheinlich, weil ich mir mit den schick gefärbten Fingern im Gesicht herumfuhr.</p>
<p>Lachend nehmen wir den Topf mit der doch recht überschaubaren Menge Holundersaft vom Herd und füllen ihn in die bereitstehenden Flaschen ab.</p>
<p>Später schmeisse ich mich in den Sessel und stöhne laut: &#8222;<em> Was für ein Aufwand für vier Flaschen Holundersaft. Sollte ich im kommenden September einen ähnlichen Wunsch nach Kochkreationen verspüren, erinnere mich bitte daran, das ich das Projekt nicht unbedingt dann in Angriff nehme, wenn ich gerade die Küche gewienert habe.&#8220;</em></p>
<p>Trotz der Schweinerei in Lila bin ich total stolz auf mich und meinen Holunderbeersaft. Noch vor einem Jahr hätte ich jedem die Leviten gelesen, der mir prophezeit hätte das mich schnödes Saft einkochen total verzücken könnte.</p>
<p><em>&#8222;Du Paul?&#8220;</em> sinniere ich in den beginnenden Sonnenuntergang, der heute übrigens schwer purpurfarben ausfällt und einen Hauch Lila im Gepäck hat. <em>&#8222;Ich finde Lila hat es verdient meine neue Lieblingswinterfarbe zu werden. Ich meine bei all dem Farbrausch in Holunder- bis Lavendelfarben um mich herum, kann ich ja wohl nicht anders und diesen Farbton in die Top Five aufnehmen. Ich glaube ich stricke noch eine Mütze mit Lila&#8230; .Kann ja immer mal sein, das eine der Mützen zufällig in der Wäsche landet und als Puppenmütze wieder auftaucht. Da werde ich dann heilfroh sein, eine Reservemütze zu haben.&#8220;</em></p>
<p>Glücklicherweise fragt Paul mich nicht, wieviele Reservemützen schon in der Schublade auf ihren Einsatz warten.</p>
<p><em>&#8222;Mach nur mein Engel, aber denke doch bitte in Deinem Farbrausch, das ich meine Mütze doch gerne BLAU hätte.&#8220;</em> Grinst und versteckt sich hinter seiner Zeitung.</p>
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		<title>Sommer mit Herbstlicht- ein Resümee</title>
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		<pubDate>Thu, 15 Sep 2011 20:19:16 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><em><a href="http://wellenklang.files.wordpress.com/2011/09/ap4e3f94df1b24e_small.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-1147" title="ap4e3f94df1b24e_small" src="http://wellenklang.files.wordpress.com/2011/09/ap4e3f94df1b24e_small.jpg?w=199&#038;h=300" alt="" width="199" height="300" /></a>&#8216;Die monatliche Niederschlagsausbeute des diesjährigen August lag bei 470% über dem langjährigen Mittel. Sie mögen es vielleicht nicht glauben. Trotz des Dauerregens von oben war der Sommer bis zum jetzigen Zeitpunkt noch immer wärmer, als die Statistiken es von ihm erwarten.&#8217;</em></p>
<p>Pffft- ein Schmarrn! Es hat mindestens eintausend Prozent geregnet und die Temperatur war phasenweise durchaus als sibirisch zu bezeichnen. Der Sommer 2011 war und ist doch ein Witz. Energisch falte ich die Inselzeitung zusammen und lege sie zu den anderen Ausgaben neben den Kamin. Sanft lodert dort das Feuer. Ich greife nach der dampfenden Tasse Tee mit Rum und grinse Paul, der mir wie immer gegenüber sitzt, an.</p>
<p><em>&#8216;Warum grinst Du denn?&#8217;</em> fragt Paul.</p>
<p><em>&#8216;Ach- ich habe gerade den Artikel über das Schmuddelwetter im August gelesen und frage mich, ob meine Anwesenheit auf der Insel vielleicht schuld daran ist, das die Touris im August in langen Karawanen fluchtartig die Brücke in Richtung Festland enterten und nicht mehr zurück schauten.&#8220;</em></p>
<p><em>&#8222;Häh?&#8220;</em> Pauls Augen werden von Fragezeichen umrahmt. <em>&#8222;Warum sollst Du schuld daran sein?&#8220;</em></p>
<p><em>&#8222;Ich weiß nicht. Vielleicht mag die Insel keine Großstadtzicken, die sich hier einnisten. Vielleicht hat sie Angst das ich laut jammernd nach Szenebars und Shoppingtempeln über ihre Wege schreite und alle nerve. Im Winter bricht das totale Schneechaos herein. Ich komme hier an und wühl mich durch die Schneelandschaften hin zu meinem neuen Zuhause. Unerschrocken schließe ich die Tür hinter mir und fange an mich einzurichten. Als Antwort darauf kommen hässliche Winterstürme mit Stromausfällen der besonderen Art. Ich bleibe und freue mich auf mein Leben hier. Die Insel antwortet mit Nebel der undurchdringlichsten Art, wochenlanger Eisblockade auf dem Sund, ewig scheinender NichtKitenKönnenPhasen. Ich fange an lange Romane zu lesen. Geniesse meine Zeit mit Dir und den Winter. Dann kommt der Frühling mit viel zu viel Sonne, verbrannten Gesichtern nach dem Kiten, rauen Händen und frostigen Abenden. Noch immer bin ich glücklich. Also trumpft die Insel auf und will mich mit ewigem Sprühregen, böigen Südwestwinden, immer wieder sich böse entladenden Gewittern verjagen. So ein verrücktes Wetter wie in diesem Sommer gab es ewig nicht. Ich glaube die Insel will das ich aufgebe und begreift leider nicht, das all das Chaos mich immer wieder in der Richtigkeit meiner Entscheidung bestärkt. Schon krass wie einfach und glücklich das Leben hier ist. Morgens entscheide ich eben nicht zwischen den goldfarbenen oder den lila schimmernden Schlappen, sondern greife die Wasserschuhe oder Gummistiefel, schmeiss mich in die gerade erst getrocknete Jeans und stampfe los. Das ist praktisch und da alle hier praktisch gekleidet durch die Gegend tingeln ist es auch unwichtig ob die Haare gekämmt sind oder nicht. Der Wind zupft das alles schon zurecht.&#8220;</em></p>
<p><em>&#8222;Jaja&#8220;</em>- entgegnet Paul <em>&#8222;Natürlich bist Du schuld, das die Tourismusbranche auf der Insel in diesem Jahr Umsatzeinbussen zu verzeichnen hat. Ich werde das morgen gleich mal der Stadtverwaltung weiterleiten. Regressansprüche bitte an meine zugezogene Freundin.&#8220;</em></p>
<p>Wir lachen und prosten uns mit dem Grog zu. Das liebgewordene Getränk in diesem nassen Sommer- heißer Tee mit bestem Rum. Cuba libre war uns irgendwann zu kalt im Bauch.</p>
<p>Eines hatte die Insel nämlich nicht bedacht. Kitesüchtigen Damen ist es egal ob es aus Kübeln giesst. Sie wollen aufs Meer- koste es was es wolle. Einige meiner Freundinnen kamen über Wochen jeden Freitag aus der Stadt hoch ans Meer, trotz undurchsichtiger Regenwände, nur den Sturm und die Windvorhersagen im Kopf. Trotzdem sie Wochenlang die vielgerühmte Sonneninsel nur Grau in Grau erlebten, rissen sie mich doch immer wieder mit hoch und auf den Sund hinaus. Ihrem Elan verdanke ich einige der besten Stunden auf dem Meer. Imme reinen Hauch an den Grenzen des Möglichen, immer unter Strom. Vollgepumpt mit beglückendem Adrenalin und diversen Trainingserfolgen zurück gekehrt vom Wasser, lachend, sich gegenseitig puschend, glücklich.</p>
<p><em>&#8222;Ich sollte Emma, Pauline und Co ein richtig fettes Geschenk zaubern. Ohne meine Unruhegeister hätte ich mich wahrscheinlich hinter dem Kamin verkrochen und das Kiten für Wochen vernachlässigt.&#8220;</em></p>
<p><em>&#8222;Du hättest auch weniger Männergeschichten anhören dürfen.&#8220;</em> wirft Paul ein.</p>
<p>&#8222;<em>Stimmt- das auch. Es ist schon turbulent mit lauter Singlefreundinnen. Wie schnell sich die Wertigkeiten verschieben, früher hab ich kaum eine Party ausgelassen, auf dem Sprung zum nächsten Flirt. Heute ist das alles schon gar nicht mehr wahr.  Und so viel entspannender, faltenschonender, preisgünstiger&#8230;.&#8220;</em></p>
<p><em>&#8222;Mein Liebling, Du redest Dich gerade um Kopf und Kragen&#8230;.&#8220; wirft Paul lachend ein. </em></p>
<p><em>&#8222;Stimmt. Komme ich wieder raus aus der Nummer?&#8220;</em></p>
<p><em>&#8222;Nur mit einem Kuss.&#8220;</em></p>
<p><em>&#8222;Gehen auch zwei?&#8220;</em></p>
<p>Glücklicherweise konnte ich mich nach den, von oben wie von unter gleichermassen nassen, Ausflügen aufs Meer noch im Neopren unter die heiße Dusche stellen und dort meine blau gefrorenen Hände und Füsse wieder mit Blut versorgen. Und glücklicherweise hatte dieser gefühlt kälteste Sommer seit mindestens einhundert Jahren immer einen netten Sturm parat und erfreulicherweise hatte diese Insel im Norden zwar mit allen Mitteln versucht, mich zum Gehen zu bewegen und es schlussendlich aber nicht auf die Reihe bekommen.  Dabei hat sie echt gezaubert und sich gegen jede Statistik gelehnt. Zu blöd aber auch, dass ihr manchmal im <em>Wegjagefieber</em> die Ideen sowie die Puste ausging. Meine Wenigkeit ergötzte sich in diesen Momenten an  atemberaubendem Licht, kitschigen Sonnenuntergängen, glas- nein kristallklarem Wasser und einem Hauch Wärme. Wie früher, wenn ich von Hamburg aus ans Meer jagte, um den Grossstadtstress abzuschütteln, brannte ich mir diese seltenen und wertvollen Bilder ganz tief in den Kopf und mein Herz.</p>
<p>Er fing so schön an dieser Sommer 2011. Mit Paul an meiner Seite radelten wir um die Insel, über die Brücke der Sonne entgegen. Die Tage wurden länger, meine Hamburger und Berliner Freunde gaben sich in der Villa Schmidt die Klinke in die Hand. Wir grillten unter dem mit Millionen Sternen behangenen Himmel, schön und fett eingemurmelt in unsere Skiklamotten. Wir waren glücklich das endlich April/Mai/Juni geschrieben wurde und die Grillsaison auf dem Kalender praktisch eröffnet. Es konnte ja nur besser, sprich wärmer werden. Bekanntlich ist der Frühsommer an der Ostsee des nächtens ja immer noch ein bisschen kühl. Aber schon damals zickte die Insel rum und geizte mit Ihren Reizen. Im April mangelte es an Regen. Wir wurden von Staubstürmen, verursacht durch zu trockene Felder, heimgesucht. Unser gegrilltes Fleisch war oft mit Sand paniert und knirschte beim Geniessen munter zwischen den Zähnen. Die Sonne knallte von einem azurblauen Himmel. Ein Aufenthalt im Freien ohne Lichtschutzfaktor 50 war für 10 Minuten möglich, wurde allerdings mit sich rötenden Nasen bestraft. Der Raps begann zu vertrocknen. Das intensive über die Horizonte und das Meer leuchtende Gelb, von dem alle so schwärmten als sei es das neunte Weltwunder, kam gefühlte 10 Nuancen schwächer daher.  Die Bauern fürchteten eine schwere Trockenperiode. Mir düngte schon da, das dieser Sommer einiges an OutdoorÜberlebenswillen fordern würde. Langanhaltende Trockenperioden ziehen viel Nass nach sich. Trotzdem hoffte ich mich zu irren. Meine Pläne für meinen ersten Sommer mit Paul, den ersten Sommer auf der Insel zielten bestimmt nicht in Richtung Kaminfeuer und heiße Möhrensuppe mit Ingwer und Orange nach dem Kiten.</p>
<p>Ich wollte kiten in Boardshorts, ganz ohne diesen lästigen Neoprenanzug, morgens ein Bad im Sund nehmen, mit dem Fahrrad an den Leuchturm und zur Arbeit radeln, abends mit Paul ein Picknick in den Dünen veranstalten, noch mehr kiten, grillen, barfuss über den Sand laufen und nachts vor lauter Hitze vom Schlafzimmer auf die Terasse umziehen.</p>
<p>Sommer 2011- er verwehrte sich. Nicht das ich daran verzweifelt wäre. Schließlich konnte ich kiten bis zum Umfallen. Manche Tage war ich froh arbeiten zu müssen und den geschundenen Muskeln eine Auszeit zu gönnen. Und Paul wollte ich ja auch nicht vernachlässigen. Ich taktete mich also auf 3 bis 4 Kitesessions die Woche ein und gestaltete mein Leben drumherum. Das mutet anstrengend an, ist es aber nicht. Keine langen Wege zum Strand, immer mal ein oder zwei Stunden aufs Meer raus und danach Paul, die Arbeit und meine Freunde. Die Zeit raste ins Land und schon haben wir September. Barfusslaufen am Strand war auch mal möglich, wenn die Socken im Auto lagen um sich schnell zu wärmen.   Mit dem Fahrrad zum Spot funktionierte auch ein- oder zweimal.<br />
Inzwischen werden die Tage kürzer und werfen wieder längere Schatten. Der Sommer geht ohne das er richtig hier angekommen ist. Ich resümiere, wir durften ahnen wie schön er sein könnte, danach verabschiedete er sich in den Dauerherbst.</p>
<p>Jetzt lodert das Feuer im Kamin, sanft bricht sich das weiche Licht der Kerzen im goldenen Rum. Die Sonne schickt ihre letzten Strahlen über den Sund. Herz was willst Du mehr. Soviel Lachen und Freiheit um mich herum, da kann ich doch einen verregneten Sommer verknusen. Was haben wir für Spass gehabt. Pünktlich zum Ferienbeginn der Nordrhein-Westfalen, die hier nur Nordrhein -Vandalen genannt werden, weil sie alle und alles für sich annectieren und denken Fehmarn wäre ein Vorort von Bottrop, überrannte die Ostsee ein spektakulärer Sturm. Die Brücke war für Mann und Maus gesperrt. Eine Nacht lang drängten sich die Blechkarawanen aus Düsseldorf und Essen vor der Insel und bettelten um Einlass. Wir waren Insel und hatten 12 Stunden Ruhe! Wir frotzelten über die regengeplagten Urlauber, die zum zigten Mal ihre Shoppingtouren durch das ortsansässige und grösste Kaufhaus der Küste starteten und fett Kohle in die Kassen spülten. Geduldig beantworteten wir die Fragen von Mandy und Cindy nach dem Kaufpreis unserer wirklich schicken Strandmuscheln, mit denen sie unsere Kites gerne verwechselten. Wir liessen uns bewundern, fühlten uns manchmal wie im Zoo, wir verfluchten die mit 30 km/h im Auto über die Insel schleichenden Besucher, sehnten uns alle nach dem Ende des Sommers und Ruhe. Aber wir hatten Spass und ohne diese verrückten Urlauber wäre es ein langweiliger, verregneter Sommer geworden.</p>
<p>Vor zwei Tagen musste ich mittag sin die Stadt. Im Sommer strengstens zu vermeiden, da die Parkplatzsuche möglicherweise den Tank leert und Nerven kostet. Gähnende Leere und gespenstische Ruhe empfing mich. War ich Ostern überrollt vom Blechstau vor der Stadt, so war diese plötzliche Ruhe ebenfalls überraschend für mich. So ist das also- ein Sommer auf der Insel. Sie kommen schnell, Du stellst dich um und schwupps sind die Urlauber auch schon wieder weg. Machen den Weg frei für entspannte Besuche beim Griechen, der wieder auf den Punkt gegrilltes Steak auf den Tisch zaubert, Neoprenhauben- und Handschuhe, lange Abende in einer leeren Therme des hiesigen Spassbades und einsame Radtouren über die Insel.</p>
<p>Eigentlich war es doch ein super Sommer ohne volle Strände, überquellende Eisdielen, Quallenplagen und algenverseuchtes Meerwasser. Dem Himmel oder Regen sei Dank!</p>
<p><em>&#8222;Du Paul?!&#8220;</em> resümmiere ich in das erlischende Kaminfeuer. <em>&#8222;Ich glaube ich bin wirklich schuld an diesem komischen Sommer. Die Insel will das ich bleibe, denn mit dem verrückten Wetter hat sie mir ja die volle Touriinvasionshärte erspart. Stell dir nur mal vor, es wäre heiß gewesen. Jeden Morgen hätten wir das Bad im Meer mit lauter handtuchwerfenden Sandburgenreservierern geniessen dürfen.&#8220;</em></p>
<p>Paul prustet los. <em>&#8222;Sonst geht es Dir gut oder?! Kein Fieber oder so? Nur ein bisschen durchgeknallt nicht?! Wie hättest Du denn gerne Deinen Herbst meine kleine verrückte Kiterin?&#8220;</em></p>
<p><em>&#8222;Ja also- erstmal viel Sturm, aber nicht so viel, das ich nicht mehr kiten kann- dann natürlich Sonne und späten Frost. Später darf gerne auch mal Nebel am Start sein, damit ich endlich meinen neuen Krimi zu Ende lese. Ich bräuchte ebenfalls hin-und wieder Zeit das Material zu pflegen und den Neopren zu flicken. Dafür eignen sich Nebeltage hervorragend. Joggen gehen könnt ich eigentlich auch mal wieder&#8230;.ach ja und da ich einen KAmin habe würde ich mich gerne ab und an davor einmurmeln und Socken stricken oder so.&#8220;</em></p>
<p><em>&#8222;Alles klar &#8211; wird bestellt. Socken stricken- soso&#8230;ich weiß ja nicht.&#8220;</em> schmunzelt Paul mich an.</p>
<p><em>&#8222;Aber prinzipiell mein Lieber, will ich nichts wünschen, ich bin ganz glücklich und zufrieden so einfach und schön wie es gerade ist. Und jetzt geh ich schlafen.Morgen ist Wind. Da wollte ich früh auf den Sund raus.&#8220;</em></p>
<p>Die Nase in Pauls Schulter versenkt , stiebitze ich mir meinen GuteNachtKuss. Wenig später bin ich schon am wegschlummern neuen Inselabenteuern entgegen.</p>
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		<title>Emma &#8211; Die Ankunft</title>
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		<pubDate>Tue, 21 Jun 2011 18:15:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wellenklang</dc:creator>
				<category><![CDATA[Inseltagebuch]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Sonne taucht das Gerstenfeld in goldenes Licht. Die Steine der Terrasse sind noch warm vom Tag und verströmen eine angenehme Wärme. Am Horizont ziehen letzte Segler vorbei, auf dem Weg in den schützenden Hafen von Orth. Friedlich schickt der Tag sich an, zu gehen. Blass klettert der fast volle Mond den Horizont empor. Ich <a href="http://wellenklang.wordpress.com/2011/06/21/emma-die-ankunft/" class="excerpt-more-link">[&#8230;]</a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=wellenklang.wordpress.com&amp;blog=12240820&amp;post=1077&amp;subd=wellenklang&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://wellenklang.files.wordpress.com/2011/06/ap4de4f55f65f16_small.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-1079" title="ap4de4f55f65f16_small" src="http://wellenklang.files.wordpress.com/2011/06/ap4de4f55f65f16_small.jpg?w=300&#038;h=214" alt="" width="300" height="214" /></a>Die Sonne taucht das Gerstenfeld in goldenes Licht. Die Steine der Terrasse sind noch warm vom Tag und verströmen eine angenehme Wärme. Am Horizont ziehen letzte Segler vorbei, auf dem Weg in den schützenden Hafen von Orth. Friedlich schickt der Tag sich an, zu gehen. Blass klettert der fast volle Mond den Horizont empor. Ich sitze hier mit meinem Rotwein und bestaune gedankenverloren das Farbspiel der sich im edlen Gesöff brechenden Sonnenstrahlen.</p>
<p>Vor mir reckt sich der Lavendel in der Abendsonne und verströmt seinen alles einlullenden und betörenden Duft.</p>
<p>Ein halbes Jahr Inselleben ist um und mein Resümee lautet: Volltreffer! Sträubte ich mich anfangs mit jeder Faser meines Körpers gegen den Wechsel, so darf ich mir nun eingestehen: es war  die beste Entscheidung , die je ein Chef für seinen Mitarbeiter getroffen hat. Noch nie war ich so entspannt und glücklich wie gerade jetzt. Einige meiner Freunde behaupten sogar, die Insel hätte darauf gewartet mich glücklich zu machen.</p>
<p>Manchmal scheint es mir, ich wäre erst gestern aus Hamburg weggezogen. An anderen Tagen liegt das unstete Leben zwischen Telefonen, klappernden Computertastaturen, grellem Bürolicht, Autogehupe und Unmengen an Terminen Jahre zurück. Es fehlt mir nicht. Ich habe auch nach sechs Monaten kein Verlangen, in die Shoppingtempel und dunklen UBahnhöfe zurück zu kehren.</p>
<p>Gestern erst fragte mich die Nachbarin aus dem Ferienhaus, welche in der großen Stadt ein Modegeschäft besitzt: <em>‚Auch nicht um mal neue Klamotten zu kaufen oder ein bisschen Weltstadtflair zu schnuppern wollen sie  an die Elbe fahren?</em></p>
<p>Ob sie mich und mein Outfit, welches nach einer Surfsession mehr praktisch als in war, kritisch musterte oder die stromernde Katze auf dem Garagendach, vermochte ich nicht einzuordnen.</p>
<p>Grosse weite Welt kommt zu mir dachte ich in die Worte der freundlichen Nachbarin hinein. Morgen nun wird Emma, meine alte Großstadt erfahrene weltwissende Freundin,  für eine Woche bei uns einziehen und hoffentlich nur wenig durcheinanderwirbeln. Das ist ein frommer Wunsch, denn Emma zu Besuch, ist gleichzusetzen mit 100% Vollgas.</p>
<p>Mit dem Aufstehen muss der Kaffee parat stehen. Beim Inhalieren des selbigen werden für gewöhnlich Pläne den Tag umspannend geschmiedet. Diese schmeißen wir dann noch drei oder viermal um, bevor die Dame stundenlang im Badezimmer verschwindet, um sich stadtfein zu machen, wie sie es so schön umschreibt. Das späte Frühstück wird niemals in den eigenen vier Wänden eingenommen, sondern je nach Freizeit im Starbucks oder einem der angesagten Frühstücksokale in Winterhude. Immer dabei das unerlässliche Smartphone, welches den Kontakt zur großen weiten Welt aufrecht erhält. Ich bin wirklich gespannt, wie unentspannt Emma sein wird, wenn sie unsere lahme, windabhängige Internetverbindung erforschen darf.</p>
<p>Ab dem Mittag, an Bürofreien Tagen wird bei Prosecco und Häppchen durch die Shoppingmalls geschlendert und am Abend dann natürlich der angesagte Italiener ums Eck aufgesucht, wo mich schon die Vorspeise finanziell ruinieren würde.</p>
<p>Ich mag Emma. Ihre witzige und unkomplizierte Art verzaubert mich und bringt mich zum Lachen. Ihr Enthusiasmus und der Optimismus, die nach Außen zur Schau getragene Naivität, gelenkt von einem scharfen Verstand, begeistern mich. Nur manchmal ist es anstrengend. Ich hoffe ich werde die Woche komplikationslos überstehen. Schließlich trifft Emmas offenes Wesen auf meinen Dickkopf.</p>
<p>Armer Paul denke ich, der gerade auf die Terrasse tritt um sich mit einem Glas Bier in der Hand zu mir zu gesellen. Hoffentlich nimmt mein Privatheld keinen Schaden bei der Aktion. Manchmal fühle ich mich wie eine Übermutter, wenn ich versuche ihm mein altes Leben häppchenweise und schonend zu offerieren. Paul nimmt die Dinge mit der inseltypischen Gelassenheit. Erstmal schauen, dann urteilen und ablehnen.</p>
<p><em>&#8216;Na schöne Frau? Worüber sinnierst Du hier vor dem Lavendel oder genießt Du die Ruhe vor dem angekündigten Wirbelsturm namens Emma?&#8217;</em></p>
<p><em> </em></p>
<p><em>‚ Hmmm- ich denke darüber nach wie ruhig und friedlich mein Leben ist. Noch vor einem Jahr habe ich von Montag bis Freitag irgendwie überlebt, bin von Termin zu Termin gehetzt, habe mir kostenlos Sorgenfalten auf der Stirn eintätowieren lassen und war erst froh, wenn am Freitagnachmittag um 15.00 das Wochenende eingeläutet wurde. Auf der Suche nach Wind habe ich dann die Küsten von West nach Ost und umgekehrt abgegrast, mir ein paar unbezahlbare Kitestunden auf dem Meer gegönnt. Geschlafen habe ich nicht viel, denn die Freunde schrien nach Party im Anschluss an die Wasseraktivitäten. Sonntags bin ich so spät wie nur irgend möglich in meine kleine Wohnung gestolpert, habe mich noch im Einschlafen schon wieder nach dem Meer gesehnt und mich vor dem Montagmorgen und den muffeligen Gesichtern im Büro gefürchtet. Jetzt sitze ich hier und habe alles, was ich mir immer wünschte. Weite, Ruhe, das Meer vor der Nase, Platz und den Luxus von Dir umsorgt zu werden. Mehr geht nicht und ich danke meinem alten Chef, das er im letzten Jahr nicht locker gelassen hat, als er eine Entscheidung meinerseits herbeizwang. Lass uns diesen Abend noch geniessen. Ab morgen, mein Freund, gibt hier die große weite Welt mit Eleganz , News und Stories den Ton an.’</em></p>
<p><em> </em></p>
<p><em>‚Na ich denk Du übertreibst ein bisschen meine Schöne. So chaotisch und mondän wird deine Emma hier schon nicht aufschlagen. Schließlich kommt sie her um von Tom surfen zu lernen. Da werden die praktischen Gene auf bei einer hippen Dame ihr Recht einfordern, wenn sie den Koffer packt. Apropos Surfkurs. Hast Du Tom Bescheid gesagt, das er vor dem Unterricht morgen zum Frühstück vorbeikommen soll, damit er Emma gleich mitnehmen kann?’</em></p>
<p><em> </em></p>
<p><em>‚Klar habe ich das und Tom freut sich mindestens genauso auf Emmas Besuch, wie Du gespannt auf sie bist.’ </em> Mir fallen meine Tomatenpflanzen ins Auge. Drei Stück habe ich gepflanzt. Eine ist voll und kräftig, die anderen beiden  sehen mickrig und vertrocknet aus.</p>
<p>Wie als errät Paul meine Gedanken antwortet er in meinen sorgenvollen Blick: <em>‚Immerhin haben wir es versucht mit den roten Früchtchen. Lehmboden ist nun mal nicht jeder Pflanze ihr Ding. Wie gut nur, das wir eine in Mutterboden gesetzt haben. Da wird ja was für einen Salat bei rumkommen. </em><em>Wann kommt Emma denn eigentlich morgen früh hier an?’</em></p>
<p>Gute Frage denke ich und proste meinem Traumprinzen zu <em>‚Naja, sie wollte morgen früh losfahren. Aber morgens ist Emma nicht aus dem Bett zu kriegen. Es würde mich nicht wundern, wenn sie heute noch anreist. Vorbereitet habe ich mich jedenfalls. Das Gästesofa habe ich aufgebaut und den Prosecco ohne den Emma keinen geselligen Abend beginnt habe ich auch schon kalt gestellt, die Oliven sind gekauft und die fettarmen Snacks stehen bereit.’</em></p>
<p><em>‚Wie fettarm? Das schmeckt doch nicht. Fettarm ist wie ein Bummikuss oder Sex vornean, fettarm geht nicht.’ </em>Entrüstet sich Paul. Mein Paul ist ein Phänomen. Selbst nach dem dicksten Steak und der herrlichsten Pasta, überkommt ihn nach nur kurzer Zeit der Drang, noch ein Eis vor dem Kamin zu verzehren. Wo er die ganzen Kalorien lässt, weiß ich nicht. Ich hingegen spüre die Auswirkungen des einvernehmlichen Päärchendasein zunehmend in Form von engsitzenden Hosen und kneifenden Röcken. Sorgenvoll wandert mein Blick in Richtung hausgemachter Speckgürtel.</p>
<p><em>‚Deine Chips liegen daneben. Du hast doch nicht geglaubt, dass ich Dich mit reduziert und Low und DietCoke quälen werde. Nee mein Schatz, Deine Geschmacksnerven verderbe ich lieber nicht. Ich brauch Dich doch, wenn Du meine neuesten Kreationen in der Küche verkosten darfst. Obwohl ich für mich echt mal die Notbremse anziehen sollte. Eine komplett neue Garderobe wollte ich mir hier auf der Insel nicht unbedingt zulegen müssen. So gut wie ich hier im letzten halben Jahr gegessen habe müsste ich NonStop Kiten gehen, um die Figur zuhalten. Irgendwie ist das mit dem Abnehmen auch nicht mehr so easy wie vor zehn Jahren.’</em></p>
<p>Ich wage mich auf gefährliches Terrain. Absoluter Beziehungskiller und Flautenmeister  im Pärchenalltag ist die Berührung des Themas ‚Schatz?Findest Du mich zu dick?’ Aber es wäre nicht mein Paul, würde dieser nicht wie immer frech lachen, mir zuprosten und sagen : <em>‚Dann füttere deinen hübschen Bauch mal mit einem kaloriengetränkten Schluck Rotwein. Wir joggen morgen früh vor dem Frühstück runter an den Strand, springen in die kühlen Fluten, liefern uns ein Rennen die Buhnen entlang und dann ist das mit den kneifenden Hosen auch vergessen. Männer wollen keine knochigen Gestelle, die brauchen was in der Hand das beim Zugreifen nicht zerbricht, glaub mir.’</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Unser Geplänkel wird unterbrochen. Vor dem Haus hält mit quietschenden Reifen ein Auto. Türen klappen und hektische Schritte  nähern sich über den Kies dem Garten, unterbrochen von anfänglichem Gemurmel, endend in Flüchen und Schimpfwörtern kommt Emma um die Ecke geschossen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>‚Hallo Ihr beiden Turteltäubchen. Entschuldigt, das ich schon heute Abend hier einfalle, aber morgens um sechs Uhr aufstehen liegt mir leider noch immer nicht. Also habe ich heute früh Feierabend gemacht, ein Meeting sausen lassen und mich in den Urlaub verdrückt.’</em></p>
<p><em> </em></p>
<p>Lachend zwinkere ich Paul zu, während ich Emma herzlich umarme.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>‚Schön das Du da bist. Ich habe mir fast gedacht, das Du heute Abend den langen Weg über die Autobahn nimmst. Früh aufstehen mag ich selbst noch immer nicht. Dabei sind die Sonnenaufgänge hier im Norden fantastisch. Wie war die Fahrt?’</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Emma fällt  in den Lehnstuhl neben Paul und schmeißt die Pumps von den Füssen. Während sie ihre Zehen massiert antwortet sie: ‚<em>Warum habt Ihr Eure Auffahrt nicht gepflastert, auf dem losen Kies bricht man sich mit solchen Schuhen doch alle Knochen. Ich bin gut durchgekommen und hab echt Gas gegeben. Irgendwie konnte ich es kaum erwarten aus der Stadt raus zukommen. Immer dieses Gehetze von einem Termin zum Anderen. Ich glaube ich werde alt- mir geht das alles langsam auf die Nerven.’</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>So ist Emma. Missstände werden aufs Tablett geworfen. Diskussionen darüber lohnen selten. Trotzdem bin ich erstaunt. Emma mit angezogener Handbremse, der die Stadt auf die Nerven geht, ist nicht die Emma die ich kenne. Ich hätte eher ein: &#8216;<em>Ja hier bin ich, wo nehmen wir denn heute unseren Willkommensprosecco ein? Muss ich dafür noch umziehen? Ja warte, Moment, wir können gleich um die Häuser ziehen, ich mach mich nur schnell frisch.&#8217;</em> erwartet.</p>
<p><em> Sorgenvoll frage ich: &#8216;Bist Du krank? Du fliehst aus der Stadt und behauptest sie wäre laut?&#8217;</em></p>
<p>‚<em>Ach weißt Du’</em> entgegnet meine verwandelte Freundin: <em>‚Die Wochenenden bei Lasse auf Sylt, in dieser Ruhe und Stille, bekommen mir einfach wunderbar. Ich bin wie ausgewechselt, schon wenn ich auf den Autozug rolle.’</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Daher weht also der Wind, der schnittige Surfertyp von der Nordseeinsel scheint ungeheuren Eindruck auf Miss Emma zu machen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>‚Und wenn uns doch mal nach Trubel und Szene zumute ist, dann ist die Welt ja auch nicht weit weg, da auf Sylt. Du bist blitzschnell in Kampen oder Westerland, Gosch ist fast rund um die Uhr geöffnet und die besten Sonnenuntergänge genießt Du natürlich am Roten Kliff.’</em></p>
<p><em> </em></p>
<p>Schmunzelnd schenke ich den Prosecco ein. Paul hat seine Mimik hinter den Gläsern seiner Sonnenbrille versteckt. Ich kann mir denken wie es dahinter gerade ausschaut.</p>
<p><em>‚Prost Emma, willkommen auf unserer Insel. Ich hoffe Du fühlst Dich wohl und verlebst ein paar unbeschwerte Ferientage. Und für den Fall das Dir langweilig wird empfehle ich einen Marktbesuch oder das Kaufhaus Stolz.’ </em>antwortet Paul nun.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Das aufsteigende Lachen in die Schranken zu weisen ist ein bisschen schwierig. Es wird mit Alkohol runtergespült.</p>
<p>Ja Stolz ist perfekt für Studien am lebenden Urlauberobjekt. Selbst an strahlend schönen Sommer- und Strandtagen drängeln sich dort die einkaufslustigen Touristen auf der Suche nach DEM Schnäpchen. Bei Regen und Sturm ist es dort unerträglich voll. Eigentlich sollte man das Etablissement meiden, wenn nur nicht die Post ausgerechnet im Untergeschoss Domizil bezogen hätte. So kann es fast niemand der Insulaner vermeiden, sich durch die hektischen Feriengäste kämpfen zu müssen.</p>
<p>Armer Paul- das wird spannend die kommenden Tage.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Sommerregeln</title>
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		<pubDate>Fri, 13 May 2011 16:09:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wellenklang</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[Die Wochen ziehen ins Land. Inzwischen sind die Tage wunderbar lang. Sanft und weich umschmeichelt die Dämmerung meine Insel. Da es seit Wochen nicht regnet und keine Wolke den Himmel schmückt, erleben wir jeden Abend einen kitschigen und trotzdem oder gerade deshalb wunderschönen Sonnenuntergang über dem Meer. Vergessen sind die nebelverhangenen Tage im Januar, der <a href="http://wellenklang.wordpress.com/2011/05/13/sommerregeln/" class="excerpt-more-link">[&#8230;]</a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=wellenklang.wordpress.com&amp;blog=12240820&amp;post=1038&amp;subd=wellenklang&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://wellenklang.files.wordpress.com/2011/05/dscn21922.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-1044" title="DSCN2192" src="http://wellenklang.files.wordpress.com/2011/05/dscn21922.jpg?w=300&#038;h=225" alt="" width="300" height="225" /></a></p>
<p>Die Wochen ziehen ins Land. Inzwischen sind die Tage wunderbar lang. Sanft und weich umschmeichelt die Dämmerung meine Insel. Da es seit Wochen nicht regnet und keine Wolke den Himmel schmückt, erleben wir jeden Abend einen kitschigen und trotzdem oder gerade deshalb wunderschönen Sonnenuntergang über dem Meer. Vergessen sind die nebelverhangenen Tage im Januar, der Schnee vom Februar, nur blass hängen mir die Erinnerungen an den Frost und die Massen an weißer Pracht vor dem Haus im Kopf. Endlich ist der Frühling angekommen. Wie mir Paul erklärt, mit der obligatorischen zweiwöchigen Verspätung zum Festland. Wenn der Raps vor der Brücke schon wieder verblüht, erstrahlen die Felder auf der Insel in überladenem Gelb.</p>
<p>Überhaupt sind die Farben hier im Frühjahr jetzt so viel klarer, satter, reiner als noch vor wenigen Wochen. So als wollten sie uns alle für die trüben und kurzen Tage entschädigen. Ich sitze oft auf unserer Terrasse und starre auf das Meer. Ab und an blitzen weiße Segel am Horizont, berichten von wilden Meeresabenteuern und locken mit Freiheit, Lachen und Weite. Fernsehen interessiert mich nicht, das Radio läuft maximal im Auto. Hier im Norden tickt die Uhr des täglichen Lebens nicht nur langsamer, sie tanzt auch nach ihrem eigenen Rhythmus.</p>
<p>Vorbei die rastlosen Tage in der Großstadt, an denen ich morgens nicht aus dem Bett kam, weil mich der Lärm vor der Tür erschreckte. Vorbei das Gehetze und Gehupe am Autobahnring, wenn ich mit dem Fahrrad in die Innenstadt fuhr. Vorbei die stressigen Nachmittage, prall gefüllt mit Terminen. Hier im Norden bestimmen der Sonnenaufgang, die Vögel im Garten, der Wind, Paul und die Schreiberei mein Leben. Bin ich nicht auf dem Wasser und reicht der Wind weder für den Katamaran noch für den Kite, dann erkunden Paul und ich mit den Fahrrädern die Insel. Es gibt so viele und wunderbar verschwiegene Orte hier. Einsame Gehöfte inmitten von weiten Feldern, kleine Fischerhäuschen am Sund verzaubern uns. Ich lasse mich gefangen nehmen von ihrem Liebreiz und träume davon, irgendwann einmal selbst ein solches Häuschen zu besitzen und den Garten im Frühling auf Vordermann zu bringen. Vorbei die Zeit als angesagte Klamotten wichtig und schick waren, vorbei die Zeiten in denen mir ein Leben auf dem Land wie Verbannung erschien.</p>
<p>Ich lebe, ich liebe und ich genieße – jeden Tag vom ersten Sonnenstrahl, der meine Nase kitzelt bis zum letzten glutroten Schimmer, welcher über dem Sund schwebt.</p>
<p>Das Telefon holt mich aus den Träumen in die Welt zurück.</p>
<p>„Hallo?“</p>
<p>„Huhu.“ trällert es aus der Leitung „Hier spricht Deine liebe Grossstadtnasige Freundin.“</p>
<p>„Hey Emma. Von Dir habe ich ja ewig nichts mehr gehört.“</p>
<p>Noch vor Jahren galten Emma und ich als unzertrennlich. Als ich das Kitesurfen für mich entdeckte, trugen mich meine Pläne an den Wochenenden ans Meer anstatt in die hippen Clubs der City. Emma sah ich das letzte Mal, als der erste Paul Deutschland verließ und sie mich tröstend in den Arm nahm.</p>
<p>„Ja stell Dir vor. Ich habe dieses Jahr den Entschluss gefasst, dass ich auch unbedingt das Kiten lernen will. Es ist  ein so dynamischer und befreiender Sport.  In den Medien siehst Du überall diese Typen, wie sie durch die Luft wirbeln. Ich will das auch können. Und da Du ja so schön auf dieser Insel hockst, dachte ich mir, ich bring Dir ein bisschen kosmopolitischen Flair in Deine Hütte und komme Dich im Mai ein paar Tage besuchen.“</p>
<p>Jetzt weiß ich, was meine Mutter bei ihrem Besuch zu Paul und mir meinte, als sie zum Abschied sagte: „<em>Ihr werdet Euch bald nach Euren einsamen Abenden vor dem Kamin sehnen. Wenn der Sommer kommt, wird jede Woche ein alter Freund auftauchen, der Euch so lange vermisst hat und Euch gerne besuchen möchte.“</em>  Ich hatte den Satz meiner Mutter mit einem müden Handschlag abgetan und sie mit den Worten verabschiedet: <em>„Mach Dir mal keine Sorgen, so schlimm wird das schon nicht. Die plattgedrückte Insel mit der Brücke ist schließlich nicht das trendige Sylt und schon gar nicht das weitläufige Sankt Peter Ording.“</em></p>
<p>Just in diesem Moment, als mir meine alte Freundin Emma, die vor wenigen Jahren noch mit entschuldigenden Worten, wie zu kalt, zu viel Regen, zu langweilig meine Einladungen, mich ans Meer zu begleiten ablehnte, eröffnet, dass sie nun auch gewillt ist Trendsetter und Extremsportler zu werden, fallen mir Mamas wohlweise Worte wieder ein.</p>
<p><em>„Wie lange willst Du denn bleiben und wann willst Du kommen?“</em></p>
<p>Emma antwortet in ihrem fröhlichen, wohl akzentuierten Plauderton:<em> „Ich dachte an übermorgen und dann über die Feiertage.“</em></p>
<p>Die Osterferien und den Frühlingsbeginn verlebten Paul und ich in munterer Gesellschaft. Die Freunde kamen und gingen. Das Gehen bezeichneten wir irgendwann als <em>Bettenwechsel im Schlösschen</em>, da uns meist nur ein Nachmittag zum Putzen und der anschließende Abend zu zweit vergönnt war. Es waren lustige Tage, die ich wirklich genoss mit meinen lieben, alten Freunden. Paul hat es ertragen. Ob er sich wirklich wohl in seiner Inselhaut fühlte, vermute ich. Wir hatten viel Spaß und viel gelacht. Geschlafen haben wir weniger, aber wir sagten uns immer, dass wir das Defizit spätestens im Winter würden ausgleichen können. Es waren allerdings auch anstrengende Tage. denn nicht nur unser bescheidenes Heim war voll mit Feriengästen. Die ganze Insel war es auch. Ich  musste mich daran erst gewöhnen. Nach den langen Monaten des Winters, in denen ich auf manchen Streifzügen durch die Gegend nicht einer Menschenseele begegnete, fand ich mich eines sonnigen Samstagmittag mitten in einem Stau in Richtung Supermarkt wieder. Ich wollte nur schnell ein bisschen Grillfleisch für den Abend besorgen. Noch vor der Inselhauptstadt erwartete mich eine stinkende Blechlawine. Im Supermarkt angekommen, sah ich alle Kassen geöffnet. Vor den Kassen lange Schlangen, die sich mal hier hin und mal dorthin bewegten. Warten ist anstrengend im Urlaub, das glaube ich gerne. Besonders wenn die Sonne draußen blitzt und lacht. Die Kassiererin erkannte mich und ich erlebte erstmalig das Privileg eines Insulaners in den Ferien. Einer freundlichen Begrüßung, folgten die Frage nach meinem Befinden und der Wunsch für ein erholsames Wochenende. Die Touristen vor und hinter mir kamen über ein ‘Bitte’ und ‘Danke’ der Angestellten nicht hinaus. Schnell packte ich mein Grillfleisch ein und verabschiedete mich vom Trubel des Inselzentrums. In den Augenwinkeln sah ich eine breite Menschenmasse das Einkaufszentrum entlang wälzen. Wieder zu Hause und etwas genervt, berichtete ich Paul vom Trubel in der Stadt. „Steht irgendein Weltuntergang oder eine Invasion bevor? Die Leute sind ja wie verrückt und es ist brechend voll überall. Ich komme mir vor wie auf dem Festland beim Shoppen vor Weihnachten.“</p>
<p>Paul grinst mich an. „Mein Liebling- es ist Ostern. Und Ostern ist neben Pfingsten und den Sommerferien der Härtefall hier auf der Insel. Ohne ein paar Regeln und flotte Sprüche, die ich Dir bei Gelegenheit erkläre, wirst Du dich nach Hamburg eher zurücksehnen als Dir lieb ist.“</p>
<p>Ich tauche aus meinen Erinnerungen auf und in Emmas Geplauder wieder ein.</p>
<p>„Ja und dann hat dieser gutaussehende Typ mir seine Telefonnummer gegeben und mich eingeladen ihn auf Sylt in seinem Ferienhaus zu besuchen. Und wir würden dann gemeinsam kiten gehen.“</p>
<p>Dachte ich es mir doch.</p>
<p>‘Und da ist Dir Deine alte surfende Meerbraut auf der Insel eingefallen, die nicht nur eine preisgünstige Schlafstatt für Dich hat, sondern Dir das kiten auch noch gleich beibringen wird.’ denke ich leise in Emmas Worte hinein. ‘Ein Typ steckt also hinter der plötzlichen Sport- und Surfbegeisterung Emmas. Es wäre auch nicht anderes zu erwarten gewesen. Emma- ewiger Single, ewig suchende Traumbraut, immer mit dem rechten schlechten Händchen für den Prinzen in ihrem Leben.  Bei Emma steckt immer ein Typ hinter aufkommenden Begeisterungsorgien für einst verschmähte Dinge. Irgendwann überwand sie sogar ihren Ekel vor Spinat, weil einer ihrer galanten Verehrer das Zeug tonnenweise in sich rein schaufelte. Genützt hat es Emma damals nicht viel. Ich wünsche Ihr in Gedanken ein bisschen mehr Erfolg bei der Sylter Erfrischung.</p>
<p>„Mensch Emma. Eigentlich wollten Paul und ich mal ein paar Tage Ruhe genießen, bevor ich zum Segeln aufbreche. Aber naja- komm halt hoch. Wir haben uns ja wirklich eine Ewigkeit nicht gesehen. Du kannst mir ein paar Dinge aus Hamburg mitbringen, das passt eigentlich ganz gut.“</p>
<p>Das zumindest hatte ich schnell von meiner Mutter gelernt. Jeden Besuch dazu verdonnern etwas Exklusives aus der Großstadt, als Gastgeschenk im Gepäck mitzuführen. Auf diese Weise hatten Paul und ich immer frische und erlesene Gewürze und Zutaten zum Kochen, immer frischen T-Shirt Nachschub und vor allem massenweise das Lieblingsduschbad in der Nasszelle stehen.</p>
<p>„Klar Emma komm ruhig ein paar Tage auf die Insel. Wir trinken Prosecco im Abendrot und Du erzählst mir von Deinem Typen auf Sylt.“</p>
<p>An jenem Samstag als ich aus der überfüllten Innenstadt zurückkam, zog Paul mich abends, als alle schon schliefen ganz fest in seine Arme und flüsterte mir den ‘Inseligen Sommerfahrplan’ ins Ohr.</p>
<p>„Mein Liebling- so ein Sommer auf der Insel hat, wie das ganze Leben hier, eigene Gesetze. Mit dem Auto in die Innenstadt- no way. Solange es nicht in Strömen gießt, werden alle Besorgungen, die mit Fridolin dem Rad transportiert werden können, damit erledigt. Großeinkäufe erledigst Du am besten morgens um 07.00. Der gemeine Tourist kuschelt dann noch oder schon wieder mit der Frau und Angebeteten. Meide die Hauptstraßen, nimm – auch mit dem Auto- immer den Umweg über die Dörfer. Andernfalls wirst Du dich bald ins Irrenhaus einweisen lassen.  Im Sommer mein Liebling wirst Du dich vor alten Bekannten und Freunden, die Dich gerne für ein Bad im Meer besuchen, kaum wehren können. Lerne ‘<em>Nein’ </em>zu sagen, wenn sich der Sandkastengespiele, welcher Dir immer die schönsten Sandkuchenformen klaute, telefonisch anmeldet. Der Sommer ist gespickt mit Touristen, die dumme Fragen stellen. Wenn sie fragen, warum der Sund so wenig Wasser hat, dann antworte darauf, das auf der Insel zu viele Touristen sind  und wenn die alle auf einer Seite weilen,  die Insel dann kippt und alles Wasser drunter weg fließt. Und wenn die Touristen sich über den Stromausfall aufregen und warum das so häufig passiert, dann antworte das wegen dem Sturm die Insel von der Brücke abgerissen ist und nun im Meer treibt und das Stromkabel eben einfach mit hinterher schwimmt – abgerissen versteht sich. Und wenn die Urlauber dich anschauen, wie ein seltenes Tier im Zoo, wenn Du Dein Haus verlässt, dann werde nicht müde sie anzulächeln und dich darüber zu freuen, dass Du im Herbst hier bleiben kannst und sie nicht.</p>
<p>Restaurantbesuche fallen in den Monaten Juli und August flach. Ostern und Pfingsten gilt das Gleiche. Du willst die halbgare Kost auch gar nicht ausprobieren. Wir zwei Hübschen entern im Oktober das nächste Mal den Griechen am Hafen. Wenn Du auf das Festland fährst, vergewissere Dich das Du nichts vergessen hast. Von der Insel runter bist Du schnell. Die Rückfahrt über die Brücke wird Stunden dauern. Gewöhne Dich an fragende Rentner, an die Landschaft bestaunende, langsam schleichende Autofahrer. Bitte passe auf, wenn Du mit dem Rad unterwegs bist. Und bitte rase nicht über die Dörfer. Urlaubende Fahrradtouristen haben die schreckliche Angewohnheit nebeneinander herzufahren. Schließlich haben sie fast alle ein ganzes Jahr vor lauter Stress nicht miteinander geredet.’</p>
<p>Während ich Emmas Worten lausche fallen Pauls Worte zum <em>Sommerfahrplan </em>wieder ein.</p>
<p>Oh Paul wie recht Du hast. Emma ist Vorzeigetourist und wird unseren Haushalt wohl gehörig durcheinander bringen. Der arme Paul tut mir ein bisschen leid. Wenn Emma mit ihrem Chaos und den Manolo Blanics in unseren vier Wänden einfallen wird. Egal! Paul hält mein Chaos aus- ein Touch Großstadtzicke wird ihn schon nicht aus der Bahn werfen.</p>
<p>„Gut Emma- wir sehen uns in ein paar Tagen. Ich frage unseren Freund Tom, ob er Dir das kiten beibringt. Ich denke das klappt. Noch ist ja keine Hochsaison. Bring Dir aber bitte selbst einen Neoprenanzug mit. Geliehene Anzüge sind nicht sehr angenehm.“</p>
<p>„Klar mache ich. Ich habe mich schon im Surfshop beraten lassen, was ich alles brauche und die wichtigsten Sachen gekauft.“ erwidert meine Freundin.</p>
<p>Ich rolle die Augen, das wird heiter  und ich hoffe, neben ihre Oberweite zu bewundern, haben die Jungs  im Surfladen Emma davon in Kenntnis gesetzt, wie schlecht die Frisur mitunter beim bodydraggen sitzt.</p>
<p>Eben lege ich den Hörer auf und will mich meinem Krimi widmen, da dreht sich das Türschloss und mein Privatheld kommt heim.</p>
<p>„Hey Schatz, hast Du Hunger?“</p>
<p>„Hmmm- ja, warum fragst Du?“</p>
<p>„Bettenwechsel erträgt sich mit vollem Magen leichter.“</p>
<p>Paul nimmt mich lachend in den Arm. „Ach Kleine, wen beherbergen wir denn dieses Mal? Den Kaffee inhalierenden Martin oder den dauer duschenden und sich über leere Heißwassertanks beschwerenden Dani oder gar die vor Energie überschäumende Katha?“</p>
<p>„Keiner meiner liebenswerten Freunde. Eine alte Bekannte, von der ich seit Jahren nichts hörte. Emma. Emma ist Spezial und gerät immer an die falschen Typen. Jetzt hat sie einen Surfer auf Sylt aufgetan und sich erinnert dass ich hier am Meer lebe. Sie bat mich hierher zu kommen um kiten zu lernen, weil der Typ auf dem Promieiland sie dazu eingeladen hat. Und da Emma gerne für ihre Designerschühchen und Kostümchen Geld übrig hat, schlaucht sie sich mit einer sehr charmanten Art durch die zusätzlich anfallenden Kosten. Sie ist nett und unterhaltsam und ich denke, trotzdem sie Spezial ist, werden wir zwei viel zu lachen haben. Ich habe ihr nämlich Tom als Kitelehrer klar gemacht.“</p>
<p>„Ahja- meine schlaue Freundin. Könnte es sein, dass Du damit beabsichtigst uns beiden mehr Tomfreie Sommerabende zu bescheren?“</p>
<p>Klarer Fall für wohlriechenden Arm. Ich grinse meine Helden an, geb ihm einen Kuss auf die Nase und schenke uns den neu entdeckten Rosé zum Spargel ein.</p>
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		<title>Paparazzis</title>
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		<pubDate>Fri, 13 May 2011 13:10:22 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[&#8222;Hallo meine Liebe. Hast Du heute schon die Zeitung gelesen?&#8220; Ein strahlender Frühlingstag wärmt mich im Liegestuhl auf der Terasse. Die Lämmer nebenan auf dem Deich rufen nach der Schafsmama, die Amseln balzen und die Möwen fallen regelmäßig in das Konzert mit ein. &#8222;Nö. Du weißt doch das mir E-paper und NTV reichen. außerdem ist <a href="http://wellenklang.wordpress.com/2011/05/13/paparazzis/" class="excerpt-more-link">[&#8230;]</a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=wellenklang.wordpress.com&amp;blog=12240820&amp;post=1014&amp;subd=wellenklang&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://wellenklang.files.wordpress.com/2011/05/dscn2258.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-1034" title="DSCN2258" src="http://wellenklang.files.wordpress.com/2011/05/dscn2258.jpg?w=300&#038;h=207" alt="" width="300" height="207" /></a>&#8222;Hallo meine Liebe. Hast Du heute schon die Zeitung gelesen?&#8220;</p>
<p>Ein strahlender Frühlingstag wärmt mich im Liegestuhl auf der Terasse. Die Lämmer nebenan auf dem Deich rufen nach der Schafsmama, die Amseln balzen und die Möwen fallen regelmäßig in das Konzert mit ein.</p>
<p>&#8222;Nö. Du weißt doch das mir E-paper und NTV reichen. außerdem ist das inseleigene Tageblatt nicht mal anähernd ausreichend bestückt mit interessanten Kleinanzeigen, die mir das Brennholz für den kommenden Winter offerieren.&#8220;</p>
<p>&#8222;Na- vielleicht solltest Du heute mal eine Ausnahme machen.&#8220; Paul wedelt mit dem Inselinformationspapier vor meiner Nase herum. Ein riesiges Kitesurfbild prangt auf Seite eins.</p>
<p>Die Schlagzeile &#8222;Surfevent auf Fehmarn&#8220; thront darüber.</p>
<p>&#8222;Ja super ist das doch. Das spricht dafür, dass dem Redakteur meine Pressemitteilung gefiel. Das ist eine wunderbare Werbung für unser kleines Festival. Und Toms mühevolle Arbeit wird belohnt.&#8220; Zufrieden lehne ich mich im Stuhl zurück , schließe die Augen und geniesse den Tanz der Sonnenstrahlen auf meiner Nase.</p>
<p>&#8222;Komisch nur das ich nicht den obligatorischen Vorabdruck bekommen habe. Naja bestimmt hat der Redakteur das vergessen.&#8220;</p>
<p>&#8222;Vielleicht solltet Du den Artikel einfach mal lesen. Ich glaube nicht, das Du dem Redakteur die Dinge erzählt hast, die dort stehen. Also zumindest nicht in dieser Form.&#8220;</p>
<p>Elektrisiert fahre ich im Stuhl hoch. Fragend schau ich Paul an.</p>
<p>&#8222;Ne ist nicht Dein Ernst oder?!  Was kann der Inselschreibling denn bei meinem wenigen Text verdrehen?&#8220;</p>
<p>&#8222;Du wirst nich erfreut  sein und Tom steht mit Sicherheit auch gleich auf der Matte, um seinem Ärger Luft zu machen.&#8220;</p>
<p><em>&#8216;Von Null auf hundert, ein Inselneuling stampft in Rekordzeit ein Surfevent der Extraklasse aus dem Boden.&#8217;</em> Schon beim Überfliegen der Einleitung wird mir übel. Mir fällt das gestrige Telefonat mit dem Schreibfuzzi wieder ein. Zuerst hat er in inseltypischer Herumtelefoniererei meine private Telefonnummer herausbekommen und dann stellte er lauter nervige Fragen. Warum und wie lange ich auf der Insel bin? Ob es mir gut hier gefällt und wie es denn so mit dem Surfen läuft? Woher die Idee stammt? Lauter Dinge, die eigentlich niemanden interessieren. Ich dachte der Typ plaudert mit mir. Das sein Diktiergerät mitläuft, wurde nicht erwähnt. Mein vorgefasster Artikel zu unserem kleinen Surffest, an dessen Gelingen unser Freund Tom den Hauptanteil trägt, existiert nur noch in Form der Daten und Fakten zum Fest. Der Rest ist eine Geschichte, die so nicht stimmt.</p>
<p>&#8222;Verdammt!&#8220; ist alles, was mir zu dem Pamphlet einfällt.</p>
<p>&#8222;Verdammt, Paul- wo habe ich im Januar die Rückfahrkarte auf das Festland abgelegt? Was die hier auf dieser Insel treiben, geht über meine Vorstellungskraft. Jeder Redakteur, selbst der im hintersten bayuvarischen Bergnest, bekommt auf der Schule eingebläut, das wasserdichte Recherche das Überleben sichert. Auf dieser Insel scheint das nicht angekommen zu sein oder die Typen in der Schreibstube des Tageblatts haben die wichtigen Seminare wegen Sonnenschein zu Hause geschwänzt. Ich fasse es nicht! Peinlich ist es obendrein. Die Leute im Dorf werden sich mal wieder den Hals verrenken, wenn ich nach draussen komm.&#8220;</p>
<p>Ich werde das Gefühl nicht los, das ich jeden integrativen Fettnapf, auf dem Weg zum Insulaner, mitnehme. Nun gut.</p>
<p>Ich werde dann mal Tom anrufen.</p>
<p>Das muß ich nicht, denn statt zu klingeln hat selbiger die Terasse mit einem Satz erklommen und steht lachend in der Tür. Auch Tom wedelt das Tageblatt.</p>
<p>&#8222;Tom! Es tut mir leid. Das hab ich so nicht abgesegnet!&#8220;</p>
<p>&#8222;Was tut Dir leid? Dieses Geschreibsel hier? Muß es nicht- mir tut es leid.&#8220;</p>
<p>&#8222;Warum das denn?&#8220;</p>
<p>&#8222;Ich habe mir gestern Abend den Text vom Redakteur mal faxen lassen. Ich trau den Typen da in Burg nicht. Die liegen lieber in der Sonne, schauen Fußball und trinken Bier, als das sie vernünftig schreiben.&#8220; antwortet Tom</p>
<p>&#8222;Und?&#8220; fragt Paul &#8222;War es sehr schlimm?&#8220;</p>
<p>&#8222;Ich versteh Euren Inseldialekt nicht.&#8220; entgegne ich &#8222;Was soll sehr schlimm gewesen sein.&#8220;</p>
<p>&#8222;Naja, wenn Tom einen Vorabdruck in den Händen hielt, dann hat er ihn wahrscheinlich geändert. Und wenn er jetzt um Verzeihung bei Dir bittet, bedeutet es, das seine Änderungen ebenso wenig wie Deine Pressemitteilung den Weg in die Druckerpresse geschafft haben&#8220; erklärt mir Paul</p>
<p>&#8222;Aaahhhjaaa- und?&#8220;</p>
<p>&#8222;Na hast Du eine ahnung WAS da stand gestern abend.&#8220; fährt Tom fort.</p>
<p>&#8222;So von wegen wild romantisch am Kamin, mit deinem Mann Paul hattest Du die Idee mal eben die Insel aufzumischen.&#8220;</p>
<p>&#8222;Autsch- da hat mich dieser Mistschreiberling doch ausgehorcht und reingelegt. Und ich wollt ihn schon zu Kaffee und Kuchen einladen, weil er so nett ist.&#8220;</p>
<p>&#8222;Neee- nicht Dein Ernst.&#8220; entgegnen die Herren im Chor.</p>
<p>&#8222;Ach naja ich kenn ja niemanden so richtig hier hinter der Brücke. Und wenn meine welterfahrenen Freunde nicht immer über die Brücke auf Besuch kämen, dann wär ich wirklich schon ziemlich einsam hier manchmal. Und da dachte ich , so ein Kontakt in die erste Berichtserstattungsriege des Eilands wäre nicht so schlecht.&#8220;</p>
<p>&#8222;Doch wäre es&#8220;- erklären sowohl Tom und Paul. &#8222;Wie Du siehst beziehungsweise lesen kannst.&#8220; nimmt Tom das gespräch wieder auf. &#8222;Ich hab dem Typen den Erstentwurf als nicht druckbar mit dem Originaltext zurück geschickt. das hat ihn wahrscheinlich- hmmm naja etwas empört, so dass der heutige Abdruck als Kompromiss durchgehen soll. Ich rufe da allerdings gleich mal an und mach dem die Hölle heiss.&#8220;</p>
<p>&#8222;Nee- lass mal lieber Tom&#8220; fällt Paul jetzt ein &#8222;Nachher ist der herr am Laptop so sauer, das er Eure Veranstaltung in der Luft , naja oder auf dem Papier, zerreißt. Da habt ihr dann auch nichts davon.&#8220;</p>
<p>&#8222;Denke ich auch&#8220; mische ich mich in den Plausch der Jungs ein. &#8222;Wir lassen dem das einmal durchgehen und konzentrieren uns auf den Wind und unser Event. Zuerst aber sollten wir was essen. Beim Essen denkt es sich leichter.&#8220;</p>
<p>Später um den Küchentresen und übe reiner leckeren Pasta sitzend, kommen uns tatsächlich immer wieder neue Ideen. Das Surffestival, von Tom vorangetrieben, mit seiner unglaublichen Phantasie kann nur ein Reinfall werden, wenn es regnet und der Wind ausfällt. Das dieses Anfang Mai kaum passiert belegen die Statistiken, die ich immer und immer wieder wälze.</p>
<p>Spät nachts falle ich erschöpft ins Bett. Paul nimmt mich in den Arm. Ich kuschel mich ganz dicht an meinen Privathelden an.</p>
<p>&#8222;Du Paul?&#8220; frage ich in die Nacht</p>
<p>&#8222;Hmmmm.&#8220;</p>
<p>&#8222;Ich bin glücklich hier auf der Insel, so mit Dir und der Weite&#8230;&#8220;</p>
<p>&#8222;Ja ich weiß und mit Deiner ersten großen Liebe dem Meer.&#8220;</p>
<p>&#8222;Spinner.&#8220; entgegne ich grinsend. &#8222;Mit Deinen wöchentlichen Rosen und Deiner Zuneigung hast Du die Liebe zum Meer schon lange auf den zweiten Rang verwiesen.&#8220;</p>
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	</item>
		<item>
		<title>Step by Step, wir basteln ein Ereigniss und die Nummer mit den Strassen in der zweiten Auflage</title>
		<link>http://wellenklang.wordpress.com/2011/04/01/step-by-step-wir-basteln-ein-ereigniss-und-die-nummer-mit-den-strassen-in-der-zweiten-auflage/</link>
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		<pubDate>Fri, 01 Apr 2011 21:26:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wellenklang</dc:creator>
				<category><![CDATA[Inseltagebuch]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Leben auf dieser Insel ist turbulent und es folgt seinen eigenen Regeln. Nicht nur das die Handwerker morgens um acht unangekündigt vor der Tür stehen, nur um festzustellen das sie doch nicht bestellt waren. Auch an den regelmäßig vor dem Schlafzimmerfenster arbeitenden Bagger habe ich mich gewöhnt. Ich habe meine eigene Theorie dafür entwickelt. <a href="http://wellenklang.wordpress.com/2011/04/01/step-by-step-wir-basteln-ein-ereigniss-und-die-nummer-mit-den-strassen-in-der-zweiten-auflage/" class="excerpt-more-link">[&#8230;]</a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=wellenklang.wordpress.com&amp;blog=12240820&amp;post=1001&amp;subd=wellenklang&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://wellenklang.files.wordpress.com/2011/04/ap4ad80f874a5fe_small.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-1004" title="ap4ad80f874a5fe_small" src="http://wellenklang.files.wordpress.com/2011/04/ap4ad80f874a5fe_small.jpg?w=150&#038;h=112" alt="" width="150" height="112" /></a>Das Leben auf dieser Insel ist turbulent und es folgt seinen eigenen Regeln.<br />
Nicht nur das die Handwerker morgens um acht unangekündigt vor der Tür stehen, nur um festzustellen das sie doch nicht bestellt waren. Auch an den regelmäßig vor dem Schlafzimmerfenster arbeitenden Bagger habe ich mich gewöhnt. Ich habe meine eigene Theorie dafür entwickelt. Die Elektriker, Erdlochausheber, Baumeister und Baggerführer wissen halt, dass mein Kaffee köstlich schmeckt und die Kekse auf der Zunge einen angenehmen Geschmack hinterlassen. Bevor sie nun in das Inselarbeitsleben eintauchen schauen sie bei mir zu Hause nach dem Rechten und stauben heißes, Lebensgeister in die Adern einflößendes Gebräu samt dazugehöriger Flüssigkeit ab. Es gibt ja auch immer was zu tun. Die Klingel streikt hin und wieder. Die Abwasserleitung mault und der Gasherd verweigert auf einer Flamme seinen Dienst. Da muss auf jeden Fall die Gasversorgung gecheckt werden und die Möglichkeit eines Herdtausches untersucht. Arbeiten finden sich immer. Nachdem die Herren sich mit Kaffee gestärkt haben, ziehen sie wieder los. Meist bin ich dann putzmunter, und da Paul viel beschäftigt und oft unterwegs ist derzeit, kann ich mich auf meine dringend zu bearbeitenden Projekte stürzen.<br />
Der Winter war lang und an einem dieser weinseligen Kaminabende kam unserem Freund Tom und mir die Idee, dass diese Insel durchaus ein Surfevent verkraften könnte. Nicht nur könnte, wir waren an jenem stürmischen Abend der felsenfesten Überzeugung, dass diese Insel ganz dringend eines Surfevents bedarf. Es kann ja nicht sein, das jedes Wochenende Heerscharen von großstadtflüchtigen Wassersportlern hier einfallen, und abends ohne Contest, Lifestyle am Beach, gute Musik und fette Party wieder über die Brücke in Richtung Lärm und Trubel entschwinden. Wir müssten den armen lärmgeplagten Großstädtern ein fettes Wochenende Auszeit bieten und mit diesem Event dann innerhalb kürzester Zeit Kultstatus erreichen. Der rentnerlastige Besucherstrom würde munter und erfrischend durchmischt werden, was allen zugutekäme. Uns, die wir den Winter über eine weitere lustige Freizeitbeschäftigung hätten, den hübschen Surfern, die sich auf ein Wochenende unter freiem Himmel, mit Party und Rock&#8217;n roll freuen und die Rentner, die den hübschen jungen Surfern zu- und auf den Hintern schauen dürften.<br />
Anfangs ein Hirngespinst, eine lustige Idee, ist das Event inzwischen ein fester Termin. Und ich habe weiteren Einblick in die Funktion des Insellebens erhalten. Jedes Mal, wenn der umtriebige Tom bei Paul und mir zum Abendessen saß, wartete er mit neuen Ideen auf. &#8222;Komm, lass uns einen High Jump Contest machen und lass uns eine Band einladen und einen angesagten DJ. Ich kenn da beim Fernsehen jemanden, der kommt gerne für eine Party hier in den Norden und dreht ein Filmchen über unser Surfevent.&#8220;</p>
<p>Jedes Mal wenn Tom sich meine Pasta in den leeren Magen schaufelte, entgegnete ich mit dem grossstadtgeprägten <em>&#8216;Wenn und Aber&#8217;</em> und &#8216;<em>Können wir nicht machen, geht nicht.&#8217; </em>Immer wieder fielen mir Einwände ein. Tom wischte stets alle Argumente mit einer ausladenden Geste vom Tresen:  &#8220; Laß mich mal machen. Ich kenn den Larsson, den mit dem Imbiss am Strand, der macht für uns die Verköstigung. Der Larsson ist mit dem Fiete von der Stadt verwandt- ich glaube seine Schwägerin ist die Nichte vom  Bruder des Cousins vom Fiete . Also bei der Stadt haben wir morgen einen Termin.&#8220;</p>
<p>&#8222;Mann Tom! wir haben noch nicht mal ein Konzept für ein solches Event. Und Du machst gleich einen Termin bei der Stadt.&#8220;</p>
<p>Tom schob mir einen Ordner zu. Noch an der Pasta kauend, deutete er mit dem Kopf drauf und nuschelte: &#8222;Konzept.&#8220;</p>
<p>Paul und ich sahen uns fragend an. &#8222;Wie jetzt? Wir haben letzte Woche diese verrückte Idee von einem Surffestival auf dieser Insel gehabt und Du schlägst heut Abend mit sämtlichen wichtigen Connections in die Stadtverwaltung und einem Konzept auf?&#8220;</p>
<p>&#8222;Joar is halt Winter, nich? Die Tage sind kühl, die Nächte frostig kalt und ich hab es nicht so kuschlig vorm Kamin, wie ihr zwei Turteltauben. Ich schreib Konzepte zum warmwerden.&#8220; Zuerst prustete Paul los, dann verschluckte ich mich am Wein.</p>
<p>Tom ist schon speziell und klug! Ich schlug das Konzept auf und stellte fest, das Tom an alles, wirklich an alles gedacht hatte. Von der Aquuirierung potentieller Sponsoren, über die Akkreditierung und Einschreibung bei den Contests bis hin zu Müllentsorgung und Catering für die DLRG. Vor uns lag ein bis ins kleinste Detail sorgfältig ausgearbeitetes Konzept.</p>
<p>&#8222;Krass!&#8220; Mehr kam mir so spontan nicht über die Lippen. Tom stand auf wischte sich den Mund, hängte sich lässig über Paul und meine Schulter. &#8222;Tja ich werd dann mal los ihr beiden. Danke für das leckere Essen, den Wein vorm Kamin trinken wir nächste Woche, ich habe nämlich noch eine Verabredung mit den Jungs von der DLRG. Die trainieren Mittwochs immer und trinken hinterher ein Bier und wenn die bei unserem Event auf dem Wasser die Surfer sichern sollen, dann muß ich mit denen heute Abend mal trinken gehen- nich?&#8220;</p>
<p>Paul grinste fett. In meinen Augen, auf der Nase und den Wangen kämpften Millionen von Fragezeichen um eine Pool-Position. &#8222;Du schickst mich eine Woche vor dem Termin in den April oder? Nur weil Du mit der DLRG ein Bier zischst kommen die doch nicht freiwillig ein ganzes Wochenende und helfen uns?&#8220;</p>
<p>&#8222;Tom verarscht Dich nicht. Tom erzählt Dir gerade nur, wie das hier auf der Insel funktioniert.&#8220; mischte Paul sich in den Wortwechsel ein und er grinste so breit dabei, das ich kurzfristig um Argumente verlegen war.</p>
<p>&#8222;Kleine, das ist hier so. Kennst Du einen, kennst Du alle und beim Bier und einem Fischergeist wird hier noch immer die beste Politik gemacht.&#8220; setzte Tom wieder an.</p>
<p>Tom warf einen Blick auf seine Uhr. &#8222;Ich muss jetzt wirklich los. Ich ruf Dich morgen an. Ich denke wir treffen uns zum Frühstück in der Stadt. Danach können wir dann den Ratsherren unsere Aufwartung machen und nachmittags geben wir dann die Eventplakate in Auftrag und den Termin für unser Festival öffentlich bekannt.&#8220;</p>
<p>Tom umarmte Paul und mich, gab mir einen aufmunternden Klapps,schwang sich auf sein Rad. Innerhalb von Sekunden hatte die Dämmerung ihn verschluckt. Wie immer fuhr er ohne Licht.</p>
<p>&#8222;Irgendwann fahren sie ihn hier noch über den Haufen. Auf dieser Insel fährt doch jeder betrunken, wenn er aus der Kneipe nach Hause will.&#8220;</p>
<p>&#8222;Quatsch.!&#8220; entgegnete Paul, &#8222;Auch das ist ein Inseleigenes Gesetz. Trink nur soviel Fischergeist, das Du Deiner Karre noch einigermaßen stolperfrei ein &#8216;<em>Ich hab Dich lieb und Du kennst ja den Weg&#8217; </em>zuraunen kannst, bevor Du den Zündschlüssel nach rechts drehst. Die Menschen hier kennen jeden Stein auf ihren Strassen, jedes Schlagloch und jeden gefährlichen Baum an der Strasse, Tom passiert schon nichts. Und jetzt genehmigen wir zwei Hübschen uns ein gutes Glas Rotwein vor dem Kamin. Ich seh Dich viel zu selten in den letzten Tagen. Erst die Angst um Deinen Vater und dann kommst Du mit dem Wind zurück und pendelst nur noch zwischen Deiner ersten Liebe dem Meer und der Arbeit. Heute abend habe ich Dich für mich alleine, das will ich geniessen.&#8220;</p>
<p>Grinsend schließe ich die Tür. &#8222;Ja ich glaube Du hast recht. Der Frühling kommt, die Saison naht. Ich werde unruhig.&#8220;</p>
<p>Die folgenden Tage sind gefüllt mit viel Telefoniererei, Arbeit und Schreiberei. Tom koordiniert, ich vertexte seine Ideen und nicke ab. Bei der Stadtverwaltung machen wir einen Genehmigungsdurchmarsch, der seinesgleichen sucht. Die Tourismusbehörde erklärt uns: &#8222;Ach von kiten haben wir auch schon gehört. Das ist ja super, das Ihr hier was für die jungen Leute tut. Kein Problem das ihr ein Event da am Strand macht. Hauptsache hinterher ist alles wieder sauber.&#8220; Ich gebe auf, mich zu wundern. Mit dem Texten bin ich ohnehin gut ausgelastet. Tom dreht auf und kommt mit immer mehr Ideen.</p>
<p>Ich bin fasziniert von seinem Mut. Aus meiner Hamburger Zeit weiß ich, das der Worldcup drüben an der Nordsee ein Jahr Vorlauf und Planung verlangt, auch die deutschen Meisterschaften, beginnen ihre Planungen für die kommende Saison noch während die aktuelle Tour läuft. Tom hingegen pfeift sich eine Flasche besten Rotwein hinter und organisiert, nach Geburt seiner Idee, innerhalb von zwei Wochen ein Festival. Er überzeugt sogar meinen Sponsor als Schiedsrichter zu fungieren und höchstselbst hier auf der Insel zu erscheinen.</p>
<p>Irgendwann in der ganzen Planerei schleppt Paul mich in die Therme. Herrlich so asuzuspannen mit Blick auf die Ostsee. Bei sanften Klängen entrücke ich einen lieblichen Nachmittag weg von Funkgeräte ordern, Schnaps für den Bootsvermieter besorgen und der Sorge um meinen noch immer im Krankenhaus, wenn auch genesenden Herrn Papa.</p>
<p>Wieder zu Hause am Schreibtisch holt mich die Inselexistenz in Form eines Paketzustellers wieder ein.</p>
<p>Da die neue Saison in Form neuer Kiteboards vor der Tür und im Schuppen  steht, habe ich, wenn auch sehr schweren Herzens, mein so innig geliebtes Mädchenboard verkauft. In diesem Jahr setze ich auf eine neue Boardmarke und die auf die indigenen, Geschichten von Krokodilen erzählenden, Ureinwohner des Landes mit den Kiwi. Und da Sponsoren es nun wirklich nicht gerne sehen, wenn neben ihren &#8216;Schnittchen&#8217; noch andere gefahren werden, muss das Brett mit den Blümchen und Rüschen und dem Glitzer, denen mit gefrässigen Kroks drauf weichen.</p>
<p>Da sitze ich nun vor meinem Apple und tippe zögerlich alle erforderlichen Liefer- und Versanddaten in das Onlinebestellformular ein.</p>
<p>Nachdem ich &#8216;Senden&#8217; gedrückt habe, begrüsst mich der freundliche Server des Paketdienstes fröhlich in stylischem Rot blinkend: <em>&#8222;Eine Onlineorder für Versandaufträge von und nach Inseln, können wir leider nicht annehmen. Bitte kontaktieren Sie unseren Kundenservice.&#8220;</em></p>
<p>Das hatte ich ja lange nicht mehr sind meine Gedanken auf dem Weg zum Telefon. Bevor ich wähle zögere ich, zu gut ist mir Anmeldung meines Telefonanschlusses noch im Gedächtnis. Hilft aber nichts. Kiteboards mit der deutschen Post versenden, führt einfach allzu oft zum Totalschaden oder Komplettverlust.</p>
<p>Wie erwartet ist mein Erstkontakt mit dem Kundenservice der Sprachcomputer. Diese Firma weist mir erfreulicherweise nach nur dreimaligem Tastendrücken und Eingabe der Kundennummer  den nächsten freien Beraterplatz zu. Mich empfängt eine Dame mit nettem Akzent. Lasziv haucht sie die Worte &#8216;was kann ich für sie tun?&#8217; in den Hörer. Wenn ich es nicht wüsste ich würde vermuten mich verwählt zu haben. Kurz schildere ich ihr das ich von Fehmarn etwas versenden möchte und das online nicht in die Wege leiten darf.</p>
<p>&#8222;Ja da haben Sie recht, das geht nicht. Wir haben besondere Bedingungen für die Inseln und erheben Zuschläge für die Überfahrt.&#8220;</p>
<p>&#8222;Aber wir haben eine Brücke an unserer Insel dran.&#8220; wende ich ein.</p>
<p>&#8222;Nun ja, ich muss nachschauen was der Spediteur für die Überfahrt verlangt.&#8220;</p>
<p>&#8222;Aber die Brücke- da fahren auch Autos drüber, jeden Tag und im Sommer Blechlawinen. Nur bei ganz schlimmen Sturm, darf niemand auf die Brücke fahren.Aber das dauert meistens nicht sehr lange. Und die Brücke kostet nichts. Die ist vom Steuerzahler für uns Inselmenschen bezahlt und finanziert.&#8220;</p>
<p>&#8222;Ja also- der Spediteur erhebt keinen Zuschlag. da können sie sich freuen.&#8220;</p>
<p>Artig dringt mein &#8216;Danke&#8217; nach außen, innerlich bin ich schwer bemüht, Pauls verordnete Ruhebewahrung und Entschleunigung in diesen Situation einzuleiten.</p>
<p>&#8222;Nun, dann fangen wir mal an. Was wollen Sie versenden?&#8220;</p>
<p>&#8222;Ein Boardpaket.&#8220;</p>
<p>&#8222;Snowboard oder Skateboard.?&#8220;</p>
<p>&#8222;Kiteboard.&#8220;</p>
<p>&#8222;Hmmm, kenne ich nicht, wie lang, wie breit , wie schwer?&#8220; Auf meine Antwort folgt ein:&#8220;Dann ist das ein normaler Paketversand. Geben Sie mir jetzt die Anschrift, wo das Paket abgeholt werden soll. Erst die Strasse, dann die Postleitzahl und dann den Ort- bitte.&#8220;</p>
<p>&#8222;Westermarkelsdorf&#8230;&#8220;</p>
<p>&#8222;Nein, nein&#8220; unterbricht mich die akzentbetonte Stimme &#8222;nicht  den Ort, ich brauche die Strasse- bitte.&#8220;</p>
<p>&#8222;Hmmm- das ist die Strasse. Hier auf der Insel ist die Strasse der Ortsteil und dann eventuell die Hausnummer, da hier aber jeder jeden kennt haben die Insulaner irgendwann diese komischen Nummern abgeschafft. Die wären eh nur für Google und Street views interessant, behaupten sie.&#8220;</p>
<p>&#8222;Bitteschön- die Strasse.&#8220;</p>
<p>&#8222;Westermarkelsdorf.&#8220;</p>
<p>&#8222;Gut- und die Nummer?&#8220; das wird kein schöner Nachmittag für die Tante am anderen Ende, das weiß ich jetzt schon. Trotzdem antworte ich mit fester Stimme: &#8222;Ähmm gibt es doch nicht. Schreiben Sie Leuchtturm, das findet der Spediteur. Und wenn nicht, dann muß er nur bei Finn im Dorfkrug fragen, der zeigt ihm den Weg.&#8220;</p>
<p>&#8222;Sagen Sie mal, wollen Sie mich in den April schicken.?&#8220;</p>
<p>Oh Gott- nein bitte, bitte nicht auflegen und böse werden jetzt. Liebe Kundencenterdame mit der bezaubernden Stimme und dem erstaunlich hübschen Akzent. Ich schicke ein Stoßgebet in den Himmel.</p>
<p>&#8222;Nein. Sie können das vielleicht nicht verstehen. aber diese Insel hat zwar eine Brücke, aber trotzdem ist es eine kleine Insel im Norden. Ich will sie nicht auf den Arm nehmen. Ich will nur, das am Dienstag ihr Spediteur mein Board, welches ich wirklich schweren Herzens weggebe, hier am Leuchtturm abholt und es in den Westen des Landes verfrachtet. Dort soll es zum Geburtstag der Freundin des Käufers pünktlich auf dem Gabentisch liegen. Ich veralbere Sie nicht. Bitte.&#8220;</p>
<p>&#8222;Gut, dann gebe ich Hausnummer &#8217;0&#8242; ein.&#8220;</p>
<p>Strike- die Mitleidstour zieht doch immer wieder. Miss &#8216;<em>fühlt sich schnell veralbert&#8217;</em> nimmt alle restlichen Daten auf und entlässt mich. Auf die Befragung zur Kundenfreundlichkeit im Anschluss des Telefonates verzichte ich.</p>
<p>Paul kommt ölverschmiert um die Ecke und winkt mich nach draußen.</p>
<p>&#8222;Was ist passiert? Hat die Klärgrube Dich gebeten einmal hinabzusteigen , um nach dem Rechten zu sehen? Du siehst aus wie die Kids aus der Werbung für den Reiniger, der Quasi alles alleine wieder entdreckt.&#8220;</p>
<p>Mein Traumtyp grinst mich an, stupst meine Nase. Ich werde sanft vor den Schuppen geschoben.</p>
<p>&#8222;Voila.&#8220; Paul präsentiert mir mein geliebtes Rad Fridolin. Das Chrom meines Flitzers glänzt. Und an der Seite ist endlich die Halterung für das an den Strand zu transportierende Kiteboard angebracht.</p>
<p>&#8222;Mensch Paul! Ich war fast verzweifelt an dieser amerikanisch durchdachten Version des Surfbordtransportmittels für Cruiser und Fridoline. Und Du schaffst das an einem Nachmittag. Danke!Echt!&#8220;</p>
<p>&#8222;Ja- ich habe mich mal mit Deinem Fridolin unterhalten, quasi von Mann zu Mann und dann hat er eingesehen, das es besser ist Dir deinen Wunsch zu gewähren, als Deinen Dickkopf zu ertragen.&#8220;</p>
<p>Grinsend drück ich Pauls ölverschmierte Nase an meinen weißen Hoodie. &#8222;Komm- ich mach Dir eine fette Pasta. Die hast Du Dir verdient.&#8220;</p>
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	</item>
		<item>
		<title>Kausalitäten oder die Unterbrechung der Ruhe</title>
		<link>http://wellenklang.wordpress.com/2011/03/22/kausalitaten-oder-die-unterbrechung-der-ruhe/</link>
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		<pubDate>Tue, 22 Mar 2011 10:14:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wellenklang</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[Mittwochabend, der Oststurm ballert über die Insel. Was nicht festgezurrt ist, fliegt gnadenlos weg. 10 satte Windstärken misst die Boje im Belt. Trotz Sonnenschein war es eisig kalt. Ich habe den ganzen Tag gearbeitet. Vom ewigen Klappern der Dachluken und Fensterläden am Leuchtturm bin ich völlig gerädert. Ich stehe auf Windkonzerte, aber nicht auf Dauerlärm <a href="http://wellenklang.wordpress.com/2011/03/22/kausalitaten-oder-die-unterbrechung-der-ruhe/" class="excerpt-more-link">[&#8230;]</a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=wellenklang.wordpress.com&amp;blog=12240820&amp;post=981&amp;subd=wellenklang&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://wellenklang.files.wordpress.com/2011/03/ap4d5c4da95da81_small.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-982" title="ap4d5c4da95da81_small" src="http://wellenklang.files.wordpress.com/2011/03/ap4d5c4da95da81_small.jpg?w=150&#038;h=150" alt="" width="150" height="150" /></a>Mittwochabend, der Oststurm ballert über die Insel. Was nicht festgezurrt ist, fliegt gnadenlos weg. 10 satte Windstärken misst die Boje im Belt. Trotz Sonnenschein war es eisig kalt.</p>
<p>Ich habe den ganzen Tag gearbeitet. Vom ewigen Klappern der Dachluken und Fensterläden am Leuchtturm bin ich völlig gerädert. Ich stehe auf Windkonzerte, aber nicht auf Dauerlärm und moderne Opern. Heute war modern angesagt. Das zerrte an den Nerven.</p>
<p>Ich freue mich auf mein Sofa und den Kamin. Wie so oft hat Paul vorgeheizt, bevor er selbst zur Arbeit gefahren ist. Ich schließe die Haustür auf und Wärme schlägt mir ins Gesicht.</p>
<p>Was für ein anstrengender Tag, denke ich, als ich mich auf dem Sofa ausstrecke und nach meinem Buch greife. Arbeiten konnte man das heute eigentlich nicht nennen. Immer wieder brachen die Internetverbindungen zusammen. Ich weiß nicht mehr genau, wie oft ich den Router neu startete, in der verzweifelten Hoffnung, es würde ihm in Erinnerung rufen, dass er Daten zu transportieren hat. Es war oft und reichte für zwei Minuten Datentransfer zum Festland und in die Welt. Entnervt hab ich zwischendrin immer wieder Paul angerufen und um Rat gefragt.</p>
<p>„Das ist so auf der Insel, das ist die Insel bei Sturm. Entspann Dich, Du kannst nichts daran ändern.“</p>
<p>„Wieso ist das die Insel bei Sturm? Was hat das Internet mit dem Sturm am Hut?“ frage ich zurück.</p>
<p>Es wäre nicht mein Paul, wenn er darauf nicht auch eine Geschichte als Erklärung aus dem Ärmel zaubern könnte.</p>
<p>„Na ja, die Leitungen vom Leuchtturm nach Burg sind alt und langsam und in Burg ist ein Funkmast, der alle Daten weiterschickt. Bei Oststurm wackelt dieser Mast aber so sehr, dass er nicht alle Daten auf die richtige Bahn schicken kann. Manchmal verpasst er den  richtigen Moment, weil er so sehr wackelt.“</p>
<p>„Ja klar – Du nimmst mich auf den Arm.“ Ich kann mir ein Grinsen nicht verkneifen, als ich mir vorstelle wie der arme, wackelnde Funkmast in Burg verzweifelt versucht im richtigen Moment Millionen von Daten in Richtung Datenautobahn abzufeuern. Bildlich stelle ich mir vor, wie das Festland ihm immer wieder die Zunge rausstreckt, weil er schon wieder nicht getroffen hat.</p>
<p>Ich klappe meinen Fehmarnkrimi auf und fange an mich dem spannenden Finale um die drei ermordeten Kitesurferrinnen in Gold zu widmen. Praktisch das der Sturm am Haus zerrt und der Ort des Verbrechens hinter dem Garten und über den Deich liegt.</p>
<p>Das Telefon holt mich in die Welt zurück.</p>
<p>Es ist spät. Warum ruft meine Mutter jetzt noch an?</p>
<p>„Hallo Mama. Ich wollte Dich morgen früh anrufen, um Euch zu fragen, ob Ihr am Wochenende nicht hierher einen Ausflug machen wollt. Das Wetter ist jetzt so schön mild und wir könnten am Hafen frischen Fisch kaufen.“</p>
<p>„Hallo mein Kind, reg Dich jetzt bitte nicht auf.“</p>
<p>Immer wenn meine Mutter spät abends anruft und mit diesen Worten das Telefonat beginnt, dann ist etwas passiert. Mein Herz setzt einen Moment aus und ich lausche in den Hörer. Mama holt tief Luft.</p>
<p>„Dein Vater liegt im Krankenhaus. Er hatte heute Nachmittag einen Herzinfarkt.“</p>
<p>„Moment. Herzinfarkt? Papa? Dieser Typ, der so groß und stark ist, das jeder denkt er kann das Kaminholz einarmig schlagen? Mein Papa, der gestern noch auf dem Meer draußen war, um Dorsch und Co an seine Angel zu locken? Papas Herz ist unkaputtbar!“</p>
<p>Meine Gedanken fangen an zu schwirren. Mir wird abwechselnd heiß und kalt und schlecht. Zitternd, den Tränen nahe höre ich mir Mamas Erklärungen an.</p>
<p>Vorhin noch habe ich an ihn gedacht und mich gefreut, dass es ihm nach seiner Grippe besser geht. Ich freute mich darauf beide am Wochenende auf die Insel einzuladen und jetzt soll er an Drähten und Schläuchen auf irgendeiner, mit milchigem Licht schwach beleuchteten Intensivstation liegen und sich von einem Infarkt erholen. Mir ist mulmig. Während ich mit meiner Mutter rede, die für mein Empfinden viel zu gefasst wirkt, nimmt der Sturm meine Ängste auf und peitscht energischer um das Haus. Im Kamin jault es, die Funken fliegen, so wie die Böen in den Feuerschlund ballern.</p>
<p>„Mama! Ich kann heute Nacht nicht mehr nach Hause kommen, ich habe schon getrunken. Aber morgen früh fahre ich gleich zu Euch. Versprochen.“</p>
<p>„Mach das mein Kind. Heute Nacht möchte ich auch nicht, dass Du noch fährst. Aber eigentlich brauchst Du auch nicht zu kommen. Dein Vater ist in guten Händen, und wenn er das alles überstanden hat und sich nicht mehr so aufregt und Zigarre raucht, dann wird ihm so etwas auch nicht mehr passieren. Ich habe ja gleich den Arzt angerufen, als er über diese merkwürdigen Rückenschmerzen klagte. Der Dickkopf wollte das zwar nicht, aber heut habe ich einfach nicht auf ihn gehört.“</p>
<p>Mir rollen die Tränen über mein Gesicht. Ich kann mir lebhaft vorstellen, was mein Vater meiner Mama an den Kopf schmiss, als sie ihm vorschlug, vorsichtshalber die 112 zu wählen.</p>
<p>‚<em>Ich brauche keinen Arzt. Das geht schnell vorbei. Ich bin doch noch nicht alt und gebrechlich.’</em></p>
<p>Mein Vater ist ein Dickkopf. Ein lauter Dickkopf ist er noch dazu. Ich bete ja nicht oft, aber heute Abend danke ich, wem auch immer da oben zwischen den Wolken, das der Dickkopf meiner Mutter sich über das Gepolter meines geliebten Vaters hinwegsetzte und ihm das Leben gerettet hat.</p>
<p>Zitternd und innerlich völlig verfroren lege ich das Telefon auf.</p>
<p>Ich zwinge mich, nachzudenken. Ich muss morgen Abend arbeiten. Wenn ich gleich um sechs losfahre, kann ich rechtzeitig wieder auf der Insel sein. Das Holz im Kamin ist heruntergebrannt. Mechanisch packe ich Scheite nach. Dabei schießen mir Bilderfetzen von früher in den Sinn. Papa, wie er uns Kindern zeigt, wie Kartoffelpuffer elegant in der Pfanne gewendet werden. Er hat mit einem eleganten Schwung die Puffer ein wenig in die Luft geschmissen und sie mit der Pfanne wieder aufgefangen. Mein Bruder und ich haben das irgendwann in der frisch renovierten Küche versucht, nachzumachen. Dabei entspann sich ein Wettbewerb. ‚Wer trifft zuerst die Decke. Der Fettfleck erinnerte uns Jahre später noch an diesen lustigen Nachmittag und wurde außer von uns, von niemandem bemerkt. Mein Papa war mit uns Drachensteigen. Er brachte mir das Fahrradfahren bei und er hat mich gelehrt, dass es sich nicht lohnt, die mich hänselnden Jungs zu verprügeln. Viel mehr würde es sie treffen, ließe ich sie in der Klassenarbeit nicht abschreiben. Das brachte mir den Beinamen Streber ein. Ich trug aber keine Schäden davon.</p>
<p>Das Feuer im Ofen brennt wieder. Langsam tauche ich aus meinen Gedanken wieder auf. Gut! Papa liegt im Krankenhaus, meine Mutter scheint relativ gefasst, mein Bruder ist unterwegs nach irgendwo in Süddeutschland und ich sitze rotweingetränkt auf einer Insel inmitten tosender Ostwindsee. Ich rufe Paul an. Der hat bestimmt eine Geschichte parat und wird mich trösten. Ist ja auch grausam hier so allein vor dem Kamin mit trüben Gedanken.</p>
<p>„Hallo meine Schöne.“</p>
<p>„Nix Schöne! Meine Nase ist rot vom Heulen, meine Augen verquollen und Taschentücher habe ich auch keine mehr.“</p>
<p>Paul bekommt die Kurzversion des väterlichen Zusammenbruchs und ordnet sofortige Heimreise an.</p>
<p>„Geht nicht! Ich habe schon getrunken. Das ahnt ja auch kein Mensch, dass meinen alten Herrn so was niederstreckt. Hätte er ja mal ankündigen können.“</p>
<p>Ich höre Paul am anderen Ende der Leitung schmunzeln.</p>
<p>„Genau, was fällt dem Papa eigentlich ein. Einfach krank werden, ohne vorher zu checken ob das in die Windvorhersagen, Dienst-und Partypläne seiner Kinder passt.“</p>
<p>„Finde ich auch.“ Und muss lachen.</p>
<p>„Pass auf meine Kleine. Du kannst eh nichts machen jetzt. Trink einfach den Rotwein aus und dann am besten noch ein Glas oder zwei, versuche zu schlafen und morgen fährst Du ins Krankenhaus. Ich komm vorher noch vorbei und wir frühstücken gemeinsam. Um Deine Termine morgen mache Dir mal keinen Kopf. Ich kümmere mich darum.“</p>
<p>Es knarzt und knirscht in der Leitung. Irgendwo fällt mit lautem Getöse was um, der Wind nagt an den Fenstern. Plötzlich ist alles still und dunkel. Nur das Feuer im Kamin schickt flackerndes Licht auf den Fußboden.</p>
<p>„Paul?Paul?“ frag ich ins Telefon. Stille- kein Piep, kein Murks- nichts.</p>
<p>Meine Reaktion hat auch schon bessere Tage erlebt. Ich brauche einen Moment, um zu checken, dass der Strom weg ist.</p>
<p>‚Scheiße, denke ich. Jetzt zum Sicherungskasten in der Dunkelheit- ein Traum!’</p>
<p>Es ist dunkel. Vollkommen dunkel. Jede Ecke in meinem Heim ist mein. Hier stoße ich mit dem Oberschenkel an, dort bleibe ich mit dem Zeh hängen. Mein Handy läutet und leuchtet mir immerhin den Weg in Richtung Küchentresen. Paul ist dran. „Du warst weg, ganz plötzlich. Und dann hatten wir hier im Norden Stromausfall.“</p>
<p>„Oh das ist toll!“</p>
<p>„Was ist daran toll?“</p>
<p>„Na weil ich weiß, dass ich auch einen Stromausfall habe. Wenn Du einen hast, dann habe ich keinen Kurzen in den Sicherungen, sondern auch einen inselübergreifenden Stromausfall.“</p>
<p>„Das könnte sein.“ Erwidert Paul. „Aber ich habe schon wieder Licht.“</p>
<p>Inzwischen habe ich mich ins Schlafzimmer vorgearbeitet und schiele auf die Straße. Kein Licht weit und breit. Nur hier und dort flackernde Taschenlampenkegel in den Vorgärten.</p>
<p>„Ich sollte mir auf meine ToDo Liste ‚Taschenlampe besorgen’ schreiben.</p>
<p>„Wie?“ fragt Paul „Du hast keine Taschenlampe?“</p>
<p>„Ähm, nein. In der Großstadt fällt a) der Strom nicht aus und b) fällt er, wenn, dann nur Millisekunden aus. Ich habe keine Taschenlampe. Nur tausende Kerzen, die ich jetzt anmache und dann trinke ich meinen Rotwein zu Ende. Wird schon wieder kommen der Strom und wenn nicht, dann muss ich halt kalt geduscht morgen zu Papa ins Krankenhaus fahren. Gute Nacht Paul.“</p>
<p>Ich schlurfe also ins Wohnzimmer zurück, entzünde die Kerzen, setze mich aufs Sofa und überlege, was der Abend noch so bringen wird. Lesen ist Augen schädigend, TV ist schwarz, das Radio hüllt sich in Schweigen, Telefonieren sollte ich besser nicht um den Akku zu schonen und Internet- na ja das ginge, aber auch der Akku am Laptop sollte für den Notfall gefüllt bleiben. Um mir weiterhin keine Sorgen über die Programmierung von Heizung, Herd und dem möglichen Abtauen des Kühlschrankes zu machen, stürze ich den letzten Rotwein runter und hangele mich durch die Schwärze der Nacht in Richtung Bett.</p>
<p>Wird schon werden sind die letzten Gedanken, bevor ich mich unter die Bettdecke verkrieche. Es gibt Tage die braucht kein Mensch.</p>
<p>Das Telefon weckt mich. Mir fällt ein, was geschehen ist. Papa&#8230; Schneller als sonst habe ich den Hörer in der Hand.</p>
<p>„Hallo?“</p>
<p>„Ja Hallo hier ist die Firma Treis.“</p>
<p>„Ja bitte?“ Ich kenne keine Firma Treis oder Preis oder so. Ganz habe ich den Namen nicht verstanden. Am anderen Ende trötet ein leise nuschelnder Mann in schönstem breiten Hochdeutsch.</p>
<p>„Ja min Deern Sie sind doch die junge Surferin, die hierher gezogen ist und neben dem Leuchtturm im Inselnorden arbeitet.“</p>
<p>Es ist keine Frage, sondern eine Feststellung.</p>
<p>„Ja bin ich.“ Aber was wollen Sie von mir? Denke ich im Stillen. Reden kann ich nicht, denn der Mann am anderen Ende redet ohne Punkt und Komma. Ich höre ihn auch nicht nach Luft holen.</p>
<p>„Ja also min Deern, Firma Treiss sind wir, von schräg gegenüber, wissen Sie doch und wir wollen bei Ihnen den Abfluss für das Schmutzwasser neu legen. Firma Treiss, das wissen Sie doch, von schräg gegenüber.“</p>
<p>Ich weiß nichts. Keine Ahnung, was für Rohre verlegt werden sollen, oder das etwas verlegt werden soll.</p>
<p>Ich versuche den Mann von schräg gegenüber vor einem Fehler zu bewahren und zwänge zwischen seinen Redeschwall ein leises „Ich habe aber niemanden bestellt.“</p>
<p>Mein Einwand wird überhört beziehungsweise ignoriert.</p>
<p>„Also min Deern Firma Treiss&#8230;“ Das weiß ich jetzt auch- denke ich ein bisschen nervös und ungehalten werdend. „&#8230;wir bauen das Schmutzwasserrohr neu und wir haben schon bei Ihnen geklingelt, weil ein Auto auf der Auffahrt steht und stört. Aber Sie machen ja nicht auf!“ Ich höre einen vorwurfsvollen Unterton in seiner Stimme.</p>
<p>Ich verstehe nichts von dem, dass er sagt, schlendere aber Richtung Schlafzimmerfenster. Irgendwie wird mir ein bisschen mulmig beim Gedanken an meinen rasenden Franzosen. Nicht das Er umgefahren worden ist.</p>
<p>Das Telefon plappert munter weiter.</p>
<p>„Also min Deern, wir müssen mit unserem Bagger auf die Auffahrt rauf, aber das Auto dort stört. Fahren Sie es doch ein Stück zur Seite. Sie können es ja bei ihrem Nachbarn vor dem Haus abstellen.“</p>
<p>„Nein, um Gottes willen das nicht!“ Entfährt es meinem Mund. Nicht, weil ich mein Auto nicht beim Nachbarn vor der Türe würde platzieren wollen, sondern weil ich die Schlafzimmergardine zurückgeschoben habe und vor meinem Fenster ein riesiges Loch in der Erde klafft, dass mich lustig anfunkelt. Mittendrin, quasi zu meiner Bettkante stehen zwei Typen im Dreck und rauchen. Von der Straße bis zum Haus zieht sich ein frisch ausgehobener Graben. Vor der Einfahrt wartet ein Bagger darauf, noch mehr Erdreich abzutragen. Und mittendrin mein armer Renault. Sieht aus wie ein Spielzeugauto inmitten einer Mondlandschaft.</p>
<p>Pauls Auto blockiert den Bagger am Weiterarbeiten.</p>
<p>„Also min Deern, Sie können das Auto auch auf meinen Hof stellen. Sie wissen schon Firma Treis von schräg gegenüber.“</p>
<p>„Ja klar- mache ich.“</p>
<p>Das Gespräch wird beendet.</p>
<p>Was ist das hier? Frage ich mich. Versteckte Kamera? Lassen wir die Insulaner doch mal verwundert dreinblicken? Ein Test für die Dorfneulinge? Woher hat der Typ überhaupt meine Telefonnummer? Und woher weiß der, wo ich arbeite? Und verdammt?! Steht auf meiner Garageneinfahrt etwa meine komplette Vita? Ich kenne niemanden hier, außer dem mürrischen Einparklegastheniker von nebenan und die zwei fröhlichen Kinder drei Häuser weiter, die immer so nett meine UPS Pakete annehmen.</p>
<p>Und noch mal verdammt! Hält hier niemand es für nötig sich wegen solcher Bauarbeiten anzukündigen?</p>
<p>„Paul? Bist Du wach?“</p>
<p>„Hmmm.Jetzt schon.“ Grummelt es unter der Bettdecke hervor.</p>
<p>„Du Paul, mein Herz. Ähmm gib mir mal Deinen Autoschlüssel bitte und dann stopf Dir viel Ohropax in die Ohren, wenn Du weiterschlafen willst.“</p>
<p>Ich kann den Blick irgendwie nicht von dem Krater vorm Haus wenden. Die Typen vor dem Fenster winken und bedeuten mir, dass Pauls Auto stört.</p>
<p>„Ja, ja- ich komm ja schon.“</p>
<p>An Paul gewandt, der mich mit großen Fragezeichen anschaut meine ich im Gehen: „ Schau aus dem Fenster. Kriege aber bitte keinen großen Schreck. Unsere Auffahrt ist kratermäßig perfekt ausgestattet heute. Ich fahr mal schnell Dein Auto weg, es stört den Bagger.“</p>
<p>„Was, wie?“ So schnell habe ich Paul selten aus dem Bett springen sehen. „Echt? Krass.“ Kommt es vom Fenster.</p>
<p>Ich eile nach draußen, parke das Gefährt um, schlurfe wieder ins Haus und will mir einen Kaffee aufsetzen.</p>
<p>Das hat Paul schon erledigt. Fragende Blicke empfangen mich, als ich mich setze.</p>
<p>„Was ist denn hier los?“</p>
<p>„Du keine Ahnung. Die bauen irgendein Abflussrohr neu.“</p>
<p>„Und Du wusstest nichts davon?“</p>
<p>„Nöö- anscheinend reicht es auf einer Insel, wenn der Bautrupp morgens an der Türe klingelt. Leider haben wir das nicht gehört und das Klopfen hat uns ja auch nicht geweckt. Dann haben Sie es wohl auf dem Handy versucht ohne Erfolg, weil es lautlos ist. Woher der Typ dann meine Telefonnummer hat- ich weiß es nicht. Aber ich werde mich wohl daran gewöhnen müssen, dass selbst, wenn Du versuchst, alles zu verheimlichen, alle immer irgendwie alles wissen.“</p>
<p>„Willkommen auf der Insel.“ Grinst Paul mich an.</p>
<p>„Ja- ich glaube auch.“ Am Küchenfenster schleicht ein Bauarbeiter lang in Richtung Garten. Ich sprinte auf die Terrasse.</p>
<p>„Kann ich Ihnen helfen? Wollen Sie einen Kaffee?“ Kaffee und Kekse haben bis dato noch alle Handwerker und Bauarbeiter, und wenn sie noch so brummelig waren, besänftigt.</p>
<p>„Nein, nein min Deern. Ich muss mir mal mein Hemd ordentlich in die Hose stopfen.“ Dreht sich um und verschwindet hinter den Bäumen.</p>
<p>„Ich verstehe. Hemd in die Hose stopfen.“ Grinsend wende ich mich Paul zu.</p>
<p>„Hemd in die Hose stopfen ist also der inseltypische Dialekt, wenn Bauarbeiter pinkeln gehen. Jaja willkommen auf der Insel, ich weiß.“ Wir müssen beide lachen.</p>
<p>„Weißt Du was. Ich dusche jetzt und dann fahre ich ins Krankenhaus. Morgen früh bin ich zurück, wenn es recht ist. Meinst Du, Du kommst bis dahin mit den Baggern und Erdhügeln in meinem Vorgarten klar?“</p>
<p>„Klar. Fahr ruhig. Lass Dir Zeit. Wenn Du morgen nicht schaffst, zurückzufahren, dann macht das nichts. Dein Papa muss gesund werden. Grüß mir Deinen alten Herrn.“</p>
<p>Ich muss grinsen. Männern und Technik, Erdhügel Dreck und Krach. Gegen diese Vorliebe kommen weibliche Rundungen, Charme, Lachen und Witz nicht an. Wenn der gemeine Mann buddeln darf, dann kannst Du als Frau gerne einen Tag länger bleiben.</p>
<p>Nachmittags im Universitätsklinikum meiner Heimat empfängt mich ein wieder lachender, zwar noch blasser, aber anscheinend einigermaßen wieder hergestellter Vater. Dank der Beherztheit meiner Mutter, neuer Technik und einem starken Herzen scheint alles bester Ordnung zu sein. Er scherzt und er poltert wie eh und je. Und das er jetzt Grünzeug knabbern muss, das schaut er sich erst mal an- sagt er.</p>
<p>Bild: aboutpixel</p>
<p>&nbsp;</p>
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